Sechs Forschungsprojekte untersuchen Herkunft von Museumsobjekten in Sachsen-Anhalt
In Sachsen-Anhalt gehen derzeit sechs Forschungsprojekte in Museen der Herkunft von Kulturgütern in ihren Sammlungen auf den Grund. Ein besonders bedeutendes Vorhaben befasst sich seit Anfang des Jahres mit 176 Objekten vermeintlich jüdischer Herkunft. Dies teilte der Museumsverband Sachsen-Anhalt anlässlich des internationalen Tages der Provenienzforschung am 8. April mit.
Forschung zu Objekten vermeintlich jüdischer Herkunft
Das Projekt läuft in 22 Museen und in enger Kooperation mit der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt. Es konzentriert sich auf „fehlende Puzzleteile“ in den Objektbiografien von Gegenständen des jüdischen Alltags sowie auf Dinge, die mit einem jüdischen Namen in der Museumsdokumentation verzeichnet sind. Geforscht wird gezielt an Objekten, „bei denen der Verdacht besteht, dass sie in der NS-Zeit verfolgungsbedingt verkauft, abgepresst oder zurückgelassen worden sein könnten“. Die Leitung dieses wichtigen Vorhabens hat das Halberstädter Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur inne.
Weitere Projekte und Koordinierungsstelle
In einem weiteren Projekt werden Unterlagen des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen mit Unterstützung des Landesarchivs Sachsen-Anhalt geprüft und ausgewertet. Auch namhafte Institutionen wie die Stiftung Luthergedenkstätten Wittenberg, die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau und die Franckeschen Stiftungen in Halle befassen sich aktuell intensiv mit Provenienzforschung. Der Museumsverband Sachsen-Anhalt unterstützt diese Bemühungen aktiv: Unter seinem Dach arbeitet seit dem Jahr 2019 eine Koordinierungsstelle Provenienzforschung, die Museen bei der Erforschung der Herkunft ihrer Objekte fachkundig berät und begleitet.
Veranstaltungen zum internationalen Tag der Provenienzforschung
Zum internationalen Tag der Provenienzforschung sind laut Museumsverband sieben Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt geplant. Das Programm umfasst unter anderem:
- Führungen durch beteiligte Museen
- Eine Buchpräsentation zu aktuellen Forschungsergebnissen
- Vorträge und Diskussionsrunden
Provenienzforschung untersucht die Herkunft und Geschichte von Kulturgütern im historischen Kontext. Sie ist ein unverzichtbares Instrument, um die oft komplexen und verschlungenen Wege von Museumsobjekten aufzuklären und damit einen Beitrag zur historischen Aufarbeitung zu leisten. Die aktuellen Projekte in Sachsen-Anhalt zeigen, dass dieses Thema eine hohe Priorität in der Museumslandschaft des Bundeslandes genießt.



