Berlin - Dass dieses Gebäude wirklich entsteht, daran hat selbst Daniel Libeskind anfangs nicht glauben wollen. Der Architekt schuf mit dem Erweiterungsbau des Jüdischen Museums eines der bekanntesten Gebäude Berlins - vor 25 Jahren wurde dort die erste Dauerausstellung eröffnet. Zum Jubiläum erzählt eine neue Sonderausstellung, wie Libeskinds Entwurf entstand und doch Realität wurde.
Die Ausstellung „Between the Lines“
Die Ausstellung „Between the Lines“ („Zwischen den Zeilen“) zeigt alte Pläne und Modelle des Gebäudes, das mit seiner Zickzacklinie von oben einem Blitz gleicht. Im Gebäude gibt es immer wieder Leerstellen - Betonschächte, die von der Vertreibung und Vernichtung jüdischen Lebens erzählen.
Geschichte in Architektur übersetzen
Libeskinds Bau mache Geschichte räumlich erfahrbar, sagte Museumsdirektorin Hetty Berg. „Es ist nicht nur Architektur, sondern ein Medium der Erinnerung.“ Sein Entwurf habe damals weitreichende Debatten ausgelöst, darunter die Debatte, aus dem damaligen stadthistorischen Museum ein eigenständiges jüdisches Museum zu machen.
Der New Yorker Architekt, der am Dienstag (12. Mai) 80 Jahre alt wird, ist zur Ausstellungseröffnung nach Berlin gekommen. Als er damals am Architekturwettbewerb teilgenommen habe, habe er nicht mal ein Büro gehabt, erzählte Libeskind. Ihm sei klar gewesen, dass das ein schwererer Weg werden würde. „Es war von Anfang an umstritten.“
Es habe enorme politische, kulturelle, finanzielle und emotionale Hürden gegeben. Dass sich seine Frau dann international für das Projekt eingesetzt habe, habe die Umsetzung schließlich möglich gemacht.
Bei seiner Arbeit ließ sich Libeskind inspirieren von Schriften und Musik, von Paul Celan, Walter Benjamin oder auch E.T.A. Hoffmann. Er habe nicht einfach ein weiteres Museum gestalten wollen, sagt Libeskind. Es habe keine Vorlage gegeben, wie man ein jüdisches Museum in Berlin nach dem Holocaust gestalte. Die Ausstellung „Between the Lines“ läuft von Freitag bis 1. November 2026.



