Kunst im Forsthaus: Die besondere Geschichte eines US-Malers in Mecklenburg
Am 17. Februar 2026 eröffnete im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg eine bemerkenswerte Ausstellung. Kedron Barrett präsentiert dort eine Auswahl von Werken seines verstorbenen Vaters Thomas Barrett, der am Tag der Eröffnung seinen 99. Geburtstag gefeiert hätte. Der amerikanische Maler verstarb bereits 2009, doch sein künstlerisches Erbe lebt weiter – verwaltet von seinem Sohn, der selbst als hauptberuflicher Maler tätig ist.
Künstlerisches Erbe aus drei Generationen
Die künstlerische Begabung wurde Kedron Barrett gewissermaßen in die Wiege gelegt. Sowohl sein Vater Thomas Barrett als auch seine Mutter Leni Mancuso widmeten ihr Leben der Malerei. Der 1961 im US-Bundesstaat New Hampshire geborene Kedron Barrett setzt diese Familientradition fort und verwaltet neben seinem eigenen umfangreichen Werkbestand auch den künstlerischen Nachlass seiner Eltern. Der Großteil der elterlichen Arbeiten, insbesondere die Werke seines Vaters, befindet sich heute in seinem Haus in Hinrichshagen bei Woldegk.
Thomas Barrett: Schüler des berühmten Max Beckmann
Die Ausstellung im Neubrandenburger Klinikum bietet Besuchern einen Einblick in das Schaffen eines besonderen Künstlers. Thomas Barrett war ein direkter Schüler von Max Beckmann, einem der bedeutendsten Vertreter der klassischen Moderne. Von 1948 bis 1950 studierte Barrett an der renommierten Brooklyn-Museum-School unter Beckmanns Anleitung. Seine Werke finden sich heute in namhaften Sammlungen wie dem Colby-Museum in Maine, dem Addison-Museum, dem De Kordova-Museum in Massachusetts und sogar im US-Außenministerium in Washington DC.
Eine transatlantische Lebensreise
Kedron Barretts eigener Lebensweg liest sich wie ein spannendes Kapitel der Zeitgeschichte. 1980 unterbrach er sein Studium an der Yale-Universität, um nach Paris zu gehen. Dort teilte er ein Atelier mit einem französischen Künstler, der Pläne für einen Umzug nach Westberlin hegte. Diese Begegnung weckte Barretts Interesse an der deutschen Hauptstadt. Nach Abschluss seines Yale-Studiums zog er mit Hilfe eines Stipendiums nach Berlin, wo er im ersten Jahr als Jugendarbeiter bei der Evangelischen Kirche tätig war – „die einzige Festanstellung, die ich je hatte“, wie der Künstler heute erklärt.
Ostberlin, Stasi und künstlerische Begegnungen
Durch seine kirchliche Tätigkeit gelangte Barrett auch nach Ostberlin, wo er zahlreiche Künstler und Schriftsteller kennenlernte. „Manche dieser Freundschaften halten bis heute“, berichtet der Maler. In Ostberlin begegnete er auch seiner späteren Ehefrau Valentina Engelhardt, die 1977 nach Abschluss ihres Studiums in der Ukraine mit ihrem ersten Mann in die DDR-Hauptstadt gekommen war. Doch die Liebe konnte sich zunächst nicht frei entfalten: Ab 1984 verhängte das Ministerium für Staatssicherheit ein Einreiseverbot gegen Barrett, da er verdächtigt wurde, Manuskripte von Ostberliner Schriftstellern in den Westen zu schmuggeln – eine Beschuldigung, die er bis heute als unbegründet zurückweist.
Künstlerischer Durchbruch und familiäre Verluste
Parallel zu diesen politischen Restriktionen erhielt Barrett ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats, das es ihm ermöglichte, sich vollständig seiner Malerei zu widmen. Bald konnte er von seiner Kunst leben und zeigte seine Werke drei Jahrzehnte lang in Ausstellungen in Berlin und anderen deutschen Städten. Fast zwanzig Jahre diente ihm ein Loft in Berlin-Wedding als Atelier. Doch diese produktive Phase wurde von persönlichen Verlusten überschattet: 2009 verstarb sein Vater Thomas Barrett nach schwerer Krankheit, 2018 folgte seine Mutter Leni Mancuso.
Neuanfang im mecklenburgischen Forsthaus
Zwischen diesen traurigen Ereignissen trafen Kedron Barrett und seine Ehefrau eine wegweisende Entscheidung. 2011 entdeckten sie das alte Forsthaus in Hinrichshagen an der Bundesstraße 198 zwischen Woldegk und Neustrelitz. Sie erwarben das Gebäude und bauten es schrittweise aus. Diese Entscheidung erwies sich als weitsichtig, als sich 2020 die Miete für ihr Berliner Atelier verdreifachte. Barrett verlegte daraufhin sein Atelier komplett nach Hinrichshagen und präsentiert seine Werke seither auch in Mecklenburg-Vorpommern – unter anderem in der ehemaligen Kunsthalle Wittenhagen, im früheren Kunsthaus Koldenhof, in der Neustrelitzer Kachelofen-Fabrik und in der Kunstsammlung Neubrandenburg.
Atelier öffnet seine Türen
Für Kunstinteressierte bietet sich am Pfingstwochenende eine besondere Gelegenheit: Kedron Barrett nimmt an der Veranstaltung „Kunst offen“ teil und öffnet sein Atelier in Hinrichshagen für Besucher. Damit gewährt der US-amerikanische Maler, der über Paris und Berlin nach Mecklenburg-Vorpommern fand, Einblick in sein aktuelles Schaffen und das künstlerische Erbe seiner Familie.



