Musical "Wir sind am Leben" erzählt emotionale Wendegeschichte einer DDR-Friseurin in Wittenberg
Musical zeigt DDR-Friseurin in Wittenberg: Salon Rosie

Emotionale Zeitreise: Musical "Wir sind am Leben" porträtiert DDR-Friseurin in Wittenberg

Mit dem neuen Musical "Wir sind am Leben" rückt die Bühnenproduktion eine fiktive, aber realitätsnahe Geschichte in den Mittelpunkt: Im Zentrum steht Rosie, eine Friseurin in Wittenberg, deren Salon während der DDR-Zeit legendären Ruf genoss. Das Stück bietet eine tiefgründige und emotionale Perspektive auf die Umbruchjahre nach der Wende und zeigt, wie sich das Leben im Osten Deutschlands fundamental veränderte.

Premiere in Berlin: Große Produktion mit persönlichem Hintergrund

Am 21. März feiert das Musical im renommierten Theater des Westens in Berlin Premiere. Die Idee stammt von Peter Plate, bekannt aus dem Duo Rosenstolz, und seinem langjährigen Partner Ulf Leo Sommer. Insgesamt arbeiten rund 150 Menschen an der aufwendigen Produktion mit, 16 Darstellerinnen und Darsteller stehen auf der Bühne. Anders als viele große Musical-Produktionen basiert die Handlung nicht auf einem Film oder einer bekannten Vorlage, sondern wurde speziell für die Bühne geschrieben.

Geschrieben und inszeniert wurde das Stück von Franziska Kuropka und ihrem Weggefährten Lukas Nimscheck. Kuropka betont zwar, dass der berühmte Salon frei erfunden ist, doch trägt die Geschichte viel authentische Wirklichkeit in sich. "Bestimmt sind einige Stars mal in Wittenberg gewesen, aber wir haben das einfach behauptet. Das waren unsere Ikonen", erklärt die 48-jährige Autorin. Dennoch steht der Salon symbolisch für eine Zeit, in der vieles vertraut war – und für den tiefgreifenden Wandel nach der Wende.

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Wittenberg als Schauplatz: Persönliche Verbindungen und praktische Gründe

Dass die Geschichte in Wittenberg beginnt, ist laut Kuropka kein Zufall. Plate und Sommer haben eine enge Freundin in der Stadt und sind regelmäßig dort zu Gast. "Weil ihnen die Stadt so gut gefallen hat, ist es Wittenberg geworden", sagt Kuropka. Auch die geografische Nähe spielte eine Rolle: Nur etwa 90 Autominuten trennen Wittenberg von Berlin. Diese Distanz wird im Musical sogar handlungsrelevant, denn es kommt zu einer Flucht in die Hauptstadt. Zudem nennt die Autorin einen ganz praktischen Grund: "Wittenberg singt sich auch sehr gut."

Kuropka ist überzeugt, dass die Menschen in Wittenberg neugierig auf das Stück sein werden. Sie bezeichnet das Musical als "einen amüsanten Kniefall vor der Stadt" und ergänzt: "Wittenberg kann sich bereit machen, das ein oder andere Mal erwähnt zu werden." Ob Teile der Produktion auch nach Wittenberg kommen, steht noch nicht fest, doch Kuropka sieht darin eine schöne Zukunftsvision.

Der fiktive Salon Rosie: Symbol für den Wandel im Osten

Im Mittelpunkt des Musicals steht Rosie, die in Wittenberg einen Friseursalon führt, der in der DDR als "erste Adresse" gilt. Ihr Laden ist mehr als nur ein Geschäft – er ist Wohnzimmer und Treffpunkt zugleich. Hier wird gelacht, diskutiert und getratscht. Der Salon repräsentiert ein Stück Alltag und einen Ort, an dem sich viele Menschen wichtig fühlen. Sogar prominente DDR-Größen wie Frank Schöbel, Carmen Nebel, Katarina Witt und Wolfgang Lippert sollen hier Stammgäste gewesen sein, und selbst das berühmte Lila von Margot Honecker soll hier entstanden sein.

Doch mit dem Jahr 1989 ändert sich alles radikal: Die Mauer fällt, West-Produkte kommen in die Regale, neue Salons eröffnen, und Konkurrenz entsteht. Rosies Geschäft wird leerer, die früheren DDR-Prominenten verlieren an Bedeutung, und der Salon gerät in eine tiefe Krise. Genau dieser Wandel bildet das Herzstück des Musicals und spiegelt die Erfahrungen vieler kleiner Betriebe im Osten wider.

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Persönliche Erfahrungen der Autorin prägen die Handlung

Franziska Kuropka kennt die Thematik aus eigener Erfahrung. Sie wuchs im thüringischen Meiningen auf und war elf Jahre alt, als die Mauer fiel. 1990 zog sie mit ihrer Mutter nach Berlin-Kreuzberg. "Die Parallelen zum Stück sind relativ groß", sagt sie. "Ich habe das erlebt. Es war für mich wahnsinnig leicht, das zu schreiben." Zudem hat sie einen persönlichen Bezug zum Friseurhandwerk: Ihre Mutter machte in Halle (Saale) eine Ausbildung zur Friseurin. "Ich sitze also an der Quelle", erklärt Kuropka. Viele Details aus dem Salon-Alltag stammen aus diesen familiären Erzählungen.

Der fiktive Friseursalon steht somit für viele Menschen im Osten, die nach der Wende neu anfangen mussten, und für Lebensleistungen, die plötzlich unsicher wurden. Kuropka betont, dass die Geschichte zwar erfunden ist, aber dennoch nah an der Realität vieler Ostdeutscher liegt.

Musikvideo: Emotionale Dreharbeiten in Brandenburg

Das Musikvideo zum Song "Salon Rosie" wurde allerdings nicht in Wittenberg gedreht. Wie Kuropka erklärt, ließ sich dort kein passender Drehort finden. Stattdessen entstand das Video in einer kleinen Gartenlaube in Brandenburg. Für die Autorin war dies ein sehr persönlicher Moment: Auf nur 15 Quadratmetern kehrten die Erinnerungen an ihre Kindheit in der DDR zurück. "Da habe ich geweint", erzählt sie emotional.

Im Moment liegt der Fokus jedoch vollständig auf der Premiere in Berlin. "Wir müssen erst das Baby zur Welt bringen und dann schauen, wie es läuft", sagt Kuropka mit Blick auf die Zukunft des Musicals. Die Produktion verspricht nicht nur unterhaltsame Musical-Kost, sondern auch eine berührende Auseinandersetzung mit deutscher Zeitgeschichte und den menschlichen Schicksalen hinter dem politischen Wandel.