Rena Bilsbury: Ein Leben voller Musik und Humor
Die Sängerin Rena Bilsbury, 76 Jahre alt, steht noch immer gelegentlich auf der Bühne und verbreitet dabei stets gute Laune. Im exklusiven Interview mit der AZ erzählt sie von ihrer bewegten Vergangenheit, ihren Münchner Freundschaften und ihrer verstorbenen großen Liebe Jimmy. Ihr Geheimnis für ein junges Gemüt: Humor und eine positive Einstellung zum Leben.
Alltag und Energie im besten Alter
AZ: Frau Bilsbury, was machen Sie derzeit?
RENA BILSBURY: Ich gönne mir lange Schlafphasen und genieße bei schönem Wetter Ausflüge mit meinem alten Cabrio. Im Garten meines Hauses in der Nähe von Starnberg arbeite ich viel, besonders jetzt im Frühling, was mir große Freude bereitet. Zwar fühle ich mich jung, aber mit jedem Lebensjahr nimmt die Energie natürlicherweise ab. Darauf muss man sich einstellen. Wegen meiner beiden neuen Hüften laufe ich täglich, um fit zu bleiben. Früher stand Disziplin an erster Stelle – heute lasse ich Dinge auch mal schleifen und mache privat nur, worauf ich Lust habe.
Karriere-Highlights und musikalische Erfolge
Erzählen Sie doch gleich ein bisschen von Ihren größten Erfolgen.
Seit Anfang der 1970er Jahre habe ich in diversen Bands gesungen, darunter bei den Les Humphries Singers, bekannt für Evergreens wie Mexiko, Mama Loo oder Kansas City. Das war ein wilder, bunt gemischter Haufen mit Jürgen Drews oder Emily Woods. Bei der Münchner Formation Family Tree sang ich, nachdem mich Szenewirt Jörg Schwägerl in der Edeldisco Tegü entdeckte, als ich The Locomotion trällerte. Zudem hatte ich Studiojobs als Backgroundsängerin mit Donna Summer und trat bei unzähligen Live- und TV-Shows in Europa auf.
Das absolute Highlight war jedoch, mit 67 Jahren im Chor von Albert Hammond zu singen, einem Weltstar mit über 360 Millionen verkauften Tonträgern und Hits wie One Moment in Time für Whitney Houston. Drei Jahre lang tourten wir durch größere Hallen von Berlin bis London – darauf bin ich sehr stolz.
Persönlichkeit und Freundschaften
Wie beschreiben Sie sich selbst?
Ich bin ein Freigeist und eine Frohnatur, lasse mir nichts vorschreiben. Humor hält mich jung, in Berlin lachen wir ohne Ende. Kreativ bin ich auch: Vor Kurzem habe ich wieder mit Malen angefangen. Allerdings gehe ich nicht gerne alleine aus, daher bin ich froh um meine Münchner Freunde, mit denen ich zum Essen oder ins Theater gehe. Wunderbare Freundschaften pflege ich seit Jahrzehnten, etwa zu den Schauspielerinnen Marianne Sägebrecht und Mona Freiberg sowie zur Kabarettistin Lisa Fitz. Reisen liebe ich über alles.
Die große Liebe und Familienleben
Mal zum Thema Rena Bilsbury und die Männer.
Mein 2003 verstorbener Mann Jimmy Bilsbury war meine große Liebe. Er war Leadsänger und Komponist bei den Les Humphries Singers, ein grundgütiger Mensch, der leider oft ausgenutzt wurde. Nach unserer Hochzeit 1976 lebten wir 14 Jahre in Großbritannien, wo unser Sohn Kristian geboren wurde. Er ist mein Ein und Alles, wohnt mit seiner Familie im Allgäu. Meine Enkel, vier und knapp eineinhalb Jahre alt, halten mich jung und auf Trab – wir spielen viel in der Natur. Sie nennen mich Oma Nate. Eigentlich heiße ich Renate Stumpf, was mir früher den Spitznamen Schlumpfy einbrachte. Pseudonyme wie Patty Anderson probierte ich aus, aber seit 25 Jahren hat sich Rena durchgesetzt. Abschließend: Ich habe mich gefunden und genieße mein Leben als Single im besten Alter.



