DDR-Kunst: Die bewegende Geschichte hinter dem ikonischen Bild 'Peter im Tierpark'
DDR-Kunst: Die Geschichte hinter 'Peter im Tierpark'

Das ikonische DDR-Bild: 'Peter im Tierpark' und seine bewegte Geschichte

Ein kleines Ölgemälde hat in der DDR ganze Generationen geprägt und sorgt noch heute für intensive emotionale Reaktionen. Das Werk "Peter im Tierpark" des Künstlers Harald Hakenbeck hing nicht nur in unzähligen Kindergärten und Schulen, sondern fand auch Einzug in Lesebücher, auf Postkarten und sogar auf eine Briefmarke.

Ein Bild, das polarisiert

Kürzlich machte die Facebook-Seite "Ostkombinat – Altstoffsammlung" das Gemälde zum Diskussionsthema und löste damit eine Welle unterschiedlichster Reaktionen aus. Während viele Nutzer sentimentale Erinnerungen an ihre Kindheit teilten, äußerten andere deutliche Ablehnung. Ein frustrierter User kommentierte: "Gruselig, meine Mutter hat mir das Bild ins Kinderzimmer gehängt. Ich kann es nicht mehr sehen."

Das 66 mal 46 Zentimeter große Ölgemälde zeigt den vierjährigen Peter, den Sohn des Künstlers, eingehüllt in einen dicken blauen Wintermantel. Im Hintergrund breitet sich ein Waldstück aus, in dem Wildschweine, ein Kamel und ein versteckt lauernder Pfau zu erkennen sind. Interessanterweise entstand das Bild nicht etwa im Berliner Tierpark, sondern in Hakenbecks Atelier in der Nähe seiner Berliner Wohnung zwischen 1960 und 1961.

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Vom Atelier in die DDR-Kultur

Der Ort, an dem Menschen das Bild zum ersten Mal sahen, prägte oft ihre Erinnerungen nachhaltig. Ob im Kindergarten, beim Zahnarzt, in Schulbüchern, auf Postkarten oder der berühmten Briefmarke – das Motiv war allgegenwärtig. Die Briefmarke mit einem Wert von 25 Pfennig wurde 1967 in einer beeindruckenden Auflage von vier Millionen Stück gedruckt.

Der künstlerische Durchbruch gelang 1962, als das Werk auf der V. Deutschen Kunstausstellung in Dresden präsentiert wurde. Noch im selben Jahr erwarb das Ministerium für Kultur das Gemälde. Heute befindet es sich als Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und wird in der Gemäldegalerie Neue Meister ausgestellt.

Kunsthistorische Bedeutung und Ausstellungen

Cornelius Fetsch vom Dresdner Institut für Kulturstudien betonte bereits 2014 bei einer Ausstellung in der Rostocker Kunsthalle: "Es ist Zeit für einen fairen Blick auf die Kunst aus der DDR, auch im Westen." Die Ausstellung "Bilder machen Schule. Kunstwerke aus DDR-Schulbüchern" zeigte damals das Original und unterstrich seine kulturhistorische Bedeutung.

"Peter im Tierpark" gehört neben Walter Womackas "Am Strand" zu den bekanntesten Bildern, die in der DDR entstanden. Vor sieben Jahren wurden in Dresden 114 Bilder und 32 Skulpturen von 107 Künstlern aus dieser Epoche ausgestellt, wobei Hakenbecks Werk einen besonderen Platz einnahm.

Der Künstler hinter dem Werk

Harald Hakenbeck wurde am 20. September 1926 in Stettin geboren und absolvierte zunächst eine Lehre als kaufmännischer Angestellter bei einer Krankenkasse. Nach seinem Kriegseinsatz im Zweiten Weltkrieg und britischer Kriegsgefangenschaft studierte er von 1948 bis 1953 an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee.

Seine Lehrer waren unter anderem Arno Mohr und Bert Heller. Nach dem Diplom im Fach Wandgestaltung wurde er von 1954 bis 1957 Meisterschüler bei Heinrich Ehmsen an der Deutschen Akademie der Künste. Anschließend arbeitete er als freischaffender Maler und Grafiker in Berlin.

Hakenbeck unternahm mehrere Studienreisen, unter anderem nach Albanien, Burma und Indonesien. Von 1965 bis 1968 war er Dozent am Institut für Kunsterziehung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und von 1974 bis 1980 Dozent für Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Laut Medienberichten lebt der Künstler heute in Berlin.

Das kleine Bild des vierjährigen Peter hat somit nicht nur die DDR-Kultur geprägt, sondern erzählt auch die bewegte Lebensgeschichte eines Künstlers, der vom Angestellten zum gefeierten Maler und Dozenten aufstieg.

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