David Gilmour wird 80: Pink-Floyd-Legende lebt im Hier und Jetzt auf seinem Hausboot
David Gilmour wird 80: Pink-Floyd-Legende lebt im Jetzt

David Gilmour wird 80: Eine Legende blickt nach vorn

Wenn David Gilmour die Saiten seiner Gitarre zum Klingen bringt, hält die Welt für einen Moment den Atem an. Sein unverwechselbarer, gefühlvoller Sound hat Generationen von Musikfans verzaubert und mit der ikonischen Band Pink Floyd unauslöschliche Spuren in der Musikgeschichte hinterlassen. Am 6. März 2026 feiert der britische Gitarrist und Sänger seinen 80. Geburtstag – doch für ihn selbst ist das Kapitel Pink Floyd längst abgeschlossen.

Die goldene Ära liegt weit zurück

„Ich bin sehr stolz auf das, was wir geschaffen haben, aber für andere Menschen hat es eine ganz andere Bedeutung als für mich“, erklärte Gilmour bereits 2024 im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in London. Er betonte weiter: „Unsere Fans sagen, dass die 70er Jahre die goldene Ära von Pink Floyd waren. Das ist lange her. Es ist doch Zeitverschwendung zu denken, dass alles Wertvolle, das man jemals gemacht hat, 50 Jahre her ist.“ Diese Haltung prägt sein heutiges Schaffen.

David Jon Gilmour, 1946 in Cambridge geboren, stieß 1967 zu Pink Floyd, die damals experimentellen, psychedelischen Rock spielten. Er ersetzte bald das Gründungsmitglied Syd Barrett, das die Band aufgrund schwerwiegender gesundheitlicher Probleme infolge exzessiven Drogenkonsums verlassen musste. An der Seite von Bassist, Sänger und Songwriter Roger Waters wurde Gilmour zum maßgeblichen Architekten des unverkennbaren Floyd-Sounds.

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Weltruhm mit epochalen Alben

In den 1970er Jahren etablierte sich das Quartett mit vier genialen Konzeptalben als eine der einflussreichsten Gruppen aller Zeiten:

  • „The Dark Side of the Moon“ (1973) – weltweit fast 50 Millionen verkaufte Exemplare
  • „Wish You Were Here“ (1975)
  • „Animals“ (1977)
  • „The Wall“ (1979) – über 30 Millionen verkaufte Exemplare, inklusive der Ohrwurm-Single „Another Brick in the Wall (Part 2)“

Ein absoluter Höhepunkt auf „The Wall“ ist das sechseinhalbminütige „Comfortably Numb“. Gilmour schrieb die Musik, sang den Refrain und veredelte das Epos mit zwei träumerischen Gitarrensoli für die Ewigkeit. Produzent Bob Ezrin schwärmte: „Man kann ihm eine Ukulele geben, und er lässt sie wie eine Stradivari-Violine klingen.“ Trotz solcher Lobeshymnen blieb der optisch unscheinbare Musiker, der meist ein schwarzes T-Shirt trägt, stets bescheiden.

Der eigene Weg als Erfolgsrezept

Einer der Schlüssel zum Erfolg von Pink Floyd war ihre kompromisslose Haltung. „Die Menschen, die diese Musik geliebt haben, mochten das, weil wir die Musik so gemacht haben, wie wir es wollten“, betonte Gilmour. „Wir haben nicht das getan, was andere erwartet haben. Heute kennt man die Musik, aber damals war es nicht das, was die Leute erwartet hatten.“ Diesem Prinzip folgt der Gitarrenmagier bis heute. „Was die Leute von mir erwarten, spielt für mich keine Rolle“, sagte er im dpa-Interview. „Wenn man als Künstler die Erwartungen anderer erfüllt, ist es das Ende der Kunst. Man muss egoistisch sein, vielleicht sogar arrogant, und sein eigenes Ding durchziehen.“

Bei Pink Floyd kam es 1985 zum Bruch. Roger Waters verließ die Band. Unter Gilmours Führung machte die Gruppe bis Mitte der 1990er Jahre weiter. Danach gab es nur noch einen gemeinsamen Auftritt: 2005 spielten Pink Floyd mit Waters beim Benefiz-Festival „Live 8“. Eine millionenschwere Reunion-Tournee lehnten die Musiker zum Leidwesen ihrer Fans jedoch ab. Gilmour und Waters, der immer wieder mit kontroversen Aussagen für Aufsehen sorgt, liegen bis heute im Clinch.

Neue Wege und das Leben im Hier und Jetzt

Seit 1978 hat David Gilmour fünf Soloalben veröffentlicht. Das jüngste, das hervorragende „Luck And Strange“, erschien 2024. Dazu ging er auf seine bisher kürzeste Tournee mit insgesamt 21 Konzerten in Rom, London, Los Angeles und New York. Größere Tourneen sind jedoch nicht mehr geplant. „Ich habe das so viel gemacht. Ich finde es schwer, mich auf diese riesige Unternehmung zu freuen“, gestand er. „Wenn ich dann auf der Bühne stehe, genieße ich es durchaus.“

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Neben seiner Solokarriere wirkte Gilmour an Aufnahmen unzähliger Stars mit, darunter Paul McCartney, Bryan Ferry, Elton John und Kate Bush. Letztere hatte er selbst entdeckt: Mitte der 1970er Jahre bekam er eine Kassette mit Demos der jungen Sängerin und Songwriterin zugespielt, erkannte ihr Potenzial, finanzierte professionelle Aufnahmen und verhalf ihr zum ersten Plattenvertrag.

Die Familie steht bei Gilmour an erster Stelle. Aus seiner ersten Ehe mit dem US-Model Virginia Hasenbein gingen vier Kinder hervor. Mit seiner zweiten Frau und Co-Songwriterin Polly Samson hat er weitere drei Kinder und einen Adoptivsohn. Bei seinen letzten Konzerten stand seine jüngste Tochter Romany als Sängerin mit ihm auf der Bühne.

Kreativität auf dem Hausboot

Viel Zeit verbringt David Gilmour auf seinem historischen Hausboot „Astoria“, das er in den 1980er Jahren zu einem schwimmenden Tonstudio umbaute. Es liegt im idyllischen Londoner Stadtteil Hampton auf der Themse. Von dort aus sammelt er weiterhin neue musikalische Ideen. „Ich gehe ständig ins Studio und halte einfach kleine Ideen fest“, verriet er. „Ich nehme ständig Ideen mit dem Aufnahmegerät auf meinem Handy auf. Ich habe über Tausend davon, die ich mir irgendwann einmal anhören und durchgehen muss.“

Konzerte von David Gilmour sind nach wie vor ein Spektakel für die Sinne, vor allem aber für die Ohren. Doch sein Fokus liegt klar auf der Gegenwart und Zukunft. Auf die Zeit mit Pink Floyd ist er stolz, aber sie definiert ihn nicht mehr. Statt in der Vergangenheit zu schwelgen, lebt und arbeitet der 80-jährige Gitarrenvirtuose im Hier und Jetzt – und vielleicht wartet dort noch die eine oder andere musikalische Überraschung.