Portugals literarischer Gigant: António Lobo Antunes im Alter von 83 Jahren verstorben
Portugal trauert um eine seiner größten literarischen Persönlichkeiten. António Lobo Antunes, der über Jahrzehnte hinweg als ewiger Kandidat für den Literaturnobelpreis galt, ist am Donnerstag, dem 5. März, in Lissabon im Alter von 83 Jahren verstorben. Die portugiesische Regierung hat für Samstag eine offizielle Staatstrauer ausgerufen.
Ein Leben für die Literatur
Der portugiesische Star-Schriftsteller lebte nach eigenen Worten nur für die Bücher. Selbst im hohen Alter dachte er nicht ans Aufhören, musste sich in seinen letzten Lebensjahren jedoch aufgrund einer fortschreitenden Demenzerkrankung aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Lobo Antunes veröffentlichte mehr als drei Dutzend Bücher, die meisten davon Romane, die in rund 60 Sprachen übersetzt wurden.
Die ungewöhnliche Schreibmethode
Bemerkenswert war nicht nur seine Produktivität, sondern auch seine Arbeitsweise: Der Autor benutzte weder Computer noch Schreibmaschine, sondern schrieb seine langen, oft poetischen Texte mit Kugelschreiber auf kleine Notizzettel. Schreiben ohne Kondom, nannte er diese Methode einmal. Seine dichte, bildreiche Sprache und die atmosphärisch aufgeladenen, komplex konstruierten Texte gewannen ihm Leser auf der ganzen Welt.
Prägende Kriegserfahrungen
Ein entscheidendes prägendes Erlebnis war der Kolonialkrieg in Angola Anfang der 1970er Jahre, zu dem der junge Arzt aus einer wohlhabenden Familie vom Regime geschickt worden war. Das war schrecklich, bei einem Krieg gibt es nur Verlierer, sagte er später. Diese 27-monatige Erfahrung veränderte sein Leben grundlegend und fand literarischen Niederschlag in seinem internationalen Durchbruchsroman Os cus de Judas (Der Judaskuß) aus dem Jahr 1979.
Themen von Krankheit und Melancholie
Sein eigenes Leben war von Krankheit geprägt: Als Kind musste er wegen Tuberkulose ein Jahr lang ans Bett gefesselt verbringen, 2007 überlebte er eine schwere Krebserkrankung, später noch zwei weitere. Themen wie:
- Angst
- Tod
- Gewalt
- Melancholie
prägten deshalb viele seiner Bücher ebenso wie Erinnerungen und Beobachtungen aus dem Alltag.
Literarische Anerkennung und persönliche Bescheidenheit
Obwohl Literaturkritiker und Fans ihn weltweit als würdigen Nobelpreisträger ins Spiel gebracht hatten, bedeuteten dem Autor solche Ehrungen wenig. Ich scheiß' auf den Nobelpreis, sagte er einmal in einem Interview. Auszeichnungen machen Bücher nicht besser. Dennoch erhielt er 2007 den wichtigsten Literaturpreis der portugiesischsprachigen Welt, den Prémio Camões.
Das literarische Erbe
Die renommierte Zeitung Público nahm Abschied vom Revolutionär der portugiesischen Literatur, während Ministerpräsident Luís Montenegro auf X schrieb, Lobo Antunes werde uns auch über seinen Tod hinaus weiter inspirieren. In Anlehnung an den Fußballstar nannten ihn viele den Cristiano Ronaldo der Literatur.
Der zurückgezogen lebende Autor aus Lissabon wurde von Kritikern als einzigartiges literarisches Genie und Meister der portugiesischen Sprache gefeiert. Sein letzter Roman auf Portugiesisch war O Tamanho do Mundo (Die Größe der Welt) aus dem Jahr 2022. Das literarische Werk von António Lobo Antunes wird Portugal und die Weltliteratur noch lange prägen.



