Hamburg Ballett: Interimsleitung bleibt bis 2027 nach Demis-Volpi-Eklat
Nach dem turbulenten Abgang des umstrittenen Ballettintendanten Demis Volpi im Sommer 2025 hat der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper eine wegweisende Entscheidung getroffen. Das bisherige dreiköpfige Interimsleitungsteam wird die Geschicke des renommierten Hamburger Balletts nun bis Mitte 2027 lenken. Diese Verlängerung der Übergangslösung soll der Compagnie Stabilität und künstlerische Kontinuität in einer Phase des Umbruchs bieten.
Dreiköpfiges Team übernimmt langfristige Führungsrolle
Das Leitungstrio besteht aus Nicolas Hartmann, Lloyd Riggins und Gigi Hyatt. Sie hatten bereits nach Volpis überraschendem Aus mit Beginn der Spielzeit 2025/26 die interimistische Leitung übernommen. Hartmann bleibt als geschäftsführender Ballettbetriebsdirektor dritter Geschäftsführer der Hamburgischen Staatsoper und leitet die Compagnie gemeinsam mit dem künstlerischen Ballettdirektor Riggins. Hyatt führt weiterhin als interimistische Direktorin gemeinsam mit Hartmann die angesehene Ballettschule des Hamburg Balletts.
Kultursenator Carsten Brosda von der SPD lobte ausdrücklich die Arbeit des Teams in den vergangenen Monaten. "Das Leitungsteam hat mit sensibler Hand und großer Lust einen positiven Weg eingeschlagen, bei dem künstlerische Kraft und Kreativität wieder im Vordergrund stehen", betonte Brosda. "Mit der Verlängerung der Interimsleitung um zunächst eine weitere Spielzeit erhält das Hamburg Ballett ein stabiles Fundament, das eine gute Basis für die Weiterentwicklung der Compagnie und Findung einer zukünftigen Leitung bietet."
Hintergrund: Der turbulente Wechsel an der Ballettspitze
Die aktuelle Situation hat ihre Wurzeln in einem bemerkenswerten Führungswechsel. Nach 51 Jahren an der Spitze hatte der legendäre John Neumeier die Leitung des Hamburg Balletts im Sommer 2024 an Demis Volpi übergeben. Doch bereits ein Jahr später wurde der Vertrag mit dem neuen Intendanten aufgelöst und Volpi freigestellt. Dieser Schritt erfolgte nach heftiger Kritik aus den eigenen Reihen:
- Die Tänzerinnen und Tänzer bemängelten eine schlechte Kommunikation
- Es wurde fehlende Transparenz in Entscheidungsprozessen kritisiert
- Volpi soll sich gegenüber Mitgliedern der Compagnie oft abschätzig verhalten haben
Parallel zur Arbeit des Interimsleitungsteams läuft weiterhin die Suche nach einer neuen, dauerhaften Ballettintendanz. Die Verlängerung der Übergangslösung bis 2027 gibt dem Aufsichtsrat nun deutlich mehr Zeit für eine sorgfältige und wohlüberlegte Nachfolgeregelung, ohne unter zeitlichem Druck zu stehen.
Für die Tänzerinnen und Tänzer des Hamburger Balletts bedeutet diese Entscheidung zunächst Kontinuität. Sie müssen sich nicht erneut an einen neuen künstlerischen Leiter gewöhnen, sondern können sich unter der bewährten Führung des Dreiergespanns weiterentwickeln. Die kommenden zwei Spielzeiten werden zeigen, ob dieser Ansatz dem traditionsreichen Ensemble tatsächlich die gewünschte Stabilität und künstlerische Erneuerung bringen kann.



