Ostrocker bringen Kirche in Eggesin mit DDR-Rock zum Kochen
Ostrocker rocken Lutherkirche in Eggesin

Die Lutherkirche in Eggesin erlebte am Sonnabend ein musikalisches Novum: Zwischen 350 und 400 Besucher kamen, um ausschließlich Rockmusik zu hören. Die Band Ostrocker aus Ahlbeck, Torgelow und Hammer an der Uecker brachte ein Feuerwerk ostdeutscher Rockmusik in den sakralen Raum und weckte bei vielen Zuschauern Erinnerungen an ihre Jugend in der DDR. „Ich will nicht vergessen“ von den Puhdys erwies sich dabei als passender Soundtrack.

Premiere für die Band in einer Kirche

Für die fünf Musiker um Christian Lieck war der Auftritt in einer Kirche eine Premiere. Christian Lieck (Gitarre, Gesang), Heike Tresp (Keyboard, Geige, Saxofon, Gesang), Olaf „Olli“ Herzfeldt (Gitarre, Gesang), Burkhard Bagende (Bass, Gesang) und Enrico Sperling (Schlagzeug) präsentierten eine Show mit den größten Hits des ostdeutschen Rocks. Der Funke sprang schnell über: Das Publikum klatschte und sang bei den bekannten Liedern begeistert mit. Mitreißend rockte die Band die Kirche und ließ kaum Wünsche offen. Am Ende des Konzerts gab es bei „Am Fenster“ von City und den „Eisbären“ der Puhdys kein Halten mehr – die Zuschauer tanzten vor der Bühne und feierten die Band mit Standing Ovations.

Wochenlange Vorbereitung und professionelle Technik

Pastorin Sandra Kussat-Becker verriet in einer kurzen Ansprache, dass das Konzert mehrere Wochen Vorbereitung erforderte. In der Kirche wurde nicht nur eine Bühne mit gelungener Ausleuchtung und wechselnden Farben aufgebaut, sondern das gesamte Gotteshaus konnte in blaue, rote oder violette Töne getaucht werden. Olaf Brüssow war für die Mischpulte zuständig, auf der Empore wurde die Beleuchtung professionell gesteuert. Ein ganzes Unterstützerteam war nötig, um die vielleicht einmalige Kirchenshow zu realisieren. Das Eggesiner Schulradio nahm das Konzert auf, wie Lieck berichtete.

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Die Ostrocker starteten mit „Lebenszeit“ der Puhdys, und die ersten Zuschauer schunkelten und sangen sofort mit – die Textzeilen hatten sich in der Jugend der meisten Zuschauer fest eingebrannt. Es folgten „Blumen aus Eis“ von Karat und „Glastraum“ von City. Bei „Flieg ich durch die Welt“ und „Am Fenster“ von City zeigte Heike Tresp ihre Künste im Geigenspiel, genau wie bei „Nie zuvor“ von Electra. Bei diesem Song ließ die Band das Publikum allein singen, und aus hunderten Kehlen erklang „Nie, nie zuvor, hab’ ich dir so sehr vertraut ...“. Weitere Hits wie „Schwanenkönig“ von Karat und „Mich zu lieben“ von Rockhaus folgten.

Bach in der Kirche und Saxofon-Einlage

Ein besonderer Moment war, als plötzlich die große Kirchenorgel erklang. Heike Tresp war auf die Empore geeilt und spielte als Vorspiel für „Bis ans Ende der Welt“ der Puhdys den Beginn der Toccata und Fuge in d-Moll von Johann Sebastian Bach. Das Publikum belohnte dies mit riesigem Beifall. Am Ende des Songs gab es einen längeren Nachschlag des berühmten Bach-Werkes. Zudem demonstrierte Heike Tresp im Kirchenraum ihr Können am Saxofon.

Christian Lieck erzählte, dass Heike Tresp 2017 zur Band gestoßen sei und mit ihrem Spiel auf Keyboard, Geige und Saxofon die Band ungemein bereichere. Enrico Sperling kam etwa 2015 dazu, Olli Herzfeldt kennt Lieck schon aus der Kindheit. Am längsten spielt er mit Burkhard Bagende zusammen – seit 30 Jahren. Gemeinsam gewannen die beiden 2007 mit ihrer Tina Turner Revival Band den Deutschen Rockmusikpreis. Das Projekt „Ostrocker“ entstand in der Coronazeit. Damit und mit dem Projekt „Perlenfischer“ ist die Band deutschlandweit unterwegs – selbst in westdeutschen Bundesländern komme das Publikum auf den Ostrock ab.

Wie es zu dem Konzert kam

Das Konzert war nach einer Kinder-Musical-Unterstützung durch die Band zustande gekommen. Damals hatte die Pastorin gefragt, ob die Band nach einem abschließenden „Über sieben Brücken“ ein eigenes Konzert in der Kirche geben sollte. Das sei lautstark bejaht worden, erzählte sie. Der Erfolg gab der Band und allen Helfern recht. Für das Konzert waren sogar Zuschauer aus Teterow und Havelberg nach Eggesin gekommen. Bärbel Gaida aus Teterow hatte zwei Familienmitglieder mitgebracht. Aus kirchlicher Sicht gebe es mit einem solchen Konzert in der Kirche keine Probleme, solange sich die Texte nicht gegen Religion und Glauben richteten, so die Pastorin.

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