Das Berliner Ensemble startet in die neue Spielzeit und plant insgesamt 16 Premieren. Intendant Oliver Reese geht damit in seine zehnte Saison an dem renommierten Theater. Das Programm umfasst eine breite Mischung aus Klassikern und zeitgenössischen Stoffen, darunter Inszenierungen von Frank Castorf, Ulrich Rasche und Fritzi Wartenberg.
Premieren und Inszenierungen
Eröffnet wird die Saison mit Peter Handkes Stück „Schnee von gestern, Schnee von morgen“. Frank Castorf soll den Roman „Mephisto“ von Klaus Mann auf die Bühne bringen. Ulrich Rasche nimmt sich Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ vor. Regisseurin Fritzi Wartenberg beschäftigt sich in „Leider kein Foto für dich“ mit dem Phänomen der Model-Castingshow, wie das Theater ankündigte.
Weitere Höhepunkte sind unter anderem „Katharina Thalbach liest: Kästners Berlin“ sowie „De Profundis“, bei dem Jens Harzer auf nur 1,30 mal 1,30 Metern spielt. Diese kleineren Formate ermöglichen es dem Haus, flexibel zu reagieren und auch unkonventionelle Aufführungsorte zu bespielen.
Mehr Vorstellungen trotz Spardruck
Das Berliner Ensemble hat auf den anhaltenden Spardruck reagiert, indem es die Anzahl der Aufführungen deutlich erhöht hat. Im vergangenen Jahr spielte das Theater 75 Vorstellungen mehr als im Vorjahr, wie Intendant Oliver Reese mitteilte. Die Besucherzahlen stiegen auf knapp 230.000 – etwa 40.000 mehr als im Jahr davor.
„Wir haben angefangen, auch die Sonntagnachmittage zu bespielen, beispielsweise mit der Gesprächsreihe mit Robert Habeck“, sagte Reese. Zudem wurden Endproben in öffentliche Proben und Voraufführungen umgewandelt, und das Theater entwickelte zusätzlich kleinformatige Produktionen. „So ist es uns gelungen, die Zahl der Schließtage insgesamt zu reduzieren, mehr Vorstellungen zu spielen und entsprechend höhere Einnahmen zu erzielen.“
Kultur als Standortfaktor
Angesichts der anstehenden Wahlen in Berlin warnt Reese davor, die Bedeutung der Kultur zu unterschätzen. „Berlin ist gerade durch seine enorm vielfältige Kulturlandschaft ein Anziehungspunkt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „In der Stadt gibt es auch viel Roughness und Hässlichkeit, es gibt zahlreiche Probleme. Aber die Kultur blüht.“
Touristen und Besucher kämen deswegen in die Stadt, betonte Reese. Er äußerte die Sorge, dass mit einer neuen Regierung neue Sparpläne aufkommen könnten. Berlin wählt im September das nächste Abgeordnetenhaus. Das Berliner Ensemble hofft, mit seinem erweiterten Spielplan und den zusätzlichen Einnahmen auch künftig künstlerische Exzellenz bieten zu können.



