Sensation in Mecklenburg-Vorpommern: Picasso-Werke im Ernst-Barlach-Museum Güstrow zu bewundern
Wer an Pablo Picasso denkt, verbindet den weltberühmten Künstler normalerweise mit großen Metropolen wie Paris, Barcelona oder New York. Doch ab Sonntag, dem 8. März, können Kunstinteressierte Originalwerke des spanischen Genies auch in Güstrow bewundern. Das Ernst-Barlach-Museum präsentiert eine außergewöhnliche Ausstellung mit Arbeiten Picassos, der eines der umfangreichsten grafischen Œuvres des 20. Jahrhunderts schuf.
Eine junge Kuratorin bringt Picasso nach Mecklenburg-Vorpommern
Die Ausstellung wurde von Christin Sobeck kuratiert, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ernst-Barlach-Stiftung. Nachdem sie Werke aus der Sammlung des renommierten Kunsthändlers Helmut Klewan in Wien und München gesehen hatte, war sie sofort von der Idee begeistert, einen Teil dieser kostbaren Leihgaben nach Mecklenburg-Vorpommern zu holen. „Für unsere Region, damit man hier auch die Chance hat, Picasso zu sehen“, erklärt Sobeck ihre Motivation. Sichtlich glücklich präsentiert sie vor dem Bildnis des Galeristen Vollard von Picasso, das zugleich als Plakatmotiv für diese besondere Schau dient.
Drei Jahrzehnte künstlerischen Schaffens im Fokus
Gezeigt werden zahlreiche Arbeiten aus rund drei Jahrzehnten von Picassos produktivem Schaffen. Die Ausstellung umfasst:
- Von Künstlerhand autorisierte Radierungen, Aquatinten und Kupferstiche
- Mehrere Originalzeichnungen des spanischen Meisters
- Eine besondere Keramik-Arbeit Picassos
Die empfindlichen Werke werden in einem leicht abgedunkelten Kabinett des Museums präsentiert. In einer experimentellen Hängung sind die gerahmten Arbeiten auf Papier nach zentralen Themen aus Picassos umfangreichem Werk gruppiert.
Von Frauenporträts bis zur Mythologie: Picassos vielfältiges Œuvre
Besucher können in Güstrow faszinierende Einblicke in verschiedene Schaffensphasen Picassos gewinnen. Zu sehen sind:
- Frauenporträts seiner Musen: Darstellungen von Dora Maar und Marie-Thérèse Walter, die oft auch verstoßene Geliebte des Künstlers waren
- Mythologische Motive: Unter anderem der Minotaurus, den Picasso häufig als sein Alter Ego darstellte
- Politische Werke: Eine Vorstudie zu seinem berühmten Antikriegsgemälde „Guernica“
- Arbeiten aus der „Suite Vollard“: Diese Serie schuf Picasso speziell für den Kunsthändler Ambroise Vollard
- Strandmotive: Ein wiederkehrendes Thema im Werk des Künstlers, der sich gerne am Meer fotografieren ließ
Picassos Spätwerk und die Verbindung zu Ernst Barlach
Besonders bemerkenswert sind Motive, die das Verhältnis des Malers als potenter Schöpfer zu seinen Modellen beschreiben – darunter sein fast pornografisches Spätwerk. Zu sehen ist auch eine seiner letzten Zeichnungen, entstanden kurz vor seinem Tod mit über 90 Jahren. Das abgebildete junge Modell strahlt Jugend und Sex-Appeal aus, während der alte Picasso daneben hockt und nicht mehr agieren kann.
Auf den ersten Blick scheint die Verbindung zwischen dem spanischen Jahrhundertkünstler und dem Güstrower Bildhauer Ernst Barlach nicht offensichtlich. Ob sich Barlach direkt mit seinem Zeitgenossen beschäftigt hat, lässt sich nicht sicher sagen, wie Sobeck einräumt. Dennoch gibt es Parallelen: Beide Künstler arbeiteten mit einer stark vereinfachten Formensprache – und beide wirken bis heute nach.
Begleitprogramm und zeitgenössische Positionen
Begleitend zur Ausstellung liest am 2. Mai im Barlach-Museum der Bestseller-Autor Malte Herwig aus seinem Buch „Die Frau, die Nein sagt“ über Picassos Geliebte Francoise Gilot. Der Journalist traf die Malerin zu intensiven Gesprächen in ihren Ateliers in New York und Paris und gewann tiefe Einblicke in ihre Beziehung zu Picasso.
Gleichzeitig zeigt das Berliner Künstlerduo Thomas und Renée Rapedius in der unteren Ausstellungshalle zeitgenössische Positionen zum Werkstoff Papier. Das Paar experimentiert mit Papier und zeigt dessen unendliche Flexibilität, während es zugleich den Mythos Picassos hinterfragt, dass Kunst sich allein aus dem Genie eines Einzelnen erschaffe.
Vernissage mit besonderem Gast
Zur Vernissage „Papier. Picasso x Rapedius“ am Sonntag, dem 8. März, um 14 Uhr kommt auch der Leihgeber Helmut Klewan persönlich nach Güstrow. Der renommierte Kunstsammler war nach Angaben von Christin Sobeck noch nie in der mecklenburgischen Stadt, freut sich aber sehr darauf, den ihm vertrauten Barlach auch im Güstrower Dom zu sehen.
Diese außergewöhnliche Ausstellung bietet Kunstliebhabern in Mecklenburg-Vorpommern eine seltene Gelegenheit, Werke eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts in ihrer Region zu erleben – fernab der üblichen Kunstmetropolen, aber mit derselben künstlerischen Qualität und historischen Bedeutung.



