Kritik an "Münchner Leben": Musikalisch brillant, doch Inszenierung wirkt wie Pappkameraden
Kritik: "Münchner Leben" musikalisch stark, Inszenierung schwach

Kritik an "Münchner Leben": Musikalisch brillant, doch Inszenierung wirkt wie Pappkameraden

Im Prinzregententheater in München sorgt die Operette "Münchner Leben" für gemischte Gefühle. Während die musikalische Umsetzung und der sprachliche Witz begeistern, lässt die inszenatorische Gestaltung mit laubsägeartigen Kostümen und störender Mikrofonierung zu wünschen übrig. Dominik Wilgenbus hat Jacques Offenbachs "Pariser Leben" von 1866 clever adaptiert und in einen Münchner Kontext versetzt, was eine humorvolle Hommage an die Stadt darstellt.

Eine zeitlose Liebeserklärung an München

Die Handlung von "Münchner Leben" basiert auf einer fiktiven Geschichte, ähnlich wie bei Offenbachs Original. Ein Berliner Ministerialbeamter mit imperialistischer Geheimmission besucht gemeinsam mit seiner Frau München. Diese möchte shoppen und als begeisterte Wagnerianerin den Lieblingskomponisten von König Ludwig II. treffen. Auf ihrem Weg treffen sie auf einen revolutionären Studenten, der sich als Stadtführer ausgibt und München für den preußischen Besucher inszeniert.

Die Erzählung springt gekonnt zwischen verschiedenen Zeiten – von 1866 bis in die Gegenwart – und integriert dabei zahlreiche Münchner Persönlichkeiten und Ereignisse. Von Adele Spitzeder über Anspielungen auf Peter Gauweiler bis hin zu aktuellen Themen wie der Magnetschwebebahn von Edmund Stoiber oder dem Wintertollwood bietet das Stück ein buntes Sammelsurium der Münchner Gesellschaft.

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Musikalische Höhepunkte und kabarettistische Einlagen

Die musikalische Darbietung unter der Leitung von Dirigent Aris Alexander Blettenberg überzeugt durch ihre Anpassung an Offenbachs Original. Das kammermusikalisch besetzte Orchester der Kammeroper München sorgt für eine stimmungsvolle Atmosphäre, wobei Holzbläser und eine Harfe volksmusikalische Akzente setzen. Besonders hervorzuheben sind die Sänger Emil Greiter und Florentine Schumacher, die als preußisches Paar glänzen.

Ein Highlight der Aufführung ist der Auftritt von Markus Stoll, bekannt als Parademünchner Harry G. In einer kabarettistischen Einlage tritt er als Wirt auf und präsentiert eine Zukunftsvision des Oktoberfests, die mit humorvollen Anspielungen auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene wie Plastiklederhosen aus China gespickt ist. Obwohl seine Darbietung nicht perfekt geschliffen wirkt, erntet er begeisterten Szenenapplaus vom Publikum.

Inszenatorische Schwächen behindern das Spiel

Leider leidet die Aufführung unter einigen inszenatorischen Mängeln. Die Kostüme, die wie laubsägeartige schwarz-weiße Modezeichnungen wirken, behindern das Spiel der Darsteller und verleihen den Figuren einen schablonenhaften Charakter. Zudem wirkt die Mikrofonierung der Sänger im akustisch hervorragenden Prinzregententheater fehl am Platz und stört die natürliche Klangentfaltung.

Das Publikum bei der Premiere war unsicher, ob es sich vom teils kitschigen Pathos ergreifen lassen oder lachen sollte. Diese Ambivalenz liegt jedoch in der Luft und passt zur Grundidee des Stücks, das mit Selbstironie und Selbstbeweihräucherung spielt. Die schöne Botschaft, dass Kunst die Menschheit friedlicher machen kann, wird durch die musikalische Brillanz und den Sprachwitz von Wilgenbus unterstrichen.

Potenzial für ein Kultstück mit Verbesserungsbedarf

"Münchner Leben" hat das Potenzial, zu einem Kultstück in München zu werden. Die Kombination aus Offenbachs musikalischem Schmiss und Wilgenbus' sprachlicher Kreativität ist unwiderstehlich. Allerdings müsste für eine rundum gelungene Inszenierung mehr investiert werden, um aus dem Vollen schöpfen zu können. Mit einer stärkeren inszenatorischen Unterstützung könnte die Operette ihr volles Potenzial entfalten und das Publikum noch mehr begeistern.

Die nächsten Vorstellungen finden am 21., 22., 29. und 30. April im Prinzregententheater statt. Die Kartenpreise liegen zwischen 66 und 99 Euro und sind über muenchenmusik.de erhältlich. Trotz der Schwächen lohnt sich ein Besuch für alle, die eine humorvolle und musikalisch anspruchsvolle Hommage an München erleben möchten.

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