Trotz russischem Strafverfahren: Karnevalskünstler Tilly setzt politische Satire unvermindert fort
Während in Moskau ein Prozess gegen ihn läuft, zeigt der Düsseldorfer Karnevalskünstler Jacques Tilly erneut klare Kante. An diesem Rosenmontag rollen drei Motivwagen durch die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt, die sich satirisch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auseinandersetzen. Tilly lässt sich von der juristischen Verfolgung nicht einschüchtern und betont gegenüber dem WDR: „Wir werden jetzt nicht extra noch besonders hart sein, das ist auch albern, wir machen einfach gute politische Satire, so wie immer.“
Russische Justiz erhebt schwere Vorwürfe gegen den Künstler
Die russischen Behörden werfen dem Bildhauer vor, staatliche Organe verunglimpft zu haben – darunter die Armee und Präsident Putin persönlich. Dem Künstler drohen im Falle einer Verurteilung drastische Konsequenzen: eine hohe Geldbuße oder sogar eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat das Verfahren scharf kritisiert und zur Solidarität mit Tilly aufgerufen.
Einer der aktuellen Wagen zeigt Putin, wie er einen kleinen Karnevalsnarren mit einem Schwert aufspießt – eine deutliche Anspielung auf die juristische Verfolgung Tillys. Ein weiterer Wagen präsentiert den russischen Präsidenten, der eine blaue Drohne mit der Aufschrift AfD steuert. Diese Motive bleiben traditionell bis zum Morgen des Rosenmontags geheim und sorgen regelmäßig für internationales Aufsehen.
Internationale Politiker im Fokus der Karnevalssatire
Nicht nur Putin steht im Visier des Künstlers. In diesem Jahr sind auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump und der verstorbene Finanzier Jeffrey Epstein satirische Motive. Trump wird gezeigt, wie er mit der Aufschrift ICE auf dem Arm Jesus ins Gesicht schlägt – eine Kritik an der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde. Epstein erfährt eine dämonische Wiederauferstehung als Pappmaché-Figur mit Hörnern und Flügeln.
Ein weiterer Wagen zeigt Trump und Putin, wie sie gemeinsam Europa verspeisen, was an den historischen Hitler-Stalin-Pakt erinnert. Bereits in den vergangenen Jahren hatte Tilly mit provokanten Darstellungen für Diskussionen gesorgt, darunter eine nackte Alt-Kanzlerin Angela Merkel oder AfD-Frontfrau Alice Weidel mit einem Hakenkreuz.
Tradition der politischen Karnevalssatire in Düsseldorf
Jacques Tilly nutzt seine künstlerische Plattform seit Jahren, um auf politische Missstände aufmerksam zu machen. 2024 zeigte er Putin, wie er sich oral von Kirchenpatriarch Kirill befriedigen lässt – eine Anklage gegen die Mitverantwortung der russisch-orthodoxen Kirche am Angriffskrieg gegen die Ukraine. Im vergangenen Jahr inszenierte er im Rosenmontagszug einen „Hitler-Stalin-Pakt 2.0“ zwischen Putin und Trump, der die Ukraine zerquetschte.
Die Düsseldorfer Karnevalstradition der politischen Satire bleibt damit trotz internationaler juristischer Bedrohungen lebendig. Tillys Werk demonstriert, wie künstlerischer Ausdruck auch unter Druck bestehen kann und wie Karneval als Medium gesellschaftlicher Kritik fungiert.



