Geiseln in Berliner U-Bahn: Wie realistisch ist die Serie 'Hijack' mit Idris Elba?
Das explosive Finale der zweiten Staffel der britischen Thrillerserie „Hijack“ ist seit dem 4. März 2026 auf Apple TV verfügbar. Unter dem Titel „Endstation“ (Original: „Terminal“) erreicht die achtteilige Serie ihren Höhepunkt, nachdem seit dem 14. Januar wöchentlich neue Episoden veröffentlicht wurden. Nachdem die erste Staffel 2023 in einem entführten Flugzeug über den Wolken spielte, verlagert sich der Schauplatz nun in den Berliner Untergrund.
Die Handlung: Von der Luft in den Untergrund
In der ersten Staffel geriet der Verhandlungsführer Sam Nelson, gespielt von Idris Elba, in ein Flugzeug von Dubai nach London, das von bewaffneten Geiselnehmern übernommen wurde. Die sieben Episoden boten in fast Echtzeit pure Anspannung von der Übernahme bis zur riskanten Landung. Sam Nelson erwies sich dabei als zwiespältige Persönlichkeit, deren Handeln viele Fragen aufwarf.
In der zweiten Staffel ist Sam aufgrund der Ereignisse des Flugs KA29 ein gebrochener Mann, der dies jedoch kaum zeigt. Bei einem Berlin-Besuch nimmt er die U5 vom Hauptbahnhof Richtung Brandenburger Tor und weiter nach Hönow – und gerät erneut in eine gefährliche Situation. Die U-Bahn wird, offenbar ferngesteuert und mit dem Fahrer Otto (Christian Näthe) als Eingeweihtem, samt Fahrgästen als Geisel genommen. Sam Nelson befindet sich plötzlich im Zentrum des terroristischen Geschehens und steht sogar unter Tatverdacht.
Die Entführung: Technische Details und Realitätscheck
Wie entführt man eine U-Bahn? In der Serie hält der Zug nicht mehr an Stationen, und es stellt sich heraus, dass mehrere Bomben installiert sind. In einer Irrfahrt durch den Berliner Untergrund, die auch Strecken anderer U-Bahn-Linien als der U5 umfasst, entwickelt sich ein Echtzeit-Thriller. Spannend ist insbesondere die Kommunikation mit der Leitstelle und die langsame Aufklärung der Hintergründe.
Fachlich betrachtet fährt der entführte Zug recht realistisch nur auf Strecken von Linien mit Großprofil (U5 bis U9), die etwa 2,65 Meter breit sind. Die schmaleren Linien U1 bis U4 werden korrekterweise nicht genutzt. Allerdings entspricht das problemlose Wechseln zwischen Waggons nicht dem Berliner Alltag, was wohl dramaturgischen Gründen geschuldet ist.
Berlin-Darstellung: Klischees und britische Perspektive
Aus britischer Sicht erscheint Berlin als stets kalte, graue Stadt mit unaufhörlichem Schneefall im Winter. Im Kontrast dazu zeigen Szenen in London und auf dem britischen Land vielfältigeres Wetter. Die Leitstelle der U-Bahn wirkt in der Serie eher wie die Nasa als wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Während die echte BVG ihr Image als chaotischer Betrieb pflegt, erscheint das Unternehmen in der Serie gut organisiert.
Die Serie bedient einige Berlin- und Deutschland-Klischees:
- Der U-Bahn-Fahrer heißt Otto.
- Ein Fahrgast (Albrecht Schuch) ist ein hipper Fahrradfahrer mit Schnäuzer und Wollmütze, der „irgendwas mit Nachhaltigkeit“ als Job hat.
- Die kühle Polizeichefin (Christiane Paul) trägt Uniform, während die echte Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik selten so gekleidet ist.
Drehorte und Produktionshintergründe
Die Serie wurde Anfang 2025 gedreht, wobei viele Szenen tatsächlich in Berlin entstanden. Zu den Drehorten zählen:
- Der Berliner Hauptbahnhof
- Tunnel und Gleise im Bereich des Alexanderplatzes
- Die Kreuzung Tauentzienstraße/Nürnberger Straße nahe dem KaDeWe (Kaufhaus des Westens)
Von der BVG gibt es kaum Informationen zur Zusammenarbeit mit der Produktion. Auf Nachfrage werden weder dargestellte Orte noch technische Abläufe kommentiert oder mit realen Gegebenheiten in Beziehung gesetzt. Die einzige zitierfähige Rückmeldung einer BVG-Sprecherin lautete: „Das ist Fiktion.“
Fazit: Spannende Unterhaltung mit fiktiven Elementen
„Hijack“ bietet mit Idris Elba in der Hauptrolle packende Unterhaltung und hält sich in technischen Details teilweise an die Realität Berliner U-Bahnen. Gleichzeitig nutzt die Serie dramaturgische Freiheiten und klischeehafte Darstellungen, um die Spannung zu erhöhen. Für Fans von Echtzeit-Thrillern ist die zweite Staffel definitiv einen Blick wert, auch wenn nicht jeder Aspekt der Berliner Realität entspricht.



