Exklusiver Besuch bei einer Volksmusik-Legende: Margot Hellwig öffnet ihr Zuhause
Im Südosten Münchens öffnet Margot Hellwig (84) die Tür zu ihrem gemütlichen Häuschen. Perfekt frisiert und hergerichtet empfängt die Ikone der Volksmusik ihre Gäste. Sofort stürmt Gustl, ihr kleiner Hund aus dem Tierschutz, bellend und neugierig ins Blickfeld. "Gustl ist mittlerweile sehr anspruchsvoll. Er frisst nicht mehr alles", erzählt die 84-Jährige lachend, bevor sie nach herzlichen Begrüßungsküsschen hereinbittet.
Ein Zuhause voller Erinnerungen und neuer Rituale
Das Haus mit Garten, das Margot Hellwig bereits 1962 bauen ließ, ist heute ihr Rückzugsort. "Ich weiß gar nicht, wo die Zeit geblieben ist", sinniert sie im liebevoll gepflegten Garten. Nach dem Tod ihres Mannes Arthur Lindermayr im Jahr 2016 wohnt sie wieder allein, nachdem zeitweise ein Student bei ihr lebte. Dennoch ist sie gut abgesichert: Eine Nachbarin hat einen Haustürschlüssel, und ein Hausnotruf des Bayerischen Roten Kreuzes steht bereit.
Auch den Treppenlift, den ihr an Parkinson erkrankter Mann nutzte, hat sie bewusst behalten. "Jedes Jahr ist Wartung. Wer weiß, vielleicht benötige ich ihn mal selbst", erklärt Hellwig pragmatisch.
Die Präsenz der Vergangenheit: Mutter Maria und Ehemann Arthur
Wenn Margot Hellwig über ihre 2010 verstorbene Mutter Maria Hellwig spricht, strahlt sie. "Ich gehe nicht ohne Blick in den Spiegel aus dem Haus. Vielleicht werde ich deshalb immer noch als Tochter von Maria Hellwig erkannt", sagt sie. Das Verhältnis zur Mutter beschreibt sie als stets gut und echt – keine Show. "Es war aber klar, dass Maria Hellwig auf der Bühne die klare Nummer eins gewesen ist. Ich konnte allerdings gut zurückstecken, weil ich meine eigene Familie mit zwei Söhnen hatte."
Ihren vor zehn Jahren verstorbenen Ehemann Arthur, den sie bereits mit 16 Jahren kennenlernte, spürt sie noch täglich. "Ich rede täglich mit meinem Mann und bespreche mit ihm alles. In meinen Erinnerungen bleiben nur glückliche Momente. Ich spüre, dass er noch da ist und mich beschützt", vertraut sie an. Ein Foto von ihm hat einen festen Platz auf dem Esstisch.
Familie als Stütze und der Verlust der Singfreude
Ihre beiden Söhne Gregor und Rupert sowie drei Enkelkinder sind für Hellwig eine unverzichtbare Stütze. "Sie sind das Beste, was mir passiert ist. Die Familie ist immer für mich da", betont sie. Doch trotz der lebendigen Erinnerungen an ihre Bühnenzeit, die 2015 mit einem Auftritt bei Florian Silbereisen endete, plant sie kein Comeback.
"Ich kann mir kein TV-Comeback vorstellen. Seit dem Tod meines Mannes habe ich nicht mehr gesungen. Ich habe die Freude am Singen verloren", erklärt sie entschieden. Der Gedanke, nach einem Auftritt in ein leeres Haus zurückzukehren, würde sie zutiefst traurig machen.
Disziplin, Gesundheit und ein wachsames Auge auf die Jugend
Gesundheitlich hat Margot Hellwig einiges durchgemacht: eine Brustkrebs-Diagnose vor elf Jahren, zwei künstliche Knie, Augen- und Hüft-Operationen. "Ich bin wieder fit geworden. Ich liebe es, meinen Garten zu machen und mit Gustl spazieren zu gehen", sagt sie. Ein Sturz vor einem halben Jahr, bei dem sie sich einen Wirbel brach, zeigt jedoch: "Man weiß nie, wie die Gesundheit in fünf Minuten mitspielt."
Ihre Disziplin ist ungebrochen. "Ich stehe jeden Tag um 5.50 Uhr auf und höre um 6 Uhr die Radio-Nachrichten", erzählt sie. Sollte der Rollladen um 7 Uhr noch unten sein, kommt die wachsame Nachbarin nachschauen. Auch ihr Äußeres bleibt ihr wichtig: "Eine Jogginghose ist nichts für mich. Das hat auch etwas mit Selbstachtung zu tun. Man darf nicht verschlampen."
Ihre Bühnenjahre, die bereits mit fünf Jahren im Bauerntheater Reit im Winkl begannen, betrachtet sie mit Wehmut für die heutige Generation. "Wir hatten noch eine tolle und vor allem finanziell gute Zeit. Junge Künstler haben es heutzutage schwer, bekannt zu werden. Es gibt zu wenige TV-Shows mit Volksmusik und Schlager", bedauert sie.
Vorbereitet auf das Ende, aber voller Lebensfreude
Für Margot Hellwig sind ihre Liebsten, der Hund und die täglichen Rituale das Wichtigste. "Was bleibt am Ende des Lebens? Es ist meine Familie. Ich denke nicht an den Tod. Es ist aber alles vorbereitet", sagt die gläubige Christin. Sie wünscht sich, kein Pflegefall zu werden und nicht unnötig an Maschinen angeschlossen zu sein.
Aktuell plant sie bereits ihren 85. Geburtstag im Juli: eine Gartenparty im kleinen Familienkreis. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: "Nicht, dass die Leute denken, ich sei tot." Ihre tägliche Routine – vom Spaziergang mit Gustl bis zum gepflegten Äußeren – ist mehr als Gewohnheit. Es ist gelebtes Leben und eine liebevolle Hommage an Ehemann Arthur und Mutter Maria.



