Zwei archäologische Fundstücke aus dem 11. Jahrhundert sind im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel wiedervereint worden. Ein bronzener Radkreuz-Anhänger, den eine Hobby-Archäologin vor wenigen Monaten im Havelland entdeckte, wird ab Mittwoch zusammen mit seiner Gussform präsentiert. Die Gussform war bereits 1982 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefunden worden – in der Nähe einer frühen Holzkirche.
Einmalige Passgenauigkeit
Das Kreuz ist in einen Ring eingefasst, sodass der Anhänger wie ein Rad aussieht. Besonders ist, dass das Bronzeobjekt exakt in die Form passt, die seit Jahrzehnten im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte ausgestellt wird. Ein passendes Gussstück war bislang weder in Spandau noch anderswo aufgetaucht. Nach Restaurierung und Vermessung am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM) konnte die Übereinstimmung eindeutig nachgewiesen werden.
Ehrenamtliche Entdeckerin
Eine ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin hatte das Kreuz bei genehmigten Detektorbegehungen gefunden. Neben dem Kreuz kamen weitere Objekte aus dem 10. und 11. Jahrhundert zutage, darunter Münzen, teils vergoldete Schmuckfragmente und eiserne Waffen. Der Fund unterstreicht die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit in der brandenburgischen Archäologie.
Zeugnis früher Christianisierung
Das Kreuz steht exemplarisch für die frühe Christianisierung in einer Region, die im frühen Mittelalter überwiegend slawisch geprägt war. Für die Archäologen belegt der Fund zudem weiträumige Kulturkontakte vor dem Slawenaufstand von 983. „Der Schmied in Spandau hat für einen großen Markt und einen sehr mobilen Personenkreis produziert“, sagte Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte und Landesarchäologe von Berlin. Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) nannte den Fund „in mehrfacher Hinsicht spektakulär“.
Beide Objekte sind nun in einer Sondervitrine des Neuen Museums zu sehen.



