Bulgarien vor Richtungswahl: Putin-freundlicher Ex-Präsident Rumen Radew als Top-Favorit
Bulgarien-Wahl: Putin-freundlicher Radew als Favorit

Bulgarien vor entscheidender Parlamentswahl: Putin-freundlicher Ex-Präsident als klarer Favorit

In Bulgarien steht heute eine Richtungswahl an, die die außenpolitische Ausrichtung des Landes für die kommenden Jahre bestimmen könnte. Rund 6,5 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, über die Zusammensetzung des Parlaments zu entscheiden. Als haushoher Favorit gilt der ehemalige Präsident Rumen Radew, der sich während seiner Amtszeit von 2017 bis Januar 2026 als Putin-Versteher positionierte.

Ex-Kampfpilot Radew: Vom Staatspräsidenten zum Regierungschef-Anwärter

Rumen Radew, ein 62-jähriger ehemaliger Kampfpilot und Brigadegeneral, trat im Januar 2026 von seinem Amt als Staatspräsident zurück, um für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren zu können. Er führt das Mitte-links-Parteienbündnis „Progressives Bulgarien“ an und hat im Wahlkampf bewusst seine Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin demonstriert.

Bei Wahlkampfveranstaltungen zeigte Radew Fotos von sich mit Putin und verspricht im Falle eines Wahlsieges einen neuen Dialog mit Moskau. Gleichzeitig betont er, dass er kein EU-Schreck werden will, der alle Beschlüsse blockiert, sondern vielmehr Bulgarien zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Brüssel und Moskau formen möchte.

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Politische Turbulenzen führen zu vorgezogener Wahl

Die heutige Parlamentswahl in Sofia ist bereits die achte innerhalb von fünf Jahren und wurde durch politische Instabilität erzwungen. Die prowestliche Koalitionsregierung war im Dezember 2025 nach Massenprotesten und Korruptionsvorwürfen zurückgetreten. Seither regiert eine Interimsregierung das Land.

Bulgarien hat trotz höherer Wachstumsraten als Deutschland noch immer mit wirtschaftlichen Turbulenzen zu kämpfen und gilt als das ärmste EU-Land. Viele Bulgaren fühlen sich Moskau kulturell näher als Brüssel, was sich in der gemeinsamen kyrillischen Schrift und dem orthodoxen Christentum begründet.

Außenpolitische Positionen: Keine Waffen für die Ukraine

Radew hat im Wahlkampf klare außenpolitische Positionen bezogen: Für Waffenlieferungen an die Ukraine will er keinen einzigen Cent aus dem bulgarischen Staatshaushalt bezahlen. Gleichzeitig verspricht er, ähnlich wie der ungarische Orbán-Bezwinger Péter Magyar, mit der Korruption im Land aufzuräumen.

Russische Medien sehen in Radew bereits einen potenziellen Ersatz für den abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der als Statthalter des Kreml in der EU galt. Ein Wahlsieg Radews könnte bedeuten, dass weiterhin russisches Öl und Gas nach Bulgarien fließen würde.

Konkurrenz und Wahlumfeld

Größter Konkurrent von Radew ist das konservative Mitte-Rechts-Bündnis GERB-SDS des ehemaligen Regierungschefs Bojko Borissow. Dieser schreibt sich die erfolgreiche Euro-Einführung Anfang 2026 auf die Fahnen, liegt in Umfragen jedoch etwa 15 Prozentpunkte hinter Radew.

Die Wahllokale sind bis 19 Uhr deutscher Zeit geöffnet, erste Prognosen werden unmittelbar danach erwartet. Die Wahl wird von schweren Stimmenkauf-Vorwürfen überschattet – in den vergangenen Wochen gab es bereits Polizei-Razzien und Festnahmen.

Die heutige Entscheidung könnte nicht nur die Innenpolitik Bulgariens, sondern auch die Balance innerhalb der Europäischen Union im Umgang mit Russland nachhaltig verändern.

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