Frankfurt-»Tatort« »Fackel«: Kaltes Ermittlerteam entfacht emotionale Debatte
Frankfurt-»Tatort« »Fackel«: Emotionale Debatte entfacht

Frankfurt-»Tatort« »Fackel«: Kaltes Ermittlerteam entfacht emotionale Debatte

Der sonst so kühle Cold-Case-»Tatort« vom Main überzeugte in der jüngsten Folge »Fackel« nicht nur durch seine gewohnte analytische Präzision, sondern auch durch eine unerwartete emotionale Tiefe. Die Ermittler Hamza Kulina, gespielt von Edin Hasanović, und Maryam Azadi, dargestellt von Melika Foroutan, wurden in einen Fall verwickelt, der persönliche und gesellschaftliche Abgründe offenlegte.

Ein grausamer Protest und korrupte Strukturen

Im Zentrum der Handlung steht ein grausamer Vorfall: Eine junge Frau zündet sich aus Protest selbst an. Zuvor war das Ermittlungsteam an Untersuchungen zu einem verheerenden Hochhausbrand beteiligt, die offenbar systematisch von höheren Kreisen behindert wurden. Die Frustration kulminierte in einem emotionalen Ausbruch des sonst besonnenen Kommissars Kulina, der verzweifelt fragte: »Was genau ist die Wahrheit? Dass das hier alles eine riesengroße korrupte Scheiße ist!«

Kulina war persönlich in den Fall involviert, da es sich bei der Frau, die sich verbrannte, um eine Jugendliebe handelte. Zudem war er selbst in der Hochhaussiedlung aufgewachsen, in der sich die Brandkatastrophe ereignete. Diese persönliche Verbindung verlieh der Ermittlung eine zusätzliche, beklemmende Dimension.

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Visuelle Stärke und gesellschaftliche Metaphern

Unter der Regie von Rick Ostermann bestach der Krimi erneut durch eine Fülle vermeintlich nebensächlicher Details. Visuell setzte die Produktion starke Akzente, indem die Hochhäuser oft aus der Unterperspektive gezeigt wurden, sodass sie bedrohlich in den Himmel zu ragen schienen. Diese Darstellung unterstrich die thematische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Hierarchien.

Wie bereits in vorherigen Folgen wurde das Konzept von »Oben« und »Unten« metaphorisch umgedreht: In den Hochhäusern wohnen Menschen, die gesellschaftlich unten stehen. Diese Umkehrung diente als eindringlicher Kommentar zu sozialer Ungerechtigkeit und Machtstrukturen.

Bewertung und Ausblick

Die Kritik vergab 8 von 10 Punkten und lobte insbesondere die dialogische und visuelle Qualität. Dies war der dritte Frankfurt-»Tatort« mit Foroutan und Hasanović, der in einem halben Jahr ausgestrahlt wurde – eine ungewöhnlich schnelle Taktung für die Krimireihe. Vergangene Woche wurde bekannt, dass das Team für die Auftaktfolge aus dem Herbst 2025 mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet wird.

Da bereits drei Episoden in kurzer Folge produziert wurden, dürfte bis zur nächsten Ausstrahlung vom Main eine gewisse Pause vergehen. Diese Zeit könnte genutzt werden, um die starken sozialkritischen Impulse der Serie weiter zu vertiefen und das Publikum erneut mit komplexen, emotional aufgeladenen Geschichten zu fesseln.

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