Jahrelanger Rechtsstreit um Beuys-Werke endlich beigelegt
Im niederrheinischen Museum Schloss Moyland herrscht endlich wieder Frieden. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen haben sich das Museum und die Erben des Jahrhundertkünstlers Joseph Beuys auf eine umfassende Einigung verständigt. Die Witwe Eva Beuys und ihre Kinder haben der Museumsstiftung die umfassenden Nutzungsrechte an Tausenden Werken von Beuys (1921-1986) eingeräumt.
Befreiungsschlag für das Beuys-Museum
Für das Museum Schloss Moyland bedeutet diese Einigung einen echten Befreiungsschlag. Über Jahre hinweg hatte es immer wieder erbitterte Auseinandersetzungen mit Eva Beuys über Ausstellungsrechte gegeben, die teilweise sogar bis vor den Bundesgerichtshof gelangten. In der Vergangenheit mussten Bilder abgehängt werden, Ausstellungskataloge erschienen ohne Abbildungen, und Gerichte mussten darüber entscheiden, ob Fotos von Beuys' legendären Fettecken-Aktionen ohne Genehmigung der Erben gezeigt werden durften.
Das Land Nordrhein-Westfalen bezahlte für diese umfassenden Nutzungsrechte eine einmalige Summe von 3,25 Millionen Euro, wie das NRW-Kulturministerium offiziell mitteilte. Damit kann Moyland die Werke künftig in Eigenregie in Ausstellungen, Katalogen und digitalen Formaten präsentieren.
Umfassende Rechte für Ausstellung und Forschung
Durch die neue Vereinbarung erhält die Stiftung Museum Schloss Moyland weitreichende Möglichkeiten. Künftig kann sie Werke vervielfältigen lassen, Abbildungen in Büchern veröffentlichen, Bild- und Tonträger produzieren und sogar Beuys-Artikel für den Museumsshop herstellen lassen. Auch die Nutzung für Marketing- und Werbezwecke sowie für Webseiten und soziale Medien ist nun zulässig.
Das Urheberrecht selbst bleibt zwar beim Joseph Beuys Estate, der als Rechtsnachfolger des Künstlers fungiert. Doch durch den Vertrag wurden Moyland die urheberrechtlichen Nutzungsrechte übertragen, was eine entscheidende Verbesserung darstellt.
Kulturministerin spricht von Durchbruch
Kulturministerin Ina Brandes (CDU) zeigte sich über die Einigung hocherfreut: „Mit der Vereinbarung ist es dem Land gelungen, Beuys' künstlerisches Erbe dauerhaft zugänglich und sichtbar zu machen. Ich bin Eva Beuys und dem Joseph Beuys Estate für diesen Durchbruch sehr dankbar.“ Davon werde die wissenschaftliche Forschung ebenso profitieren wie die Besucher in Moyland, die das Werk nun ohne Einschränkungen erleben könnten.
Einzigartige Sammlung im Wasserschloss
Im Museum Schloss Moyland werden rund 6.000 frühe Werke von Joseph Beuys sowie Zehntausende Dokumente und Fotos aufbewahrt. Darunter befinden sich Zeichnungen, Gemälde, plastische Arbeiten und bedeutende Schlüsselwerke wie die „Hasengräber“ oder „Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet“.
Die einzigartige Sammlung geht zurück auf die Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten, die seit Kriegsende mit Beuys befreundet waren. 1997 wurde das mit finanzieller Hilfe des Landes NRW wiederaufgebaute Schloss als Museum mit der Sammlung der Brüder eröffnet. Das Land fördert Moyland aktuell jährlich mit rund 4,5 Millionen Euro.
Joseph Beuys, der von 1921 bis 1986 lebte, gilt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Er wurde international bekannt für seine ungewöhnlichen Werke aus Materialien wie Fettecken und Filz, die die Kunstwelt nachhaltig prägten. Die Beilegung des jahrelangen Streits bedeutet nun einen Neuanfang für die Präsentation und Erforschung seines umfangreichen Frühwerks.



