Historische Gemälde kehren nach Ludwigslust zurück
Das Jahr 2026 wird für Ludwigslust zu einem besonderen Ereignis: Am 30. Mai wird der Westflügel von Schloss Ludwigslust nach einer jahrelangen, umfassenden Sanierung feierlich wiedereröffnet. Diese Wiedereröffnung wird von zahlreichen Interessierten in ganz Deutschland mit großer Spannung erwartet. Parallel dazu erfolgt eine Neuordnung der Ausstellungsbereiche, die neue Einblicke in die Geschichte des Schlosses ermöglicht.
Das Blaue Wohnzimmer als repräsentative Bühne
Im Mittelpunkt steht dabei das sogenannte Blaue Wohnzimmer im Appartement der Erbgroßherzogin Alexandrine. Dieses prächtig ausgestattete Zimmer diente der jungen Frau und ihrem Gatten, Erbgroßherzog Paul Friedrich, nach ihrer Heirat im Jahr 1822 als repräsentative Bühne. Die Räume befinden sich im zweiten Obergeschoss des Westflügels und zeugen von der dynastischen Verbindung Alexandrines, die als preußische Königstochter zahlreiche Objekte aus ihrer Heimat mitbrachte.
Zu den bedeutendsten Ausstattungsstücken gehörten zwei Gemälde, die Ansichten aus ihrer preußischen Heimat zeigten: Eine großformatige Darstellung der Potsdamer Langen Brücke und eine idyllische, stimmungsvolle Ansicht der Pfaueninsel. Letztere war ein besonders beliebter Ort der preußischen Königsfamilie und damit ein echter Sehnsuchtsort für Alexandrine. Beide Bilder hatte sie als Geschenke von ihrem Vater, König Friedrich Wilhelm III., erhalten.
Verschwinden und glückliche Wiederentdeckung
Die Gemälde waren von 1827 beziehungsweise 1829 an in Ludwigslust zu sehen, vermutlich von Anfang an im Blauen Wohnzimmer. Geschaffen von den Malern Peter Ludwig Lütke und Wilhelm Barth, blieben sie dort bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. In den Nachkriegswirren verschwanden beide Werke jedoch spurlos und galten lange Zeit als verloren.
Durch einen glücklichen Zufall und mit Unterstützung eines Potsdamer Kunsthistorikers konnte jedoch eine zweite, identische Ausführung des Pfaueninsel-Gemäldes von Lütke in der Sammlung der Stiftung Stadtmuseum Berlin ausfindig gemacht werden. Dieses Werk konnte nun als Dauerleihgabe für Schloss Ludwigslust gewonnen werden. Damit ist ein wichtiger Baustein für die Rekonstruktion des historischen Zustandes des Zimmers gesichert.
Ersatz für verlorenes Werk gefunden
Auch für das verlorene Gemälde der Potsdamer Langen Brücke wurde eine passende Lösung gefunden: Bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg konnte eine ähnliche Ansicht der Brücke, ebenfalls von Wilhelm Barth, als Ersatz ausgemacht werden. Beide Gemälde tragen maßgeblich dazu bei, dass Besucher das Blaue Wohnzimmer nicht nur in seiner ästhetischen Schönheit erleben, sondern auch als authentischen Ausdruck von Alexandrines Identität verstehen können.
Die Rückkehr dieser Kunstwerke unterstreicht, dass hier eine preußische Königstochter zu Hause war und ihr Wohnzimmer als vornehmer Anzeiger ihrer Herkunft diente. Die Wiedereröffnung des Westflügels markiert somit nicht nur einen architektonischen, sondern auch einen kulturellen Neubeginn für Schloss Ludwigslust.



