DDR-Kunst: Wie der vierjährige Peter Generationen prägte und heute polarisiert
DDR-Kunst: Der vierjährige Peter prägte Generationen (27.02.2026)

DDR-Kunst: Wie der vierjährige Peter Generationen prägte und heute polarisiert

In Kindergärten und Schulen der Deutschen Demokratischen Republik hing ein Bild, das noch heute für Nostalgie, aber auch für deutliche Ablehnung sorgt. Das Gemälde „Peter im Tierpark“ von Harald Hakenbeck zeigt einen kleinen Jungen in einem dicken, blauen Wintermantel und wurde zu einem ikonischen Symbol einer ganzen Epoche.

Allgegenwärtiges Bild mit polarisierender Wirkung

Kürzlich erregte das Bild erneut Aufmerksamkeit, als die Facebook-Seite „Ostkombinat – Altstoffsammlung“ es zum Diskussionsthema machte. Die Reaktionen der Nutzer fielen äußerst unterschiedlich aus: Während einige sentimentale Erinnerungen an ihre Kindheit teilten, äußerten andere starke Ablehnung. Ein frustrierter Nutzer kommentierte: „Gruselig, meine Mutter hat mir das Bild ins Kinderzimmer gehängt. Ich kann es nicht mehr sehen.“

Das 66 mal 46 Zentimeter große Ölgemälde zeigt den vierjährigen Peter, den Sohn des Künstlers, vor einem Waldstück mit Wildschweinen, einem Kamel und einem versteckt lauernden Pfau. Interessanterweise beeinflusst der Ort, an dem Betrachter das Bild zum ersten Mal sahen, oft ihre Erinnerungen – sei es im Kindergarten, beim Zahnarzt, in Schulbüchern, auf Postkarten oder sogar auf einer Briefmarke.

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Vom Atelier in Berlin zur nationalen Berühmtheit

Harald Hakenbeck schuf das Werk in den Jahren 1960 und 1961 nicht im Berliner Tierpark, sondern in einem Atelier in der Nähe seiner Wohnung in Berlin. Der künstlerische Durchbruch gelang 1962, als das Bild auf der V. Deutschen Kunstausstellung in Dresden präsentiert wurde. Im selben Jahr erwarb das Ministerium für Kultur der DDR das Gemälde.

Heute befindet sich das Werk als Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und wird in der Gemäldegalerie Neue Meister ausgestellt. Bereits 1967 wurde das Motiv auf einer Briefmarke mit einem Wert von 25 Pfennig gedruckt – in einer beeindruckenden Auflage von vier Millionen Stück.

Künstlerische Laufbahn des Schöpfers

Harald Hakenbeck wurde am 20. September 1926 in Stettin geboren und absolvierte zunächst eine Lehre als kaufmännischer Angestellter bei einer Krankenkasse. Nach seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg und britischer Kriegsgefangenschaft studierte er von 1948 bis 1953 an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee.

Seine akademische Laufbahn setzte er als Meisterschüler bei Heinrich Ehmsen an der Deutschen Akademie der Künste fort und arbeitete später als freischaffender Maler und Grafiker. Von 1965 bis 1968 war er Dozent am Institut für Kunsterziehung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und von 1974 bis 1980 Dozent für Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Kunsthistorische Bedeutung und aktuelle Debatten

Das Gemälde „Peter im Tierpark“ gehört neben Walter Womackas „Am Strand“ zu den bekanntesten Bildern, die in der DDR entstanden. Bei einer Ausstellung in Dresden vor sieben Jahren wurden 114 Bilder und 32 Skulpturen von 107 Künstlern präsentiert, darunter auch Hakenbecks ikonisches Werk.

Cornelius Fetsch vom Dresdner Institut für Kulturstudien betonte bereits 2014 die Bedeutung einer fairen Betrachtung: „Es ist Zeit für einen fairen Blick auf die Kunst aus der DDR, auch im Westen.“ Diese Aussage gewinnt angesichts der anhaltenden Diskussionen um das Erbe der DDR-Kunst zusätzliche Relevanz.

Heute lebt Harald Hakenbeck laut Medienberichten in Berlin, während sein Werk „Peter im Tierpark“ weiterhin Generationen verbindet und gleichzeitig polarisiert – ein faszinierendes Phänomen im kulturellen Gedächtnis Deutschlands.

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