Janosch feiert 95. Geburtstag: Vom schweren Start zum weltberühmten Geschichtenerzähler
Janosch, mit bürgerlichem Namen Horst Eckert, einer der bedeutendsten und beliebtesten deutschen Autoren aller Zeiten, begeht am 11. März seinen 95. Geburtstag. Der Schöpfer unvergesslicher Figuren wie der Tigerente, des kleinen Tigers und des kleinen Bären verbringt diesen besonderen Tag fernab der Öffentlichkeit in seiner Wahlheimat Teneriffa, wo er seit den 1980er Jahren lebt.
Eine Kindheit voller Dunkelheit
Der Start ins Leben war für Janosch alles andere als märchenhaft. „Ein einziger großer Jammer“, beschrieb er selbst seine frühen Jahre. „Sie bestand aus Schlägen bis zur Bewusstlosigkeit, Zigarettenqualm und ‚vollgekotzter Wohnung‘.“ Sein Vater, ein Alkoholiker und überzeugter Nationalsozialist, benannte seinen Sohn sogar nach dem SA-Sturmführer Horst Wessel. Die Welt des jungen Horst Eckert war geprägt von Angst und Gewalt.
Vielleicht musste gerade dieser Mann, der so viel Dunkelheit erlebt hatte, später umso mehr Licht in die Welt bringen. Aus den traumatischen Erfahrungen seiner Kindheit schöpfte Janosch die Kraft, Geschichten zu schaffen, die Generationen von Kindern Trost, Mut und Lebensweisheit schenkten.
Panama ist überall: Die Philosophie des Glücks
1978 erschien sein berühmtestes Werk „Oh, wie schön ist Panama“ – ein schmales Buch mit großer Wirkung. Die Geschichte vom kleinen Tiger und kleinen Bären, die sich auf die Suche nach dem Land ihrer Träume machen und am Ende erkennen, dass das Glück schon immer vor ihrer eigenen Haustür wartete, wurde zu einem zeitlosen Bestseller.
Janosch selbst kommentierte in seiner legendären „Zeitmagazin“-Kolumne einmal humorvoll, was gewesen wäre, hätten seine Figuren Smartphones besessen: „Sie hätten Panama einfach gegoogelt und wären im Übrigen am Tisch sitzen geblieben.“ Eine ironische Anspielung darauf, dass die eigentliche Reise im Leben oft wichtiger ist als das schnelle Ziel.
Ein literarisches Lebenswerk von Weltrang
Insgesamt schuf Janosch über 150 Kinderbücher, die er meist auch selbst illustrierte. Seine Werke wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Figuren wie Günther Kastenfrosch, die Tigerente, der kleine Tiger und der kleine Bär sind längst zu Weltbürgern geworden, die Kindern auf der ganzen Erde wichtige Lebenslektionen vermitteln: Fürchte dich nicht, geh los und nimm deinen besten Freund mit.
Anlässlich seines 95. Geburtstags eröffnet das Neue Kunstmuseum Tübingen eine Sonderausstellung mit dem Titel „95 Jahre Janosch“, die das umfangreiche Schaffen des Künstlers würdigt.
Das Glück auf Teneriffa gefunden
Seit 1980 lebt Janosch auf der kanarischen Insel Teneriffa, zunächst zur Erholung von einer Krankheit, bald darauf für immer. In einem kleinen Bergdorf mit fantastischem Meerblick hat er seine persönliche Heimat gefunden. Seinen Alltag beschrieb er BILD zu seinem 85. Geburtstag mit typischer Janosch-Weisheit: „Ich wache um 9 Uhr auf. Frühstück. Warten, ob mir einfällt, was ich danach tun würde, in dem Fall, dass ich etwas tun wollte, das kam jedoch noch nie vor. Also sitze ich meistens nur und so.“
Seit 2021 ist Janosch mit Ines Eckert verheiratet, seiner langjährigen Lebensgefährtin. Gemeinsam haben sie auf Teneriffa eine Umwelt- und Tierschutzorganisation gegründet. Bereits 2010 kündigte der Autor an, fortan nur noch reisen und in der Hängematte liegen zu wollen – ein Vorhaben, das er heute mit den Worten kommentiert: „Das ist mir gelungen.“
Der Mann, der Generationen zeigte, dass Freundschaft stärker ist als Angst und dass Heimat nicht auf der Landkarte zu finden ist, genießt nun seinen wohlverdienten Ruhestand – mit Blick aufs Meer, einem Glas Wein und der Gewissheit, mit seinen Geschichten die Welt ein Stückchen heller gemacht zu haben.



