Fast vergessen: DEFA-Film "Die Schlüssel" mit Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz
Fast vergessener DEFA-Film "Die Schlüssel" mit DDR-Stars (22.03.2026)

Ein fast vergessener DEFA-Klassiker: "Die Schlüssel" mit Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz

Der DEFA-Film "Die Schlüssel" aus den frühen 1970er-Jahren ist heute nur noch Insidern bekannt. Ein Hauptgrund dafür ist, dass er nie im DDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Hauptdarsteller Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz standen damals am Beginn großer Karrieren und prägten diesen fast vergessenen Streifen nachhaltig.

Zensur in zwei Ostblock-Staaten

Regisseur Egon Günther, bekannt für seine Konflikte mit der SED-Kulturpolitik, geriet mit "Die Schlüssel" in die Mühlen der Zensur zweier Ostblock-Staaten. Nicht nur ostdeutsche Prüfer, sondern auch polnische Kulturpolitiker nahmen das Werk unter die Lupe. Die DEFA-Stiftung hat den Film nun zum DEFA-Film des Monats gekürt, anlässlich des 85. Geburtstags von Jutta Hoffmann am 3. März.

Jaecki Schwarz, ihr männlicher Partner im Film, feierte jüngst seinen 80. Geburtstag. Beide Schauspieler hatten bereits vor "Die Schlüssel" in bedeutenden DEFA-Produktionen mitgewirkt, wie Schwarz in "Ich war neunzehn" (1968) und Hoffmann in "Der Dritte" (1971).

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Historischer Kontext: Deutsch-polnische Beziehungen

Die Entstehung von "Die Schlüssel" muss im historischen Kontext betrachtet werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschten zwischen Polen und Deutschen lange Misstrauen und Feindschaft. Erst Machtwechsel in Polen und der DDR unter Edward Gierek und Erich Honecker ermöglichten ab 1972 einen visafreien Grenzverkehr.

Im Film machen sich Ric (Jutta Hoffmann) und Klaus (Jaecki Schwarz) nach Polen auf, um den DDR-Alltag gegen das "freiere Polen" zu tauschen. Am Flughafen treffen sie auf ein unbekanntes Ehepaar aus Krakau, das ihnen die Schlüssel zu seiner Wohnung anvertraut.

Innovativer Regiestil und Zensurmaßnahmen

Das Drehbuch von Helga Schütz, Günthers damaliger Lebensgefährtin, ließ viel Raum für Improvisationen. Gedreht wurde vornehmlich in Krakau und Stettin mit realen Drehorten, dynamischer Kamera und natürlichem Licht. Der polnische Filmwissenschaftler Andrzej Gwóźdź bezeichnete Günthers Werk als Paradebeispiel einer "dekretierten Neuen Welle" in der DDR-Kinematographie.

Nach den Dreharbeiten dauerte es eineinhalb Jahre, bis der Film am 21. Februar 1974 in Berlin Premiere feierte. Polnische Kulturfunktionäre kritisierten die Rohfassung als "politisch und philosophisch falsch". In der Folge wurden zahlreiche Szenen stark beschnitten oder komplett eliminiert, darunter Sequenzen mit dem polnischen Bischof Stefan Wyszyński und dem Rockstar Czesław Niemen.

Schwierige Verbreitung und kritische Rezeption

Selbst nach der Premiere wurde "Die Schlüssel" nur in wenigen Kinos gezeigt, und eine Exportsperre verhinderte Vorführungen im Ausland. Im DDR-Fernsehen lief der Film nie, und als der visafreie Reiseverkehr gestoppt wurde, durfte er gar nicht mehr gezeigt werden. Die Filmkritik in der DDR äußerte sich skeptisch bis ablehnend, wobei inhaltliche Themen wie das deutsch-polnische Verhältnis oft umgangen wurden.

Ein Höhepunkt des Films ist ein grandioser Monolog von Jutta Hoffmann zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, den sie in einer leeren Straßenbahn hält. Während der Dreharbeiten kam es zu einer spontanen Improvisation mit einem polnischen Straßenbahnfahrer, aus der später ein kontroverser Satz entfernt wurde.

Verfügbarkeit und DEFA-Erbe

Aktuell ist "Die Schlüssel" in der DEFA-Filmwelt auf YouTube verfügbar. Die DEFA-Stiftung bewahrt mit diesem Film ein wichtiges Stück deutsch-polnischer Kinogeschichte, das trotz Zensur und Vergessenheit seine Relevanz behält. Weitere DEFA-Klassiker mit Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz, wie "Fariaho" oder "Karla", sind in Streaming-Angeboten zugänglich und zeugen von der reichen Filmkultur der DDR.

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