Kunst-Sensation in Mecklenburg-Vorpommern: Picasso-Werke im Güstrower Museum
Wer an Pablo Picasso denkt, verbindet den weltberühmten Künstler normalerweise mit internationalen Metropolen wie Paris oder Madrid. Doch ab dem 8. März 2026 wird eine außergewöhnliche Ausstellung mit Originalwerken des spanischen Genies im Ernst-Barlach-Museum in Güstrow präsentiert – eine echte Sensation für die Kunstlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns.
Junge Kuratorin holt Picasso nach Norddeutschland
Die Ausstellung wurde von Christin Sobeck kuratiert, einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Ernst-Barlach-Stiftung. Nachdem sie Werke aus der Sammlung des renommierten Kunsthändlers Helmut Klewan in Wien und München gesehen hatte, war sie sofort von der Idee begeistert, einen Teil dieser kostbaren Arbeiten nach Mecklenburg-Vorpommern zu holen. „Für unsere Region, damit man hier auch die Chance hat, Picasso zu sehen“, erklärt Sobeck ihre Motivation. Die Museumsmitarbeiterin zeigt sich sichtlich glücklich vor dem Bildnis des Galeristen Vollard von Picasso, das gleichzeitig als Plakatmotiv für diese besondere Schau dient.
Drei Jahrzehnte künstlerisches Schaffen im Fokus
Gezeigt werden zahlreiche Arbeiten aus etwa drei Jahrzehnten von Picassos produktivem Schaffen, darunter:
- Von Künstlerhand autorisierte Radierungen, Aquatinten und Kupferstiche
- Mehrere Originalzeichnungen
- Eine besondere Keramik-Arbeit
Die empfindlichen Papierarbeiten werden in einem leicht abgedunkelten Kabinett des Museums präsentiert, wobei eine experimentelle Hängung nach zentralen Themen aus Picassos Werk gruppiert ist.
Von Musen bis Mythologie: Die Vielfalt der Ausstellung
Besucher können in Güstrow ein breites Spektrum von Picassos Themenwelt entdecken:
- Frauenporträts seiner zahlreichen Musen, darunter Darstellungen von Dora Maar und Marie-Thérèse Walter
- Motive aus der Mythologie, insbesondere den Minotaurus, den Picasso häufig als sein Alter Ego darstellte
- Eine Vorstudie zu seinem berühmten Anti-Kriegs-Gemälde „Guernica“
- Arbeiten aus der legendären „Suite Vollard“, die Picasso für den Kunsthändler Ambroise Vollard schuf
- Strandmotive als wiederkehrendes Thema im Werk des Künstlers
Das Spätwerk und kontroverse Darstellungen
Ein besonderer Fokus liegt auf Picassos später Schaffensphase, die teilweise fast pornografische Züge annimmt. Zu sehen ist unter anderem eine seiner letzten Zeichnungen, entstanden kurz vor seinem Tod mit über 90 Jahren. Diese Arbeit zeigt das Spannungsverhältnis zwischen dem alternden Künstler und seinen jungen Modellen in besonders eindrücklicher Weise.
Verbindung zu Ernst Barlach und zeitgenössische Ergänzung
Auf den ersten Blick scheint die Verbindung zwischen dem spanischen Jahrhundertkünstler und dem Güstrower Bildhauer Ernst Barlach nicht offensichtlich. Ob sich Barlach direkt mit seinem Zeitgenossen beschäftigt hat, lässt sich nicht sicher sagen. Dennoch gibt es Parallelen: Beide Künstler arbeiteten mit einer stark vereinfachten Formensprache – und beide wirken bis heute nach.
Zeitgleich zeigt das Berliner Künstlerduo Thomas und Renée Rapedius in der unteren Ausstellungshalle zeitgenössische Positionen zum Werkstoff Papier. Damit hinterfragen sie den Mythos Picassos, dass Kunst sich allein aus dem Genie eines Einzelnen erschaffe, und schlagen eine Brücke zur Gegenwartskunst.
Begleitprogramm mit literarischem Höhepunkt
Begleitend zur Ausstellung liest am 2. Mai 2026 der Bestseller-Autor Malte Herwig im Barlach-Museum aus seinem Buch „Die Frau, die Nein sagt“ über Picassos Geliebte Francoise Gilot. Der Journalist, der die Malerin in ihren Ateliers in New York und Paris traf, betont die Einzigartigkeit dieser Frau, die als einzige Picasso verließ.
Zur Vernissage „Papier. Picasso x Rapedius“ am 8. März um 14 Uhr wird auch der Leihgeber Helmut Klewan erwartet. Der Kunstsammler, der bisher noch nie in Güstrow war, freut sich besonders darauf, den ihm vertrauten Barlach auch im Güstrower Dom zu sehen. Diese Ausstellung markiert einen bedeutenden kulturellen Höhepunkt für die Region und macht hochkarätige Kunst einem breiten Publikum zugänglich.



