Historische Dampfmaschine kehrt nach Plau am See zurück: Ein technisches Meisterwerk erstrahlt neu
Im Burgmuseum in Plau am See herrscht derzeit eine besondere Aufregung: Seit Tagen arbeiten Restauratoren an einer tonnenschweren Maschine, die nicht nur durch den Filmklassiker Die Feuerzangenbowle bekannt ist. Diese historische Dampfmaschine, die nun nach mehr als 100 Jahren in München wieder an ihren ursprünglichen Standort zurückkehrt, verspricht, ein absoluter Besuchermagnet zu werden.
Ein technisches Wunderwerk mit bewegter Geschichte
Die Hochdruckdampfmaschine ist 187 Jahre alt, wiegt fast zwölf Tonnen und gilt als eine der ersten ihrer Art. Sie wurde vom Erfinder Ernst Alban (1791-1856) in Güstrow gebaut und war von 1840 bis 1900 in einer Tuchfabrik in Plau am See im Einsatz. Danach wurde sie für über ein Jahrhundert im Deutschen Museum in München ausgestellt. Peter Pochert, Vorstandsmitglied des Plauer Heimatvereins, der das Burgmuseum ehrenamtlich führt, zeigt sich begeistert: Ich kannte die Maschine ja von Bildern, aber wenn man sie dann vor Augen hat, ist das überwältigend.
Die Rückkehr der Maschine war lange Zeit ein Wunschtraum. Pochert erklärt: Wir haben immer neidvoll nach München geguckt und gesagt: Mensch, das wäre ja toll, wenn wir die irgendwie herkriegen würden. Aber das war eigentlich zu illusorisch. Erst 2023 ergab sich die Gelegenheit, als das Deutsche Museum mit einer Neukonzeption begann und die Dampfmaschine ins Depot verlegte.
Herausforderungen beim Aufbau: Von finanziellen Hürden bis zum Denkmalschutz
Die Montage der viereinhalb Meter hohen und fast drei Meter breiten Maschine stellte das Museum vor große Herausforderungen. Ursprünglich war ein Anbau geplant, doch der Denkmalschutz verhinderte dies. Stattdessen wurde ein Raum freigeräumt, ein Graben gebaut, das Fundament unterfüttert und die Decke aufgebrochen. Über ein großes Loch in der Außenwand wurde die Maschine in den Raum transportiert. Ulrich Feldhaus, Geschäftsführer des beauftragten Restaurierungsateliers Die Schmiede, betont: Das ist schon eine besondere Maschine, auch wegen ihres hohen Alters. Und die Bauart ist wirklich sehr selten. Das ist ja fast wie so ein griechischer Tempel.
Finanzielle Unterstützung kam durch eine Stiftung und den Landrat, da solche Umbaumaßnahmen oft kostspielig sind. Michael Rahnfeld vom Arbeitskreis Technikgeschichte im Museumsverband Mecklenburg-Vorpommern weist darauf hin: Viele Originale sind sehr groß, schwer und oft nicht mobil. Für Transport und Umbaumaßnahmen fehlt den Kommunen oft das Geld. Das sind finanzielle Kraftakte.
Die Bedeutung für Mecklenburg-Vorpommern und die Besucher
Die Dampfmaschine hat einen engen Bezug zum Standort und stärkt das industrielle Erbe der Region. Rahnfeld erklärt: Solche Exponate oder Denkmäler wie die Alban'sche Dampfmaschine stehen natürlich für Mecklenburg-Vorpommern. Insofern ist ein solches Original ein absoluter Besuchermagnet. Repliken können das einfach nicht ersetzen. In ganz Deutschland gibt es laut der Datenbank des Ingenieurs Albert Gieseler knapp 700 Dampfmaschinen in Museen und Technischen Denkmälern, aber Versetzungen in dieser Größenordnung sind selten.
Die Funktionsweise der Maschine ähnelt der im Film Die Feuerzangenbowle beschriebenen: Wasser wird in einem Dampferzeuger erhitzt, der entstandene Druck bewegt einen Kolben im Zylinder, und diese Bewegung wird auf ein großes Schwungrad übertragen, das früher bis zu zehn Maschinen antrieb. Heute wird die Maschine elektrisch betrieben, um sie in Aktion zu erleben.
Das Burgmuseum erhofft sich durch das neue Exponat mehr Besucher, nachdem bisher rund 10.000 pro Jahr kamen. Ab Gründonnerstag (2. April) öffnet das Museum wieder, und Interessierte können die Dampfmaschine aus der Nähe bewundern. Diese Rückkehr eines technischen Meisterwerks unterstreicht die Bedeutung von Originalstücken für die Kultur- und Technikgeschichte.



