Putin schließt Gulag-Museum: Stalins Terror wird durch Nazi-Genozid-Erinnerung ersetzt
Putin schließt Gulag-Museum: Stalins Terror wird ersetzt

Putin löscht Stalins Terror-Geschichte: Gulag-Museum in Moskau dauerhaft geschlossen

Das staatliche Gulag-Museum in Moskau, das 2014 eröffnet wurde und einzigartig in Russland war, wird nun dauerhaft geschlossen. Bereits seit November 2024 war es "vorübergehend" wegen angeblicher Mängel im Brandschutz geschlossen. An derselben Stelle soll nun Russlands erstes nationales "Museum zur Erinnerung an die Opfer des Genozids am sowjetischen Volk" durch den Nationalsozialismus entstehen.

Von Stalins Terror zu Nazi-Kriegsverbrechen

Statt der Aufarbeitung von Stalins Terror gegen das eigene Volk wird das neue Museum die Kriegsverbrechen der Nazis im Zweiten Weltkrieg zeigen. Dazu gehören Berichte über angebliche Experimente der Japaner mit biologischen Waffen an sowjetischen Zivilisten, die Befreiung durch die Rote Armee und Prozesse gegen Nazi-Verbrecher. Die Moskauer Stadtregierung hat diese Pläne verkündet, nachdem die "Neue Zürcher Zeitung" zuerst darüber berichtete.

Der sowjetische Sieg über Nazi-Deutschland ist unter Putins Herrschaft immer stärker zum Identitätsmerkmal der russischen Gesellschaft stilisiert worden, schreibt die "NZZ". Der Krieg gegen die Ukraine wird seit Beginn als Kampf gegen das angebliche Wiederaufleben des Nazismus ideologisch aufgeladen. Putins neuer Kampfbegriff dafür lautet "Genozid am sowjetischen Volk".

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Kritik sogar von kremlnahen Propagandisten

Erstmals nutzte Putin den Begriff 2020 in einer Rede, und inzwischen wird an einem Gesetz gearbeitet, das die Verleumdung und Leugnung dieses "Genozids" mit bis zu fünf Jahren Lagerhaft bestraft. Kritik an dem Museumswechsel gibt es sogar vom russischen Militärhistoriker und regimenahen Kriegspropagandisten Jewgeni Norin: "Der nazistische Genozid war real. Aber der Gulag war nicht weniger real, und tatsächlich stellte er eine massenhafte Schlachtung von Menschen dar. Sowjetischer Bürger übrigens."

Für den russisch-nationalistischen Publizisten Alexander Chramow ist es noch schrecklicher, dass die Verbrechen unter Stalin vom Staat gegenüber seinen eigenen Bürgern verübt wurden, als wenn sie der auswärtige Feind verübt hätte. Das Gulag-Museum in Moskau zeigte die Geschichte ausgewählter Schicksale und erinnerte an die Millionen Sowjetbürger, die Diktator Josef Stalin (1878-1953) durch Tod, Hinrichtungen nach willkürlichen "Säuberungen" oder Verbannung in schreckliche Lager brachte.

Diese Schließung markiert einen weiteren Schritt in der Umdeutung der russischen Geschichte unter Putin, bei der die Aufarbeitung eigener Verbrechen zugunsten einer nationalistischen Erzählung zurücktritt.

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