Berlinale-Jurorin aus Templin: Neue Impulse für das Kino in der Uckermark
Berlinale-Jurorin aus Templin prägt Kino in der Uckermark

Berlinale-Jurorin aus Templin: Neue Impulse für das Kino in der Uckermark

Berlin/Templin • Die Berlinale, das große Fest des Films, das internationale Schaulaufen der Geschichten, der Macher und der innovativen Ideen. In diesem Jahr mittendrin: Kathrin Bohm-Berg, Geschäftsführerin des Multikulturellen Centrums Templin (MKC). Erstmals wurde sie in die renommierte Gilde-Jury der Arthouse-Betreiber berufen, die seit über vier Jahrzehnten ihren eigenen, unabhängigen Blick auf den Wettbewerb richtet.

In illustrer Gesellschaft als Seismograf des Kinos

Die sogenannte Gilde-Jury gilt als zuverlässiger Seismograf des zeitgenössischen Kinos und fragt auch nach jener schwer messbaren Größe, die ein Werk im dunklen Saal entfalten kann: seiner authentischen Resonanz beim Publikum. Dem dreiköpfigen Gremium des Jahrgangs 2026 gehörten neben Claudia Dostal, Programmverantwortliche der Berliner Yorck-Kinogruppe, und Hans Jörg Blondiau vom vielfach ausgezeichneten Zoom-Kino in Brühl auch die MKC-Chefin aus Templin an.

Für Kathrin Bohm-Berg, die seit mehr als zwanzig Jahren regelmäßig zur Berlinale reist, bedeutete diese Berufung eine neue, intensivere Nähe zur Essenz des Festivals. „Ich habe den kompletten Wettbewerb geschaut“, sagt sie rückblickend. „Man erlebt die Premieren und damit auch die Geschichten hinter den Filmen – und die Menschen, die diese Kunstwerke geschaffen haben.“ Film, so schwärmt sie, sei eine hochkonzentrierte Kunstform, entstanden aus jahrelanger Arbeit, getragen von den Händen und Gedanken Hunderter Beteiligter aller Sparten. Ihre Zusammenfassung der besonderen Festivalzeit fällt in drei prägnante Wörter: „intensiv, herausfordernd, supergeil.“

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Ein Spiegel der Gegenwart: Die Wahl der Gilde-Jury

Die Wahl der Gilde-Jury fiel auf den Film „Gelbe Briefe“ von Regisseur İlker Çatak. Die Begründung liest sich wie ein präziser Spiegel unserer Gegenwart: Zwischen Anpassung und Widerstand, zwischen demokratischen und autoritären Versuchungen entwerfe der Film ein beeindruckendes Panorama moderner Gesellschaften. Ein kunstvoller Erzählgriff, der die Türkei erzählerisch in die Stadträume von Berlin und Hamburg verlegt und damit zugleich Europa selbst vermisst.

Die Jury würdigte auf der Alternativen Preisverleihung der unabhängigen Jurys insbesondere, wie sich politische Spannungen in den Figuren und ihren Beziehungen brechen – und wie schnell vermeintlich überwundene Muster zurückkehren, wenn Gewissheiten erodieren. Die Tatsache, dass „Gelbe Briefe“ auch den Goldenen Bären gewann, sah Kathrin Bohm-Berg als deutliche Bestätigung ihrer eigenen Jury-Arbeit.

Film als öffentlicher Denkraum und politisches Statement

Es seien genau solche Filme, die die Berlinale seit jeher zu einem politischen Festival machen, auch wenn darüber, ob Kunst politisch sei und sein dürfe, immer wieder kontrovers diskutiert wird. „Allein zu erleben, was in den Gesprächsrunden und Pressekonferenzen tatsächlich gesagt wurde – und wie darüber in den Medien berichtet wurde –, war äußerst aufschlussreich“, erzählt Kathrin Bohm-Berg. Festivalpräsidentin Tricia Tuttle und Regie-Altmeister Wim Wenders hätten mit Nachdruck die Freiheit der Kunst verteidigt.

„Da gab es starke Momente, die nachhallen. Und die nachdenklich machen“, sagt sie. Die Frage, was gesagt werden darf und was gesagt werden soll, stand immer im Raum – und mit ihr die Erkenntnis, dass Film stets mehr ist als reine Unterhaltung: ein essenzieller öffentlicher Denkraum. Unter den 22 Wettbewerbsfilmen entdeckte die Templinerin auch einige persönliche Favoriten. „Yo (Love is a Rebellious Bird)“ etwa, der mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde – ein poetischer Film über Erinnerung, Verlust und die eigensinnige Kraft künstlerischer Imagination.

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Inspirierende Gespräche und globale Kontakte

Mehr als 20.000 akkreditierte Gäste aus aller Welt ließen in den Sälen und Foyers der Berlinale einen lebendigen globalen Austausch entstehen. Für Kathrin Bohm-Berg waren es vor allem die intensiven Gespräche, die inspirierten und deren Echo sie mit nach Templin nimmt: „Wissen über aktuelle Filme, wertvolle Kontakte zu Verleihern und Filmemachern, kreative Anregungen für Veranstaltungen – und die zentrale Frage, wie mache ich Kino heute?“

Antwort darauf hat die MKC-Chefin in Berlin nicht allein gesucht – acht weitere engagierte Mitstreiter ihres Teams und „Filmkomplizen“ des Trägervereins waren ebenfalls zum „Filmegucken“ auf dem Festival. Sie alle werden mit ihren vielfältigen Eindrücken das künftige Programm des MKC aktiv mitgestalten.

Nachhall in Templin: Die Berlinale wirkt weiter

Übrigens: Filmfans, die sich einbringen wollen, so lädt Kathrin Bohm-Berg in diesem Zusammenhang ausdrücklich ein, sind bei den „Filmkomplizen“ bestens aufgehoben und können sich gern melden. Die Berlinale des Jahrgangs 2026, davon ist die Templiner Filmfrau überzeugt, wird noch lange auf Leinwand und Bühne in Templin nachklingen und das kulturelle Leben der Uckermark bereichern.