Hamburger Underground-Filmemacher Peter Sempel gestorben – Ein Leben für die dokumentarische Musikpsychofilm-Kunst
Hamburger Filmemacher Peter Sempel gestorben: Ein Leben für die Kunst

Hamburger Filmemacher Peter Sempel im Alter von 72 Jahren verstorben

Die Filmwelt trauert um einen ihrer eigenwilligsten Vertreter: Peter Sempel, der Hamburger Underground-Filmemacher, ist in seiner Heimatstadt gestorben. Der 1954 geborene Künstler wurde international bekannt für seine sogenannten "dokumentarischen Musikpsychofilme", mit denen er berühmte Extremkünstler porträtierte und dabei stets dem Underground verbunden blieb.

Ein Leben zwischen Prominenz und Underground

Peter Sempels filmisches Schaffen umfasste ein einzigartiges Genre, das er selbst als "dokumentarische Musikpsychofilme" bezeichnete. In diesen assoziativ zusammengestellten Werken widmete er sich prominenten Musikern wie Nina Hagen, Lemmy Kilmister von Motörhead oder Dieter Meier von Yello. Dennoch betonte Sempel stets, dass es ihm nie um die Prominenz seiner Protagonisten ging.

"Viele Leute glauben, ich laufe den berühmten Leuten hinterher", sagte er in einem Interview mit der "taz" zu seinem 70. Geburtstag. "Aber nee, das hat sich immer so ergeben." Nur einmal habe er gezielt nach einem Mitwirkenden gefragt: bei Blixa Bargeld, dem Frontmann der Einstürzenden Neubauten, den er in seinem Film "Dandy" von 1988 porträtierte.

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Internationale Anerkennung trotz Underground-Status

Obwohl seine Filme nicht für das Massenpublikum konzipiert waren, fand Sempels Werk internationale Beachtung. Sein Film "Jonas at the Ocean" wurde 2003 zu Martin Scorseses TriBeCa-Festival eingeladen, und er pflegte Kontakte zu Größen wie Jim Jarmusch. Über den litauischen Regisseur Jonas Mekas, dem er in mehreren Werken ein filmisches Denkmal setzte, lernte Sempel Persönlichkeiten wie Al Pacino und Andy Warhol kennen.

Sein Durchbruch gelang mit "Dandy", in dem neben Blixa Bargeld auch Campino von den Toten Hosen und Nick Cave auftraten. Der Film zog rund 100.000 Besucher in Arthouse-Kinos und auf Festivals an, wo Sempel oft selbst im Publikum saß.

Die unermüdliche Suche nach dem Kern der Kunst

Peter Sempels filmische Reisen führten ihn nach Andalusien, Indien und Japan, wo er dem Flamenco auf die Spur ging. In "Die Ameise der Kunst" porträtierte er den Künstler Jonathan Meese, zuletzt widmete er sich in der Collage "Artistas" bekannten und unbekannten Künstlerinnen. Seine Methodik beschrieb der SPIEGEL einmal als "wie bei Sempel unterm Sofa", doch seine unermüdliche Suche nach dem Kern von Kunst, Ideen und Gefühlen war stets spürbar.

Ein Leben als Außenseiter

Geboren 1954 in Hamburg, wuchs Peter Sempel im australischen Outback auf, wo er als "Nazischwein" beschimpft wurde. Nach seiner Rückkehr 1969 in seine Geburtsstadt wurde er dort als "Känguru" ausgelacht. "So war ich immer ein Außenseiter – das kann der Grund dafür sein, dass meine 14 Langfilme immer Außenseiter zeigen, beobachten und bewundern", erklärte er der "taz".

Sempel, der Oper und Punk gleichermaßen liebte, war im Hamburger Nachtleben als fleißiger Werber in eigener Sache bekannt. Er plakatierte, verteilte Postkarten, stellte seine Fotos aus und genoss Retrospektiven seiner Werke.

Trauer in der Kunstszene

Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtete, ist Peter Sempel in der vergangenen Woche in Hamburg gestorben. Freunde und Weggefährten hatten die Nachricht bereits am Wochenende in sozialen Medien verkündet. Der Musiker Holger Steen (Tulip, die singende Tulpe) schrieb auf Facebook, sein "lieber Freund" Peter Sempel sei "in der letzten Nacht im Marienkrankenhaus" verstorben.

Mit Peter Sempel verliert die Filmwelt einen unermüdlichen Suchenden, der stets den Kern der Kunst suchte und dabei seinen eigenen, unverwechselbaren Weg ging. Seine 14 Langfilme bleiben als Zeugnis einer einzigartigen künstlerischen Vision erhalten.

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