Musical-Darstellerin begeistert mit widerspenstiger Gehörlosen-Rolle im Carlower Igel-Eck
Ein heftiges Knallen der Eingangstür und anschließende Stille im Saal des Carlower Igel-Ecks: Zunächst zuckten die Besucher eines Theaterstückes auf ihren Stühlen im kleinen Veranstaltungsraum zusammen. Dann schauten sie voller Spannung auf Moana Kalettki, die gerade die Bühne betreten hatte. Die frisch gebackene Musical-Darstellerin spielte eine Gehörlose, die sich nach dem erfolglosen Einsetzen eines Implantats widerspenstig und aggressiv zeigte.
Intensive Darstellung einer gehörlosen Frau
Ihren Frust ließ die Darstellerin an einem Klappstuhl aus, der zunächst noch als Mitspieler, später aber als Rückzugsort und Gegenspieler mutierte. Mit dieser einzigartigen Darstellung erlebten die Besucher eine außergewöhnliche Theateraufführung. Moana Kalettki spielte die gehörlose Jeanne aus dem Buch „La violet infernale“ und überzeugte durch ihre emotionale Tiefe und körperliche Ausdruckskraft.
Verein für Kommunikation und Kultur präsentiert Premiere
Mit diesem Stück machen Darstellerin Moana Kalettki und Choreografin Katja Grzam auf die Gehörlosen in der Welt aufmerksam und haben dafür sogar eine finanzielle Förderung erhalten. Der Verein für Kommunikation und Kultur (Kuk) aus dem Schönberger Land bestritt mit dem Stück „La violet infernale“ eine Premiere. Johanna Birnbaum vom Verein erklärte: „Unseren Verein gibt es seit 25 Jahren. Wir betreiben die Bibliotheken in Dassow, Selmsdorf und Schönberg. Hin und wieder organisieren wir dort auch Konzerte, aber einen solchen Tanznachmittag hatten wir noch nie.“
Intensive Arbeitszeit während des Lockdowns
Gerade der Lockdown in der Coronazeit habe die beiden intensiv arbeiten lassen. „Das war eine sehr intensive Zeit, da wir ja nur zwei Leute waren und ungehindert trainieren konnten“, berichtete die Herrnburgerin Katja Grzam. Die Freundschaft bestehe auch heute noch, sodass eine weitere Zusammenarbeit, nun mit einer ausgebildeten Musical-Darstellerin, zustande kam. „Moana und ich kennen uns schon, als sie in die neunte Klasse ging. Da hat sie ein Praktikum bei mir gemacht. Mittlerweile ist sie ausgebildete Musical-Darstellerin und wir arbeiten wieder zusammen“, erklärte die Choreografin.
Workshop für die Besucher
Nach der Darstellung probierten sich die Gäste selbst aus und dachten sich in einem Workshop eine Performance aus, die zu jedem am besten passt. Eine Handvoll Besucher nahm an diesem interaktiven Teil teil und konnte so die künstlerische Arbeit hautnah erleben. Auch in Carlow seien sie noch nie zu Gast gewesen, freuen sich aber über die neue Möglichkeit, sich in Nordwestmecklenburg vorzustellen.
Die Aufführung im Igel-Eck Carlow markierte nicht nur eine Premiere für den Verein Kuk, sondern auch einen bedeutenden Schritt in der künstlerischen Entwicklung von Moana Kalettki. Die Darstellung einer widerspenstigen Gehörlosen brachte die Themen Inklusion und körperliche Ausdruckskraft eindrucksvoll auf die Bühne und hinterließ bei den Zuschauern einen nachhaltigen Eindruck.



