Theater aus dem ewigen Eis: Uraufführung von 'Polaris' nach Antarktis-Expedition
Theater-Uraufführung 'Polaris' nach Antarktis-Expedition

Theater aus dem ewigen Eis: Uraufführung von 'Polaris' nach Antarktis-Expedition

Ein außergewöhnliches Theaterprojekt hat seine Wurzeln in den eiskalten Weiten der Antarktis. Regisseur Jan-Christoph Gockel begab sich mit einem kleinen Team für knapp vier Wochen auf die Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts, um inmitten von Schneestürmen und Temperaturen bis minus 20 Grad nach Antworten auf existenzielle Fragen zu suchen.

Professionelle Theaterpremiere auf dem südlichsten Kontinent

Gemeinsam mit Schauspielerin Julia Gräfner, Schauspieler Wolfram Koch und Dokumentarfilmer Lion Bischof realisierte Gockel vermutlich die erste professionelle Theateraufführung auf dem antarktischen Kontinent. In der Tiefgarage der Forschungsstation, zwischen Pistenbullys und umfunktionierten Hygiene-Eimern als Sitzgelegenheiten, entstand ein einzigartiges Bühnenereignis für die Besatzung der Station.

"Ich glaube, das war die erste professionelle Theateraufführung auf dem antarktischen Kontinent", bestätigte Gockel nach seiner Rückkehr. Das improvisierte Spiel in der lebensfeindlichen Umgebung bildete den Ausgangspunkt für das nun entstehende Stück "Polaris".

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Von der Antarktis auf die Bühnen Deutschlands

Aus den intensiven Erfahrungen der Expedition und 40 Stunden Filmmaterial entwickelt Gockel nun die Inszenierung "Polaris", die am 16. Mai bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen ihre offizielle Uraufführung feiert. Am 5. Juni folgt die Premiere am Deutschen Theater in Berlin. Der Titel erinnert bewusst an den philosophischen Kino-Klassiker "Solaris" nach Stanislaw Lem und verweist auf die universelle Suche nach menschlicher Wärme in kalten Welten.

Das Stück thematisiert fundamentale Fragen: Was wärmt den Menschen in frostigen Zeiten? Welche Geschichten dienen als poetischer Schutzanzug gegen politische und klimatologische Kälte? Inspiriert wurde Gockel unter anderem von einem realen Vorfall auf einer russischen Polarstation, bei dem ein Forscher 2018 seinen Kollegen niederstach, weil dieser ihm das Ende mehrerer Bücher verraten hatte.

Skurrile Realität und utopische Visionen

Die Inszenierung integriert authentische Videoaufnahmen aus der Antarktis, die zwischen skurriler Poesie und wissenschaftlicher Realität oszillieren:

  • Tanzproben auf dem Dach der Polarstation bei eisigen Winden
  • Ein Geophysiker im Baumkostüm, der den ersten "Baum der Antarktis" darstellte
  • Alltägliche Szenen aus dem Leben der Forschungsstation

"Dieser Ort ist für mich ein utopischer Kontinent, weil dort Nationen wirklich zusammenarbeiten müssen", erklärt Gockel seine Faszination für die Antarktis. Im Gegensatz zur umkämpften Arktis sei der Süden durch den Antarktisvertrag als Niemandsland allein der Forschung und friedlichen Kooperation vorbehalten. "Sobald man einen Fuß vor die Station setzt, ist man im Niemandsland", beschreibt der Regisseur die einzigartige rechtliche und geografische Situation.

Die Kunst sieht Gockel als Medium, um neue Perspektiven auf wissenschaftliche Forschung und unseren Planeten zu eröffnen. In einer Zeit zunehmender politischer Polarisierung biete die Antarktis mit ihrem internationalen Kooperationsmodell inspirierende Alternativen.

Die Koproduktion zwischen den Ruhrfestspielen und dem Deutschen Theater Berlin verbindet somit extreme geografische Erfahrungen mit zeitgenössischer Theaterkunst und schafft einen Dialog zwischen wissenschaftlicher Expedition und künstlerischer Reflexion.

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