Polen sagt Konzert von umstrittenem US-Rapper Ye nach Protesten ab
Polen sagt Konzert von US-Rapper Ye nach Protesten ab

Polnischer Veranstalter sagt Ye-Konzert nach öffentlichem Druck ab

Der umstrittene US-Rapper Ye, früher bekannt als Kanye West, muss einen weiteren geplanten Auftritt seiner Europa-Tournee absagen. Das für den 19. Juni 2026 geplante Konzert im Stadion der polnischen Stadt Chorzów findet nicht statt, wie der Stadiondirektor in einer offiziellen Mitteilung bekannt gab. Als Grund wurden "formal-rechtliche Gründe" angegeben, doch tatsächlich dürfte politischer und gesellschaftlicher Druck hinter der Entscheidung stehen.

Kulturministerin bezeichnet Auftritt als "inakzeptabel"

Polens Kulturministerin Marta Cienkowska hatte den geplanten Auftritt des 48-jährigen Rappers bereits vor der offiziellen Absage scharf kritisiert. Auf der Plattform X schrieb sie, es gehe um einen Künstler, der sich öffentlich antisemitisch äußere und mit dem Verkauf von T-Shirts mit Hakenkreuzen Geld verdiene. "In einem Land, das von der Geschichte des Holocaust geprägt ist, dürfen wir nicht so tun, als sei dies nur Unterhaltung", betonte die Ministerin und nannte Ye's Verhalten ein bewusstes Überschreiten von Grenzen, das Hass normalisiere.

Weitere Absagen in Europa

Die Absage in Polen reiht sich ein in eine Serie von abgesagten oder verhinderten Auftritten des Rappers in Europa:

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  • Vor etwa zwei Wochen verweigerte die britische Regierung Ye die Einreise für ein geplantes Festival
  • In Frankreich sagte der Rapper ein Konzert nach einem drohenden Verbot selbst ab
  • Auschwitz-Überlebende hatten Polen nach der britischen Entscheidung aufgefordert, es dem Land gleichzutun

Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, äußerte die Hoffnung, dass Veranstalter Einladungen für Ye zurückziehen und Regierungen mögliche Einreisen verhindern würden. Dies gelte auch für das noch geplante Konzert in Italien am 18. Juli 2026.

Umstrittener Künstler mit antisemitischer Vergangenheit

Ye zählt zu den einflussreichsten und gleichzeitig umstrittensten Künstlern der Musikindustrie. Immer wieder fiel er mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf:

  1. 2025 veröffentlichte er ein Lied mit dem Titel "Heil Hitler"
  2. Er verkaufte T-Shirts mit Hakenkreuz-Symbolik
  3. Anfang 2026 bat er in einer ganzseitigen Anzeige im "Wall Street Journal" um Entschuldigung

In der Anzeige schrieb Ye: "Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit" und führte seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück. Trotz dieser Entschuldigung bleibt der Künstler in vielen europäischen Ländern unwillkommen.

Geplante Auftritte in den Niederlanden und Spanien sollen derzeit noch stattfinden, doch der Druck auf Veranstalter und Regierungen wächst weiter. Die aktuelle Absage in Polen zeigt, dass viele europäische Länder nicht bereit sind, kontroverse Künstler mit antisemitischer Vergangenheit zu tolerieren, insbesondere in Regionen mit historischer Sensibilität gegenüber dem Holocaust.

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