Einzigartiger Münzschatz von Leipziger Lehrer in Halle
Münzschatz von Leipziger Lehrer in Halle

Halle (Saale) - Ein spektakulärer Münzschatz, der sogar den Zweiten Weltkrieg vergraben in einem Leipziger Schrebergarten überstand, ist nun Teil der Sammlung des Kunstmuseums der Moritzburg in Halle. Das Landesmünzkabinett Sachsen-Anhalt präsentiert ab 2027 die einzigartige Sammlung mit seltenen Goldmünzen aus der Antike.

Leipziger Lehrer sammelte über Jahrzehnte

Gesammelt wurden die Münzen über Jahrzehnte hinweg von dem Leipziger Lehrer und leidenschaftlichen Sammler Friedrich Mann (1894-1993). Über 30 Jahre nach seinem Tod wandte sich im Herbst des vergangenen Jahres Manns Tochter an das Landesmünzkabinett und bot die Sammlung zur Schenkung an.

Friedrich Mann trug seinen Münzschatz über viele Jahrzehnte hinweg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammen. Während der zunehmenden Bombenangriffe zur Zeit des Zweiten Weltkriegs vergrub er seine kostbare Sammlung in seinem Leipziger Schrebergarten. Das Versteck blieb über die Jahre streng geheim. „Nur er wusste, wo sich der Schatz befand“, erklärte Ulf Dräger, Leiter des Landesmünzkabinetts Sachsen-Anhalt im Kunstmuseum Moritzburg Halle.

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Nach Kriegsende soll Mann die Sammlung unversehrt geborgen und später an seinen neuen Wohnort in Frankfurt (Main) gebracht haben. Dort lagerte er die Münzen jahrzehntelang in einem Bankschließfach. Nach Manns Tod ging der Schatz an dessen Tochter über. Im Herbst des vergangenen Jahres wandte sie sich schließlich an das Landesmünzkabinett und bot die Sammlung als Schenkung an.

45 Münzen und Medaillen aus verschiedenen Epochen

Insgesamt umfasst sie 45 Münzen und Medaillen aus unterschiedlichen Epochen – von der Antike über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit. Warum der Schatz nach Halle ging? „Eine alte Verbundenheit mit der Stadt. Die Frau hatte in Halle studiert“, so Dräger.

Besonders die Qualität der Sammlung habe selbst den Experten überrascht. „Als ich die Stücke zum ersten Mal sah, stockte mir der Atem. Eine derartige Qualität hatte ich nicht erwartet“, so Dräger. Viele der Exemplare würden wie nahezu frisch geprägt wirken. Vor der offiziellen Übernahme ließ das Landesmünzkabinett die komplette Sammlung wissenschaftlich untersuchen und auf ihre Echtheit prüfen. Ab 2027 soll der Münzschatz nun Teil der Dauerausstellung werden.

Seltene antike Goldmünzen

Faszinierend an dem Schatz seien vor allem mehrere antike Goldmünzen. Darunter ist eine persische Gold-Dareike aus der Zeit zwischen 400 und 330 vor Christus. Laut Dräger ist sie nun die älteste Münze der Sammlung der Moritzburg - und außerdem äußerst selten. Der sogenannte Dareikos wurde unter König Dareios I. eingeführt und entwickelte sich zur wichtigsten Goldmünze des Perserreichs sowie zu einer bedeutenden Leitwährung im östlichen Mittelmeerraum.

Von besonderem historischem Wert ist außerdem ein goldener Stater des thrakischen Herrschers Lysimachos (305–281 v. Chr.). Die Münze entstand vermutlich zwischen 150 und 140 vor Christus in Byzantion, dem heutigen Istanbul, als sogenannte posthume Prägung. Dräger hält es für möglich, dass das Stück ursprünglich aus dem 1908 entdeckten Schatzfund von Zooapse am Schwarzen Meer stammt. Zwischen 1910 und 1920 seien etwa 30 bis 50 Exemplare dieses Typs auf Auktionen verkauft worden. Der Begriff „Stater“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet ursprünglich „Gewicht“, wurde später jedoch zur Bezeichnung bestimmter Münztypen verwendet.

Das Landesmünzkabinett von Sachsen-Anhalt

Das Landesmünzkabinett in Halle besteht seit 1950 und zählt heute zu den wichtigsten numismatischen Sammlungen Deutschlands. Dort werden rund 50.000 Münzen und Medaillen sowie etwa 60.000 Geldscheine aufbewahrt. Der neue Münzschatz bereichert diese Sammlung um wertvolle Stücke aus der Antike.

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