Kritik: Hektischer Gianandrea Noseda mit Verdis Requiem in der Isarphilharmonie
Kritik: Noseda mit Verdis Requiem in Isarphilharmonie

Hektischer Dirigent und opernhafte Spontaneität: Noseda mit Verdis Requiem

Der italienische Dirigent Gianandrea Noseda, bis 2028 Generalmusikdirektor des Opernhauses Zürich, führte in der Isarphilharmonie in München die Missa da Requiem von Giuseppe Verdi auf. Die Diskussion, ob dieses Werk verkapptes Musiktheater sei, bleibt uralt und unentschieden. Interessant ist jedoch, dass selten Opernhausensembles sich diesem abendfüllenden Stück widmen. Die vereinten Kräfte der Oper Zürich boten daher eine willkommene Gelegenheit, zu erforschen, welches Gesicht sie dieser geistlichen Musik verleihen würden.

Chor und Solisten zwischen Operntradition und Oratorium

Dem Chor der Oper Zürich, von Ernst Raffelsberger sorgfältig einstudiert, merkt man an, dass er nicht primär für Oratoriumsgesang gegründet wurde. Hervortretende Einzelstimmen lassen erahnen, dass die Sängerinnen und Sänger eher an Bühnengestaltung gewöhnt sind. Das Vibrato, besonders in A-cappella-Passagen, wirkt altmodisch, aber nicht unangenehm. Dafür singen die Tenöre und Bässe mit großer Inbrunst, was die dramatischen Momente von Verdis Requiem unmittelbar packend macht.

Im Solistenensemble zeigen sich Unwägbarkeiten, die für eine Oratorienaufführung untypisch sind. Marina Rebeka mit ihrem intensiv strahlenden Sopran und Agnieszka Rehlis mit predigerhafter Deklamation füllen ihre Partien lebendig aus, mischen sich aber kaum im Duett. Tenor Joseph Calleja ist durchgehend zu laut und bedeckt wiederholt ein Ohr, möglicherweise aufgrund der Akustik der Isarphilharmonie. Am zuverlässigsten erweist sich der kurzfristig eingesprungene Bass Alexander Vinogradov, dessen Stimme in Höhe und Tiefe stabil ausklingt.

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Nosedas hektische Dirigierweise und orchestrale Herausforderungen

Angesichts der vokalen Unausgeglichenheit hätte man sich einen dirigentischen Fels in der Brandung gewünscht. Gianandrea Noseda jedoch ist selbst ein hektischer Typ, der sich schnell in hitzige Stimmungen hineinsteigert. Seine schwimmenden, gleitenden und manchmal rudernden Bewegungen stacheln die Musikerinnen und Musiker an, stifteten aber auch Verwirrung. Dies führte zu Wacklern und Intonationsschwierigkeiten in einzelnen Orchestergruppen.

Viele Entwicklungen branden effektvoll in steilen Kurven auf. Das Tutti des Orchesters der Oper Zürich wäre transparenter und weniger zufällig gewichtet, wenn Noseda mehr ruhige Planung gewährt hätte. Insgesamt zeigt diese Aufführung, dass Verdis Requiem hier mehr von einer spontanen Opernaufführung als von einer feierlich oratorienhaften Darbietung hat.

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