Kraftklub startet Tour in historischer DDR-Halle mit unvergesslichem Moment
Schwerin • Dreieinhalb Jahre nach ihrem letzten Auftritt in Mecklenburg-Vorpommern kehrte die Chemnitzer Band Kraftklub am Dienstagabend in die Region zurück – und zwar mit einem spektakulären Tourstart in der Schweriner Sport- und Kongresshalle. Rund 7000 Besucher erlebten den ersten Auftritt der aktuellen Tour zum Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“, der voller Überraschungen, Premieren und emotionaler Höhepunkte steckte.
Historische Kulisse für thematisch passende Musik
Die 1962 eröffnete und mittlerweile denkmalgeschützte Sport- und Kongresshalle in Schwerin versprüht noch immer einen unverkennbaren DDR-Charme mit ihren originalen Vorhängen, Fluren und Sitzplätzen. Für Kraftklub, die in ihren Songs regelmäßig ihr Aufwachsen und Leben im DDR- und Nachwende-Chemnitz thematisieren, bot sich damit eine thematisch perfekte Bühne. Die fast ausverkaufte Halle bildete den idealen Rahmen für den Tourstart, der Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz umfasst.
Spektakulärer Beginn mit sofortiger Konfetti-Explosion
Anders als viele Bands, die Konfetti-Effekte typischerweise für den Höhepunkt oder Abschluss ihrer Shows aufheben, ließ Kraftklub keine Zeit verstreichen: Bereits während des Eröffnungssongs „Marlboromann“ schossen unzählige Papierfetzen in die Menge und heizten die Stimmung sofort an. Die Mischung aus alten und neuen Songs wirkte dabei erstaunlich homogen – als hätte die Band nie anders gespielt. Die Textsicherheit des Publikums beeindruckte selbst bei den frischen Stücken vom aktuellen Album.
Intimer Moment mitten in der Menge
Nach einem kurzen Video-Einspieler von Deichkinds „Porky“ auf dem großen Bühnendisplay stand Kraftklub plötzlich mitten im Publikum. Auf einem winzigen Podest, das kaum Platz für alle fünf Bandmitglieder zu bieten schien, spielten sie „Kein Liebeslied“ – eine Liebeshymne, die bewusst keine sein will. Statt traditioneller Feuerzeuge erleuchteten tausende Handylichter die Halle und schufen ein beeindruckendes Bild moderner Konzertkultur.
Der unerwartete Chor-Moment, der alles übertraf
Während des Songs „Schief in jedem Chor“, der ersten Single des neuen Albums, entwickelte sich dann der wohl erinnerungswürdigste Moment des gesamten Abends. Die musikalische Begleitung wurde immer leiser, bis schließlich nur noch die Stimmen von 7000 Menschen zu hören waren, die den Refrain gemeinsam sangen. Als sich die Band zurück zur Bühne bewegte, hörte das Publikum einfach nicht auf – selbst alle Versuche von Frontmann Felix Kummer, zum nächsten Song überzuleiten, scheiterten an der anhaltenden Gesangsleistung der Menge.
„Schwerin, das haben wir nicht erwartet“, gestand Kummer sichtlich überwältigt, während alle fünf Bandmitglieder die emotionale Wucht dieses ungeplanten Moments spürten. Was als inszenierter Chor-Effekt geplant war, entwickelte sich zu einer authentischen, von den Fans getragenen Performance, die selbst die erfahrenen Musiker überraschte.
Kleine Pannen gehören zum Tourstart dazu
Nicht alles lief perfekt an diesem ersten Abend: Ein Bengalos, den Kummer am Ende eines Songs zünden und schwenken wollte, versagte seinen Dienst. Doch solche kleinen technischen Pannen gehören zum Charakter eines Tourstarts einfach dazu und konnten der exzellenten Stimmung keinen Abbruch tun.
Zwei Stunden voller Energie und Emotionen
Nach gut zwei Stunden fasste die Band den Abend zusammen: „Schwerin, wir haben nicht viel erwartet von unserem ersten Auftritt. Aber das hier und ihr wart der Hammer.“ Ein Statement, dem tausende begeisterte Besucher sicherlich zustimmen würden. Der Tourstart ist geglückt, und die kommenden, vielfach ausverkauften Konzerte versprechen ähnlich intensive Erlebnisse.
Die Chemnitzer Band hat mit diesem Auftritt in Schwerin nicht nur ihre neue Tour erfolgreich gestartet, sondern auch bewiesen, dass die Verbindung zwischen Künstlern und Publikum manchmal stärker ist als jeder Drehbuch-Plan. Ein Konzerterlebnis, das sowohl für die Band als auch für die Zuschauer noch lange in Erinnerung bleiben wird.



