Bauarbeiter rettet wertvollen DDR-Fund: Wandbespannung kehrt zurück
DDR-Fund: Wandbespannung kehrt nach Plüschow zurück

Eine verloren geglaubte Wandbespannung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist nach aufwendiger Restaurierung nach Schloss Plüschow zurückgekehrt. Das wertvolle Textil war jahrzehntelang in einer Garage bei Grevesmühlen aufbewahrt worden, nachdem es ein aufmerksamer Bauarbeiter 1990 vor der Zerstörung gerettet hatte.

Die bewegte Geschichte des Fundstücks

Die Wandbespannung stammt aus der Zeit um 1750 und zeigt eine prachtvolle Fantasielandschaft, die Elemente italienischer, französischer und deutscher Malerei vereint. Bis 1945 waren die Räume des Schlosses noch original eingerichtet. Doch mit dem Zustrom von Tausenden Geflüchteten änderte sich alles: „Es waren 1200 Personen auf dem ganzen Hof, in den Wirtschaftsgebäuden, aber auch im Schloss selbst untergebracht“, berichtet Miro Zahra, Leiterin des Künstlerhauses Schloss Plüschow.

Die Bewohner nutzten die Wandbespannungen in der Not, um Stroh darin einzuwickeln und darauf zu schlafen. Später dienten sie als Dämmmaterial in einem Nachbargebäude. Dort entdeckte ein Bauarbeiter 1990 das kostbare Textil unter Papiertapeten – versteckt unter dem Dach und nur knapp dem Bauschutt entgangen.

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Bürgerschaftliches Engagement ermöglicht Restaurierung

Über 30 Jahre lang bewahrten die Nachkommen des Bauarbeiters das Fragment sorgfältig in einer Garage nahe Grevesmühlen auf, bevor sie es im Sommer 2023 dem Förderkreis Schloss Plüschow übergaben. In einem gemeinsamen Projekt des Künstlerhauses und des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD) wurde der Fund von den Restauratorinnen Susanne Buch und Annette Seifert fachgerecht restauriert. Gleichzeitig erforschten sie das Motiv wissenschaftlich.

„Dass diese verloren geglaubte Wandbespannung heute wieder in neuem Glanz für alle Menschen zugänglich ist, ist ein kleines Wunder“, sagte Kulturministerin Bettina Martin bei einem Vorabtermin. „Es ist der Verdienst von bürgerlichem Engagement und Wertschätzung für unsere Geschichte.“

Einmalig in Mecklenburg-Vorpommern

Dr. Ramona Dornbusch, Direktorin des LAKD, betont die Einzigartigkeit des Fundes: „Nach erster kulturhistorischer Einschätzung ist es einmalig in Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben keine weiteren solcher Fragmente. Es gab solche Bespannungen auch in anderen Schlössern, aber sie sind alle verloren gegangen.“

Die Ausstellung „Das Wunder von Plüschow – Das verlorene Landschaftszimmer kehrt zurück“ eröffnet am 9. Mai um 15 Uhr mit einem Dialogformat mit der Künstlerin Juliane Laitzsch. Sie hat sich künstlerisch mit der Rückseite des Fundstücks auseinandergesetzt. Neben der Restaurierung setzt das Projekt auf lebendige Vermittlung: Spezielle pädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche sowie ein Bastelbogen für Familien laden zum kreativen Entdecken ein. Eine Magnettafel mit Puzzle-Elementen zeigt, wie der Rest des Fragments ausgesehen haben könnte – rekonstruiert mit Hilfe Künstlicher Intelligenz.

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