Fast vergessen: DDR-Film 'Die Schlüssel' mit Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz nie im TV gezeigt
Fast vergessener DDR-Film 'Die Schlüssel' nie im TV

Ein fast vergessener DEFA-Film: 'Die Schlüssel' mit DDR-Stars

In den frühen 1970er-Jahren standen die bekannten DDR-Schauspieler Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz vor der Kamera für einen Film, der heute nur noch Insidern ein Begriff ist. Der DEFA-Streifen 'Die Schlüssel' wurde nie im DDR-Fernsehen gezeigt, was vor allem auf die strenge Zensur in beiden Ostblock-Staaten zurückzuführen ist. Die DEFA-Stiftung hat diesen Film nun zum DEFA-Film des Monats gekürt, anlässlich des 85. Geburtstags von Jutta Hoffmann am 3. März.

Zensur in der DDR und Polen behinderte Veröffentlichung

Regisseur Egon Günther, der bereits mit früheren Werken wie 'Wenn du groß bist, lieber Adam' bei der SED-Kulturpolitik angeeckt war, sah sich bei 'Die Schlüssel' mit Prüfungen nicht nur durch ostdeutsche, sondern auch polnische Kulturpolitiker konfrontiert. Wie der Filmwissenschaftler Philipp Zengel von der DEFA-Stiftung recherchierte, wurde der Film nach seiner Fertigstellung 1972 stark zensiert. Eine Reihe von Szenen wurde beschnitten oder komplett entfernt, darunter Aufnahmen des polnischen Bischofs Stefan Wyszyński und des Rockstars Czesław Niemen.

Die Premiere fand erst am 21. Februar 1974 im Berliner Kino International statt, nachdem die Dreharbeiten bereits im Juli 1972 abgeschlossen waren. Selbst danach wurde der Film nur in wenigen Kopien verbreitet, und eine Exportsperre verhinderte Vorführungen im Ausland, etwa bei der Viennale 1974 oder in der Bundesrepublik.

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Historischer Kontext und Handlung des Films

'Die Schlüssel' spielt vor dem Hintergrund des angespannten deutsch-polnischen Verhältnisses nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Handlung folgt dem frisch verliebten Paar Ric (Jutta Hoffmann) und Klaus (Jaecki Schwarz), die aus der DDR nach Polen reisen, um dem Alltag zu entfliehen. Am Flughafen treffen sie auf ein unbekanntes Ehepaar aus Krakau, das ihnen die Schlüssel zu dessen Wohnung anvertraut.

Das Drehbuch stammt von Helga Schütz, der damaligen Lebensgefährtin von Regisseur Günther. Gedreht wurde vornehmlich in Krakau und Stettin, wobei Günthers Regiestil für die damalige Zeit als fast revolutionär galt. Er setzte auf reale Drehorte, Improvisationen und natürliches Licht, was von polnischen Filmwissenschaftlern als Beispiel für eine mögliche 'Neue Welle' in der DDR-Kinematographie bezeichnet wurde.

Karrieren der Hauptdarsteller und ein denkwürdiger Monolog

Für Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz markierte 'Die Schlüssel' einen weiteren Schritt in ihren aufstrebenden Karrieren. Hoffmann hatte zuvor bereits in Filmen wie 'Der Dritte' mit Günther zusammengearbeitet, während Schwarz in 'Ich war neunzehn' zu sehen war. Beide hatten auch gemeinsam in dem Roadmovie 'Weite Straßen – stille Liebe' mit Manfred Krug gespielt.

Ein Höhepunkt des Films ist ein Monolog von Jutta Hoffmann zur Gleichberechtigung von Mann und Frau in der DDR, den sie in einer leeren Straßenbahn hält. In einem Zeitzeugengespräch 2013 erinnerte sich Hoffmann daran, dass während der Dreharbeiten ein polnischer Straßenbahnfahrer hinzukam, was zu einem spontanen Gespräch führte. Ein Satz des Arbeiters, der auf Erfahrungen in deutscher und russischer Gefangenschaft anspielte, wurde später aus dem Film entfernt.

Kritische Aufnahme und heutige Verfügbarkeit

Die Filmkritik in der DDR reagierte skeptisch bis ablehnend auf 'Die Schlüssel', wobei sich Rezensenten laut Zengel vor allem an dramaturgischen und formal-ästhetischen Aspekten abarbeiteten, anstatt sich mit den inhaltlichen Themen wie dem deutsch-polnischen Verhältnis oder der Gleichberechtigung auseinanderzusetzen. Mit der Einstellung des visafreien Grenzverkehrs zwischen Polen und der DDR wurde der Film schließlich gar nicht mehr gezeigt.

Heute ist 'Die Schlüssel' in der DEFA-Filmwelt auf YouTube verfügbar, wo auch andere Klassiker wie 'Die Legende von Paul und Paula' oder 'Coming Out' zu finden sind. Für Filmfans bietet dies eine seltene Gelegenheit, diesen fast vergessenen Streifen mit zwei DDR-Stars zu entdecken, der einst zwischen den Mühlen der Zensur zerrieben wurde.

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