Frankfurter Tatort: Cold-Case-Team ermittelt bei Hochhausbrand mit Bausünden
Der ARD-Sonntagskrimi "Die Stille nach dem Feuersturm" führt das Frankfurter Cold-Case-Team in ein komplexes Ermittlungsfeld. Kommissar Hamza Kulina, gespielt von Edin Hasanović, kehrt in das Sozialbauviertel seiner Jugend zurück, wo ein verheerender Hochhausbrand vor fünf Jahren die Mutter seiner Jugendliebe, dargestellt von Seyneb Saleh, das Leben kostete. Gemeinsam mit seiner Kollegin Maryam Azadi, verkörpert von Melika Foroutan, entdeckt Kulina Ungereimtheiten bei der damaligen Brandaufklärung.
Brisante Themen und atmosphärische Dichte
Der Tatort zeichnet sich durch eine fast andächtige Ruhe aus, die typisch für die Cold-Case-Fälle ist und den Zuschauer in eine intensive Stimmung versetzt. Im Zentrum der Handlung stehen schwierige Materialfragen: Der Film thematisiert, ob die Baustoffbranche sich selbst kontrolliert und unter dem Vorwand klimaneutraler Sanierungen minderwertige Dämmstoffe wie Polystyrol verwendet. Branchenlobbyisten haben dem Krimi bereits vor der Ausstrahlung vorgeworfen, mit Falschbehauptungen zu arbeiten, was die Aktualität und Relevanz des Stoffes unterstreicht.
Charaktere und visuelle Gestaltung
Michael Schenk glänzt in der Rolle des "Herrn Möller", eines Beamten im permanenten Pausenbrot-Modus, der alle Hinweise des Ermittlungsduos für einen weggeordneten Fall abtut. Visuell setzt der Film starke Akzente: Als Kulina in seine alte Siedlung zurückkehrt, zeigt die Kamera bedrohlich aus der Unterperspektive die in den Himmel gestapelten Sozialwohnungen, was die soziale Spannung und architektonische Monotonie einfängt. Der Song "Wayfaring Stranger" von Eva Cassidy untermalt eine sich zuspitzende Zeitlupenpassage zum Ende und verstärkt die emotionale Tiefe.
Bewertung und gesellschaftliche Relevanz
Mit 8 von 10 Punkten bewertet, verbindet dieser feinnervige Tatort ein brisantes Thema mit spannender Krimi-Unterhaltung. Er wirft kritische Fragen zur Bauindustrie und Klimapolitik auf, während er gleichzeitig menschliche Schicksale in den Vordergrund stellt. Die Ausstrahlung erfolgt am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten und verspricht eine gelungene Mischung aus Sozialdrama und Kriminalfall.



