Daniel Specks neuer Roman 'Villa Rivolta': Eine epische Familiensaga zwischen Liebe und Automobilgeschichte
Daniel Speck: 'Villa Rivolta' - Liebe, Ruhm und edle Autos

Daniel Specks neuer Roman 'Villa Rivolta': Eine epische Familiensaga zwischen Liebe und Automobilgeschichte

Der Münchner Autor Daniel Speck hat sich mit seinen epischen Familiengeschichten, die stets verschiedene Kulturen verbinden, eine treue Fangemeinde erarbeitet. Mit seinem neuen Roman „Villa Rivolta“ bedient er diese Leserschaft erneut zielsicher. Im Zentrum der Handlung stehen der Industriellensohn Piero und Valeria, die Tochter einer Hausangestellten, die als Kinder eine tiefe Seelenverwandtschaft entwickeln – eine Verbindung, die alle gesellschaftlichen Schranken überwindet.

Die Rückkehr zu den Wurzeln: Von „Bella Germania“ zur „Villa Rivolta“

In einem exklusiven Interview verrät Daniel Speck die Hintergründe seines neuesten Werkes. „Ich bin in München aufgewachsen, wo die Isetta als Lizenzmodell bei BMW produziert wurde“, erklärt der Autor. In seinem Debütroman „Bella Germania“ tauchte der Vater der Isetta, Renzo Rivolta, bereits als Nebenfigur auf. Die Inspiration für „Villa Rivolta“ erhielt Speck jedoch während der Premierenfeier der italienischen Übersetzung von „Bella Germania“ im Jahr 2018.

„Der Verlag organisierte die Veranstaltung in den alten Iso Rivolta-Fabrikhallen in Mailand“, erinnert sich Speck. „Aus der ganzen Welt meldeten sich Menschen mit Iso Rivolta-Oldtimern an. Ich kaufte mir selbst einen – gegen jede Vernunft – einen schönen, aber verrosteten Rivolta GT.“ Dieses Auto, das Speck liebevoll als seinen „Geburtsgenossen“ bezeichnet, da es nur zwei Wochen nach ihm im Herbst 1969 gebaut wurde, spielte eine entscheidende Rolle.

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Die Begegnung mit Piero Rivolta: Vom Oldtimer zur Romanvorlage

Kurz vor der Premiere in Mailand war der Rivolta GT wieder fahrbereit, und Speck überquerte mit ihm die Alpen. Piero Rivolta, Sohn und Nachfolger des Firmengründers Renzo, erfuhr von der Veranstaltung und reiste extra aus Florida an. Nach der Lesung lud er Speck in die bis dahin verschlossene Villa Rivolta ein, die hinter einer Parkmauer neben der Fabrik liegt.

„Wir nahmen einen Aperitif im Salon zwischen Familienportraits und antiken Möbeln – eine Welt, die ich noch nie betreten hatte“, beschreibt Speck den magischen Moment. Nach einigen Tagen in Mailand fragte Piero Rivolta den Autor schließlich, ob er nicht Lust habe, sein aufregendes Leben aufzuschreiben. „Er sei inzwischen zu alt dafür“, so Speck.

Dreieinhalb Wochen in Florida: Die Entstehung eines epischen Panoramas

Zunächst zögerte Speck, doch nach weiteren Treffen – unter anderem am Lago Maggiore mit Pieros Tochter Marella – verbrachte er schließlich dreieinhalb Wochen bei Piero und seiner Frau Lele in Florida. „Er erzählte mir Geschichten aus seinem spannenden Leben, dabei entstand das große Gemälde einer Epoche, die ich sehr liebe“, erklärt der Autor, der als Filmstudent in Rom mit italienischen Filmen der 60er Jahre aufwuchs.

In Pieros Erzählungen fand Speck das Mailand aus Antonionis „La Notte“ wieder, und die Geschichten der Fabrikarbeiter erinnerten ihn an Viscontis „Rocco und seine Brüder“. Der prägende Moment in Pieros Leben war der frühe Tod seines Vaters Renzo. „Piero hatte eine herrliche, unbeschwerte Jugend. Aber dann musste er plötzlich im Alter von 25 Jahren die Firma und die Verantwortung für 500 Arbeiter und deren Familien übernehmen“, so Speck.

Fiktion und Realität: Die Kunst des Romanschreibens

Speck betont, dass er das Buch mit größtem Respekt vor der Familie Rivolta verfasst hat und sich an biografischen Fakten orientierte. Dennoch handelt es sich um einen Roman, in dem auch fiktionale Figuren wie Valeria und Flavio, der Sohn eines sizilianischen Arbeiters, mitspielen. „Die Unternehmervilla mit der Fabrik im Park ist ein Mikrokosmos der italienischen Gesellschaft“, erklärt der Autor.

Eine besonders unglaubliche, aber wahre Geschichte im Buch handelt von Pieros Frau Lele. Als Studentin unentschlossen zwischen Piero und einem jungen Anwalt, konsultierte sie in Indien einen Wahrsager, der ihr sagte, der Mann ihres Lebens heiße „Peero“. „Das hat mir Lele so erzählt, wie es nun im Roman steht“, verrät Speck.

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Oldtimer als Kunstwerke: Die Seele der Automobile

Ein zentrales Thema des Romans sind die Iso Rivolta-Autos, die Speck als „Kunstwerke“ beschreibt. „Die meisten modernen Autos sind rollende Smartphones ohne Seele“, kritisiert er. „Die italienischen Klassiker der Fünfziger, Sechziger und Siebziger Jahre waren dagegen wahre Kunstwerke.“ Designer Giorgetto Giugiaro, der unter anderem den Iso Rivolta GT entwarf, kam von der Kunstakademie und studierte die alten Meister.

„Da steckt also auch Michelangelo in den Entwürfen“, spekuliert Speck. Bei einem Besuch bei Giugiaro in Ligurien erkannte der Autor das Geheimnis italienischen Stils: Sprezzatura, diese mühelose Eleganz. Interessant ist auch, dass Beatles-Legende John Lennon ein begeisterter Iso Rivolta-Fahrer war – eine Anekdote, die Speck für den geplanten zweiten Band aufbewahrt hat.

Der Garten als Symbol: Heimat in stürmischen Zeiten

Der Garten der Villa Rivolta spielt im Roman eine bedeutende Rolle als Schutzraum vor der düster werdenden Welt. „Ich habe mich vor allem an den Garten meiner Großeltern in Untermenzing erinnert, in dem ich aufgewachsen bin“, erklärt Speck. „Der war für mich das, was für Piero und Valeria der Garten der Villa Rivolta ist: ein Stück heile Welt.“

In den Siebziger Jahren, als die Welt von Ölkrise, Terrorismus und Umweltproblemen erschüttert wurde, verkörperte die Villa Rivolta diesen Heimatort, „an dem alle Stürme der Welt vorbeiziehen“. Mit etwa 1700 gebauten Exemplaren waren Iso Rivolta-Autos seltene Kostbarkeiten, die heute noch Nostalgie und Sehnsucht nach dem Dolce Vita der 60er Jahre wecken.

Ausblick: Die Fortsetzung ist bereits geplant

Die spannende Firmengeschichte wird in „Villa Rivolta“ nicht zu Ende erzählt – denn ein zweiter Band ist bereits in Planung. „Ich baue Romane wie große Häuser, mit vielen Zimmern und mehreren Ebenen“, beschreibt Speck seine Herangehensweise. „Ich möchte, dass jeder Leser seinen Lieblingsraum findet und alle darin wohnen können.“

Daniel Specks „Villa Rivolta“ erscheint am 25. Februar 2026 im Fischer Verlag (608 Seiten, 25 Euro) und wird auch als E-Book und Hörbuch erhältlich sein. Eine Vorstellung im Literaturhaus München ist für den 27. Februar 2026 um 19 Uhr geplant.