Penzlin feiert Voß-Jahr 2026 mit Preisverleihung und Bürgerfest
Penzlin feiert Voß-Jahr 2026 mit Preis und Festen

Penzlin widmet 2026 ein ganzes Festjahr dem berühmten Übersetzer Johann Heinrich Voß

Die Stadt Penzlin in Mecklenburg-Vorpommern begeht im Jahr 2026 ein besonderes Jubiläum: den 200. Todestag und gleichzeitig den 275. Geburtstag von Johann Heinrich Voß, dem renommierten Übersetzer der homerischen Epen „Ilias“ und „Odyssee“. Zu seinen Ehren hat die Kommune ein umfangreiches Programm mit kulturellen Höhepunkten und festlichen Veranstaltungen zusammengestellt, das weit über eine einfache Preisverleihung hinausgeht.

Einzigartiger Übersetzungspreis für griechisch-deutsche Literatur

Am 29. März, dem Todestag von Voß, wird der nach ihm benannte Johann Heinrich Voß-Preis für griechisch-deutsche Übersetzung verliehen. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an Doris Wille, die das Sachbuch „Die Nadeln des Aufstands - Eine Kulturgeschichte des Strickens“ aus dem Griechischen ins Deutsche übertragen hat. Bürgermeister Sven Flechner betont, dass dieser Preis in Deutschland einzigartig sei und die Bedeutung der Übersetzungskunst unterstreiche.

Bereits am Vorabend der Preisverleihung soll ein besonderer Vortrag stattfinden. Bernd Albrecht von Maltzan, Stifter und Finanzier des Preises, wird über die historischen Verbindungen seiner Familie zu Johann Heinrich Voß sprechen. Interessanterweise war der Großvater von Voß einst Leibeigener auf dem Hof Großen Luckow, der der Familie von Maltzan gehörte. Der damalige Hausherr befreite Vater und Großvater aus der Leibeigenschaft und finanzierte sogar deren Ausbildung.

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Vom baufälligen Gebäude zum kulturellen Zentrum

Das heutige Voß-Literaturhaus, das unweit des Penzliner Marktplatzes liegt, war in den 1990er Jahren noch ein baufälliges Gebäude. Seit 2019 beherbergt es jedoch die Stadtbibliothek, das Stadtarchiv und die Tourist-Information. Ursprünglich handelte es sich um die Schule des jungen Voß, genauer gesagt um das Haus des Rektors Struck, der seine Schüler in der eigenen Wohnstube unterrichtete.

Bernd Albrecht von Maltzan, der nach der deutschen Wiedervereinigung den Kontakt zu Penzlin wiederherstellte, spricht selbst Griechisch und sieht viele Parallelen zwischen der Stadt und Voß. „Penzlin wurde erst durch die Mythen der alten Burg bekannt, und genau um alte Mythen geht es auch in Homers Werken, die Voß übersetzte“, erklärt er. Seine Idee für den Preis und sein finanzielles Engagement haben maßgeblich zur kulturellen Belebung der Stadt beigetragen.

Bürgerfest und kulturelle Veranstaltungen im gesamten Jahr

Neben der Preisverleihung hat Penzlin noch weitere Highlights im Voß-Jahr zu bieten. Vom 3. bis 5. Juli findet ein großes Bürgerfest statt, das verschiedene Aktivitäten umfasst:

  • Verleihung der Voß-Auszeichnung an herausragende Schüler
  • Eröffnung einer Ausstellung zur Entstehung des Voß-Literaturhauses
  • Preisvergabe für die zweite Penzliner Fotobiennale unter dem Motto „Odyssee in Mecklenburg - wunderliche Kreaturen, fabelhafte Anwesen und Naturphänomene“

Teilnehmen an der Fotobiennale können alle ab zehn Jahren, Einsendeschluss ist der 1. Juni. Bürgermeister Sven Flechner wird erneut in der Jury sitzen und erinnert sich an die vorherige Ausgabe: „Beim letzten Mal musste ich mir an einem Wochenende rund 400 Fotos ansehen. Das war anstrengend, hat aber trotzdem Spaß gemacht“.

Am 4. Juli werden sich auf dem Marktplatz die Voß-Schulen aus Penzlin und der Partnerstadt Otterndorf präsentieren, und Live-Musik ist angekündigt. Jana Krüger, Sachbearbeiterin für Kultur der Stadt Penzlin, kündigt zudem einen Wettbewerb mit dem Titel „Checkst Du Voß?“ an, bei dem jeder sein Talent als Dichter, Zeichner oder in anderen kreativen Bereichen unter Beweis stellen kann.

Historische Verbindungen und kulturelle Querverbindungen

Das Jahresprogramm wird durch weitere Veranstaltungen ergänzt, darunter der Tag des Offenen Denkmals in Groß Vielen, wo die Kirche geöffnet sein wird. Deren Pastor im 18. Jahrhundert war ein Freund von Voß. Auch der Archäologe Heinrich Schliemann, bekannt als Troja-Ausgräber, dürfte von Voß' Übersetzungen inspiriert worden sein, was mögliche Kooperationen mit dem Schliemann-Museum in Ankershagen nahelegt.

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Die preisgekrönte Übersetzung von Doris Wille, „Die Nadeln des Aufstands“, thematisiert Frauen, die Kleidung für ihre Männer nähten, die in die Revolution zogen. Interessanterweise hatte Johann Heinrich Voß selbst viele Sympathien für die Französische Revolution, was eine weitere inhaltliche Verbindung herstellt.

Obwohl Johann Heinrich Voß heute vielleicht etwas in Vergessenheit geraten ist, wurde er von berühmten Zeitgenossen wie Goethe hoch geschätzt. Penzlin nutzt das Festjahr 2026, um das Erbe dieses bedeutenden Übersetzers und Dichters wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und mit einem vielfältigen kulturellen Programm zu feiern.