Traumschiff setzt Zeichen: May und Vester über späte Liebesgeschichte
Das ZDF-„Traumschiff“ wagt sich an ein besonderes Thema: In der Osterfolge am 5. April 2026 (20.15 Uhr) mit Kurs auf Island geht es um eine Liebe, die mehr als vier Jahrzehnte überdauert hat. Die Schauspielerinnen Michaela May (74) und Saskia Vester (66) spielen zwei Frauen, die sich nach langer Zeit wieder näherkommen.
Eine Liebe, die 40 Jahre wartete
Evelyn Küpper (Saskia Vester) reist mit ihrer Enkelin Ronja (Rosa von Lobenstein, 25) nach Island. Dort trifft sie ihre Jugendliebe Antonia, genannt Toni (Michaela May), wieder. Als 19-Jährige hatten sich die beiden auf Island unsterblich ineinander verliebt, doch Evelyn fehlte damals der Mut, diese lesbische Liebe zu leben. Sie kehrte nach Deutschland zurück, heiratete, wurde Mutter und Großmutter. Toni blieb auf Island und gründete einen Pferdehof.
Nun, mit bald 70 Jahren und geschieden, lässt Evelyn die Gedanken an ihre Toni wieder zu. Die Anziehung ist sofort spürbar, als sie sich auf Tonis Hof gegenüberstehen. Sie küssen sich, gestehen sich ihre nie erloschenen Gefühle und verbringen eine Liebesnacht zusammen. Als Toni sie bittet, auf Island zu bleiben, gerät Evelyn ins Wanken.
Erstes gemeinsames Spiel vor der Kamera
Die beiden Münchnerinnen kennen sich seit langem, haben aber noch nie zusammen gespielt. „Jetzt das erste Mal und dann gleich eine Liebesszene. Das war sehr lustig, aber auch toll, weil es eine tolle Geschichte ist, die wir erzählen dürfen“, sagt Saskia Vester. Sie vergleicht die Handlung mit dem Kinodrama „Brokeback Mountain“, das eine homosexuelle Liebesbeziehung in den 60er Jahren zeigt. „So ist es bei Evelyn und Toni ja auch. Sie verliebten sich zu einer Zeit, in der es gesellschaftlich nicht geduldet war.“
Vester betont die Bedeutung des Themas: „Hinter der Geschichte steckt eine klare Botschaft. Viele Menschen haben sich nicht getraut, zu ihren Gefühlen zu stehen. Der Paragraf 175 wurde erst 1994 komplett abgeschafft – seitdem ist Homosexualität in Deutschland nicht mehr strafbar. Das muss man sich mal vorstellen.“ Ihre Rolle Evelyn sei „mit einem ganz anderen Denken groß geworden“, so Vester. „Man heiratet und bekommt Kinder. Fertig und aus. Umso schöner ist es, wenn sich jemand später doch noch öffnet und zu seiner Liebe steht.“
Mutige Entscheidung des ZDF
Michaela May, die bereits dreimal auf dem „Traumschiff“ spielte, sagt: „Ich finde es mutig vom ZDF, für das Traumschiff auch mal so ein Thema anzupacken.“ Für sie steht nicht das Geschlecht im Vordergrund, sondern die verlorene Liebe: „Wenn man das Glück erleben darf, eine verlorene Liebe wiederzufinden, ist es letztendlich egal, ob es eine Frau oder ein Mann ist. So etwas ist ein großes Geschenk. Beide Frauen trugen eine Sehnsucht in sich, die über viele Jahre in ihren Herzen geschmort hat.“
May teilt eine persönliche Einsicht: „Man erlebt nicht so viele große Lieben in seinem Leben, das ist meine Lebenserfahrung.“ Saskia Vester hatte sich bereits früher in einer Rolle in eine Frau verliebt – in der TV-Serie „Kriminaldauerdienst“ spielte sie eine lesbische Kommissarin und erhielt dafür 2007 den Bayerischen Fernsehpreis.
Der Kuss: Ein besonderes Erlebnis
Macht es einen Unterschied, eine Frau oder einen Mann vor der Kamera zu küssen? Vester antwortet offen: „Offen gesagt, es ist eigentlich egal. Es ist ein bisschen angenehmer, eine Frau zu küssen, weil sie piekst einem nicht so in die Nase, wie ein unrasierter Mann das tut.“
Die neue Traumschiff-Folge zeigt nicht nur die beeindruckende Landschaft Islands, sondern erzählt eine berührende Geschichte über späte Liebe, Mut und gesellschaftlichen Wandel. Mit dieser Handlung setzt das ZDF ein deutliches Zeichen für mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz.



