Potsdamer Barberini widmet sich dem deutschen Impressionismus mit Liebermann-Schwerpunkt
Das Museum Barberini in Potsdam eröffnet eine bedeutende Ausstellung, die sich dem deutschen Impressionismus und seinem zentralen Wegbereiter Max Liebermann (1847-1935) widmet. Mit mehr als 110 Werken aus über 60 internationalen Sammlungen zählt diese Präsentation zu den umfangreichsten ihrer Art in Deutschland. Die Schau ist vom 28. Februar bis zum 7. Juni 2026 in der historischen Mitte Potsdams zu sehen und verspricht, weit mehr als nur leuchtende Farbwelten zu zeigen.
Liebermanns Garten als künstlerische Oase und gesellschaftlicher Treffpunkt
Max Liebermanns Sommeranwesen am Wannsee mit seinem prächtigen Garten diente dem Maler nicht nur als Motiv für schätzungsweise 200 Gemälde, sondern entwickelte sich auch zu einem wichtigen Treffpunkt der Kunstszene seiner Zeit. Ab 1915 widmete sich Liebermann überwiegend der Darstellung dieser grünen Oase, die in der Ausstellung in zahlreichen Variationen präsentiert wird. Doch das Barberini zeigt den Künstler in einer erweiterten Perspektive: nicht nur als Maler, sondern auch als engagierten Sammler, einflussreichen Netzwerker und kulturpolitisch aktiven Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste in Berlin.
Deutscher Impressionismus zwischen Fortschrittsglauben und Melancholie
Die Ausstellung spannt einen zeitlichen Bogen von den 1880er Jahren bis in die 1930er Jahre und verdeutlicht, wie deutsche Impressionisten moderne Themen ihrer Epoche aufgriffen. Neben sonnigen Gartenbildern und idyllischen Landschaftsszenen finden sich in der Schau:
- Pulsierende Großstadtansichten mit elektrischer Beleuchtung
- Freizeitszenen am Wasser
- Einfühlsame Kinderporträts
- Dynamische Theaterszenen
Diese Motive oszillieren zwischen dem Fortschrittsoptimismus der Jahrhundertwende und einer charakteristischen Großstadtmelancholie, die den deutschen Impressionismus prägte.
Konflikte mit dem Kaiserreich und späte Isolation
Die Ausstellung zeichnet nach, wie Liebermann durch seinen frühen Blick nach Frankreich die deutsche Malerei erneuerte und sich dabei bewusst über die engen Vorstellungen der kaiserlichen Kunstpolitik hinwegsetzte. Um 1900 wurde er zum Vorbild für viele Künstlerinnen und Künstler in Deutschland. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erlebte der jüdische und überzeugte Demokrat jedoch eine tragische Isolation. Ausgegrenzt und gemieden, verbrachte er seine letzten Lebensjahre zurückgezogen und tief enttäuscht in seiner Villa am Wannsee.
Breites Spektrum impressionistischer Positionen
Neben Schlüsselwerken von Max Liebermann präsentiert die Ausstellung bedeutende Arbeiten von Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde. Besonderes Augenmerk liegt jedoch auf der Präsentation weniger bekannter und historisch unterschätzter Künstlerinnen und Künstler wie:
- Dora Hitz mit ihren sensiblen Porträts
- Sabine Lepsius als wichtige Netzwerkerin
- Lesser Ury mit seinen nächtlichen Stadtansichten
- Maria Slavona als Vertreterin der Freilichtmalerei
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum Frieder Burda in Baden-Baden und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Impressionismus-Jahr in mehreren Berliner und Potsdamer Häusern
Das Jahr 2026 entwickelt sich zu einem Schwerpunktjahr für den deutschen Impressionismus. Neben der Barberini-Schau widmen sich auch die Berlinische Galerie, die Alte Nationalgalerie sowie die Liebermann-Villa am Wannsee in mehreren Ausstellungen diesem bedeutenden Kapitel der deutschen Kunstgeschichte. Das Museum Barberini selbst beherbergt die umfangreiche Sammlung des Museumsgründers Hasso Plattner, die vor allem Werke französischer Impressionisten wie Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir und Camille Pissarro umfasst. Im Jahr 2025 konnte das Haus nach eigenen Angaben rund 350.000 Besuche verzeichnen, was seine Bedeutung als kulturelle Institution in der Region unterstreicht.



