SKD Dresden präsentiert seltene kaiserliche Schätze aus China trotz Sicherheitsrisiken
Im Dresdner Residenzschloss sind ab sofort drei außergewöhnliche Schätze aus dem kaiserlichen China zu bewundern. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) stellen trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen nach konkreten Diebstahlsdrohungen weiterhin ihre wertvollsten Objekte aus. „Wir sind kein Archiv, das die Objekte dauerhaft sicher im Dunkeln verwahrt. Wir wollen sie zeigen, das ist unsere Aufgabe und Leidenschaft“, betonte SKD-Generaldirektor Bernd Ebert bei der Präsentation der kostbaren Stücke.
Drei kaiserliche Meisterwerke hinter Sicherheitsglas
Im Mittelpunkt der kleinen, aber bedeutenden Ausstellung steht eine etwa 900 Jahre alte Schale der chinesischen Ru-Keramik. Von dieser exklusiv für den chinesischen Kaiserhof produzierten Keramik existieren weltweit nur noch 89 erhaltene Objekte. Deutschlandweit besitzen die SKD als einzige Institution ein solches Exemplar. Die zierliche Waschschale für Pinsel aus glasiertem Steinzeug wurde in den 1920er Jahren erworben und galt lange fälschlicherweise als koreanische Arbeit.
Erst moderne Forschungen konnten zweifelsfrei die Herkunft aus den Ru-Werkstätten in der nordchinesischen Provinz Henan nachweisen. Der außergewöhnliche Wert dieser Keramik wird durch eine Auktionsversteigerung aus dem Jahr 2017 deutlich: Eine fast identische Schale erzielte in Hongkong umgerechnet 31 Millionen Euro.
Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen nach konkreten Bedrohungen
Die Präsentation der drei Objekte erfolgt unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Hintergrund sind konkrete Hinweise auf einen geplanten Diebstahl aus der Porzellansammlung im Zwinger. Ende Januar hatten die SKD bereits über einen Hackerangriff informiert, später berichteten Medien über Diebstahlsabsichten auf genau diese wertvolle Ru-Schale und eine Drachenvase.
Eine Sonderkommission der Polizei ermittelt europaweit zu den Vorfällen. Die Erinnerung an den spektakulären Einbruch in die Schatzkammer Grünes Gewölbe im Jahr 2019, bei dem Juwelen von unschätzbarem Wert gestohlen wurden, ist noch frisch. Die Täter wurden später zu Haftstrafen verurteilt.
„Gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden und Firmen aus diesem Bereich sorgen wir für maximale Sicherheit“, versicherte Generaldirektor Ebert. Die Porzellansammlung hatte die Ru-Schale und die Drachenvase zunächst aus dem Sichtfeld genommen, präsentiert sie nun aber gemeinsam mit einem kleinen Schnupftabakfläschchen im Neuen Grünen Gewölbe – geschützt hinter Sicherheitsglas.
Kaiserliches Gipfeltreffen mit symbolträchtigen Motiven
Ebert bezeichnete die Zusammenstellung der drei Objekte als „kaiserliches Gipfeltreffen“. Neben der Ru-Schale wird eine prächtige Drachenvase aus dem 18. Jahrhundert gezeigt, die für den Hof des Kaisers Qianlong (1735–1795) gefertigt wurde. Das Meisterwerk der kaiserlichen Porzellankunst der Qing-Dynastie zeigt neun Drachen, die in leuchtenden Farben über Meer und Himmel aufsteigen.
In der chinesischen Kultur steht die Zahl Neun symbolisch für „Ewigkeit“, während der Drache das wichtigste Symbol kaiserlicher Macht darstellt. Die Vase gilt als äußerst seltenes Exemplar ihrer Art.
Überraschende Entdeckung eines Emailkunstwerks
Das dritte Ausstellungsstück, ein zierliches Schnupftabakfläschchen, galt lange Zeit als europäische Arbeit im chinoisen Stil. Erst 2013 wurde es als seltenes und frühes Beispiel chinesischer Emailkunst der Qing-Dynastie erkannt. Forschungen konnten seine Herkunft aus den kaiserlichen Palastwerkstätten in Peking nachweisen, wo ausschließlich Werke höchster Qualität für den Kaiserhof entstanden.
Die Ausstellung „Im Fokus: Drei seltene Schätze des Kaiserlichen Chinas“ ist bis Ende Juni im Residenzschloss zu sehen. Anschließend sollen die Objekte wieder in der Porzellansammlung präsentiert werden. Generaldirektor Ebert kündigte an, den eigenen Sammlungsbestand noch intensiver zu erforschen, auch wenn wohl nicht mehr viele Objekte mit der „Kragenweite“ der Ru-Schale zu entdecken sein werden.



