Lars Eidinger als moderner Geizhals in Berliner Theaterhighlight
An der renommierten Berliner Schaubühne begeistert aktuell eine besondere Theaterproduktion das Publikum: Lars Eidinger verkörpert in Thomas Ostermeiers Neuinszenierung von Molières Klassiker „Der Geizige“ einen cholerischen Geizhals, der sein Dasein in einem zeitgenössischen Autohaus fristet. Die ungewöhnliche Interpretation des französischen Theaterstücks aus dem Jahr 1668 hat bereits vor der Premiere für großes Aufsehen gesorgt.
Pommes, Pappschachteln und Paranoia
In der mitreißenden Inszenierung zeigt der 50-jährige Schauspielstar eine facettenreiche Performance: Eidinger singt den Blues eines verzweifelten Mannes, stopft sich Pommes Frites in den Mund und vergräbt sein mühsam erspartes Geld in einer simplen Pappschachtel. Mit Schnurrbart, schlecht sitzender Krawatte und betonter Plauze ausgestattet, verkörpert er einen von finanziellen Ängsten getriebenen Charakter, dessen Paranoia stetig wächst.
„Wir haben uns den Arsch für euch aufgerissen“, ruft Eidingers Figur in einer besonders intensiven Szene seinem Sohn entgegen, der nur trocken antwortet: „Ich hoffe, es ist gut verheilt.“ Diese Dialoge verdeutlichen die generationenübergreifenden Konflikte, die das Stück thematisiert.
Wiedersehen nach zehn Jahren: Eidinger und Ostermeier
Besonders bemerkenswert ist diese Produktion, weil sie das lang erwartete Wiedersehen zweier Theatergrößen markiert: Erstmals seit einem ganzen Jahrzehnt arbeiten Lars Eidinger und Regisseur Thomas Ostermeier wieder gemeinsam an einer Inszenierung. Ihre früheren Zusammenarbeiten an Stücken wie „Hamlet“ und „Richard III.“ waren über Jahre hinweg ausverkauft und entwickelten sich zu echten Kultproduktionen.
Der rund zweistündige Theaterabend überzeugt durch eine gelungene Mischung aus Slapstick-Elementen, politischen Anspielungen und berührenden Momenten. In kurzen Szenen werden aktuelle gesellschaftliche Themen aufgegriffen – vom Attentat auf Donald Trump während seiner Präsidentschaftskandidatur bis hin zu Datingtipps aus dem rechten politischen Spektrum.
Ausverkauft noch vor der Premiere
Die Begeisterung für diese Neuinterpretation ist bereits jetzt überwältigend: Sämtliche Vorstellungen für die Monate April und Mai waren schon vor der offiziellen Premiere restlos ausverkauft. Am Eröffnungsabend versammelten sich zahlreiche Theaterbegeisterte mit selbstgemachten Schildern vor dem Gebäude in der Hoffnung, doch noch eine der begehrten Eintrittskarten zu ergattern.
Diese außergewöhnliche Nachfrage wirft die Frage auf, ob auch diese Inszenierung das Schicksal ihrer Vorgänger teilen wird und über Jahre hinweg regelmäßig ausverkaufte Häuser garantieren kann. Interessierte, die die Vorstellung verpasst haben, müssen sich voraussichtlich bis zur nächsten Spielzeit gedulden oder mit etwas Glück an der Abendkasse fündig werden.
Zwischenstopp vor Hollywood
Für Lars Eidinger markiert diese Theaterrolle einen besonderen Karrieremoment, denn bereits in Kürze wird der gefeierte Schauspieler nach Hollywood aufbrechen. Dort übernimmt er die Rolle des Bösewichts im kommenden „Superman“-Film mit dem Titel „Man of Tomorrow“. Doch bevor er sich dieser neuen Herausforderung stellt, genießt er die wohlverdienten Standing Ovations für seine Darstellung des geizigen Autohausbesitzers an der Berliner Schaubühne.
Die Inszenierung setzt sich intensiv mit zeitlosen Themen auseinander:
- Traditionelle Männlichkeitsbilder und ihre modernen Ausprägungen
- Die Bedeutung von Geld und Besitz in unserer Gesellschaft
- Generationenkonflikte zwischen Vätern und ihren Kindern
- Spießigkeit und soziale Konventionen
Mit dieser Produktion beweisen Eidinger und Ostermeier erneut, dass klassische Theaterstoffe durch innovative Interpretationen nichts von ihrer Aktualität verloren haben und zeitgenössisches Publikum begeistern können.



