Iris Berben: 'Cancel Culture ist mein Hasswort' - Schauspielerin warnt vor Rückschlägen für Emanzipation
Iris Berben: 'Cancel Culture ist mein Hasswort' - Warnung vor Rückschlägen

Iris Berben äußert sich besorgt über gesellschaftliche Entwicklungen

Die renommierte Schauspielerin Iris Berben zeigt sich in einem aktuellen Interview in großer Sorge über bestimmte gesellschaftliche Tendenzen. Anlässlich ihres neuen Films "Ein fast perfekter Antrag" sprach die 74-Jährige über verschiedene Themen, die ihr besonders am Herzen liegen.

Neuer Film zeigt Liebe im Alter

In der romantischen Komödie "Ein fast perfekter Antrag" spielt Iris Berben eine leidenschaftliche Kunstgeschichtsprofessorin, die zwangspensioniert werden soll. An ihrer Seite agiert Heiner Lauterbach als Seniorenstudent, der an eine alte Liebe anknüpfen möchte. Regisseur Marc Rothemund und Autor Richard Kropf setzen damit ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort, nachdem sie bereits mit "Wochenendrebellen" einen Kinohit landeten.

"Diese Vitalität und Gegenwartsbezogenheit ist sehr selten bei Rollen für ältere Frauen", erklärt Berben. "Dabei sollte genau dieser Typ viel öfter gezeigt werden. Es geht um die Sichtbarkeit von Frauen auf der Leinwand in diesem Alter." Die Schauspielerin betont, dass Liebe, Sehnsüchte und Zärtlichkeiten im Alter nicht aufhören würden.

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Kritik an Cancel Culture und Sprachdebatten

Besonders deutlich wird Berben bei ihrem Statement zu Cancel Culture: "Mein Hasswort ist 'Cancel Culture', weil ich gedacht habe, dass genau wollten wir mit unseren Emanzipationsbewegungen nicht." Die Schauspielerin kritisiert, dass ideologisches Oktroyieren von Sprachänderungen viele Menschen verschreckt habe, anstatt sie mitzunehmen.

"Das war dann eine Steilvorlage für die, die den Fortschritt umkehren wollen", analysiert Berben. Auch den Begriff "alter weißer Mann" bezeichnet sie als diskriminierende Schublade.

Emanzipation in Gefahr

Die Schauspielerin äußert tiefe Besorgnis über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen: "Alle emanzipatorischen gesellschaftlichen Fortschritte sind immer gefährdet, dass sie zurückgedreht werden." Besonders erschreckend findet sie, dass viele Frauen politische Positionen unterstützen, die frauenfeindlich erscheinen.

"Das habe ich in dieser Wucht nicht erwartet – bis hin zur Gefährdung der Demokratie selbst", gesteht Berben. Ihre Lösung: "Sprachlos darf man da nur zwei Minuten lang sein, und dann muss man sich sammeln und Widerstand leisten und ganz laut werden."

Persönliche Haltung zu Ehe und Beziehungen

Berben, die selbst nie geheiratet hat, erklärt ihre Haltung zur Ehe: "Ich bin in den 60er-Jahren sozialisiert und politisiert worden. Und da war Ehe eher ein Konstrukt, gegen das wir uns gewehrt haben." Gleichzeitig betont sie: "Ich bin kein Ehegegner." Für andere Frauen könne die Ehe durchaus erstrebenswert sein, besonders wenn sie finanzielle Sicherheit biete.

Politische Positionierung und Dialogkultur

Auf die Frage nach dem Gaza-Krieg und der israelischen Politik antwortet Berben differenziert: "Entscheidend ist, dass man die Politik eines Landes nicht auf das Volk projiziert." Sie kenne viele Menschen in Israel, die an der Politik ihres Staates verzweifelten.

Die Schauspielerin plädiert für mehr Dialogbereitschaft: "Auch an Universitäten muss man einfordern, dass sie ein Raum sind, an dem man noch reden kann, diskutieren, und erklären." Einzige Grenze sei dabei Demokratiefeindlichkeit.

Filmische Vorbilder und aktuelle Projekte

Berben äußert Bewunderung für Regisseure wie Stanley Kubrick und hätte gerne in "A Clockwork Orange" mitgespielt. Aktuell schätzt sie Filme wie "Triangle of Sadness" von Ruben Östlund, der ihrer Meinung nach klug die Gegenwartsgesellschaft porträtiert.

Die Schauspielerin bleibt trotz ihrer Bedenken optimistisch und engagiert sich weiter für gesellschaftliche Debatten. Ihr neuer Film "Ein fast perfekter Antrag" startet demnächst in den deutschen Kinos und zeigt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte im fortgeschrittenen Alter.

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