Chinas geopolitischer Vorteil unter Trump: Chancen und Grenzen der Pekinger Strategie
Chinas Vorteil unter Trump: Chancen und Grenzen

Chinas geopolitischer Vorteil unter Trump: Chancen und Grenzen der Pekinger Strategie

Seit Donald Trump erneut im Weißen Haus regiert, befindet sich die chinesische Führung in einer ambivalenten Lage. Der konfrontative Kurs der US-Regierung gegen zahlreiche Staaten eröffnet Peking neue Möglichkeiten, sich international als stabiles Gegenmodell zu präsentieren. Doch gleichzeitig zeigen aktuelle Konflikte die Grenzen chinesischer Einflussnahme deutlich auf.

Diplomatische Offensive als Antwort auf US-Politik

Seit Monaten verfolgt die chinesische Diplomatie eine klare Strategie: Während die USA mit Zöllen, Sanktionen und militärischem Druck auftreten, inszeniert sich Peking als berechenbare Großmacht, die Stabilität verspricht und auf Kooperation setzt. Diese Positionierung findet besonders im Wettbewerb um Einfluss im Globalen Süden Resonanz, wo viele Länder der amerikanischen Außenpolitik ohnehin skeptisch gegenüberstehen.

Helena Legarda vom China-Forschungsinstitut Merics in Berlin bezeichnet die Rhetorik der Trump-Regierung als „Propaganda-Gold“ für China. Während des aktuell tagenden Volkskongresses in Peking warb Außenminister Wang Yi intensiv um Partner im Globalen Süden und Europa. Er betonte, dass gegenseitige Abhängigkeit kein Risiko darstelle und offene Zusammenarbeit die wirtschaftliche Sicherheit nicht untergrabe.

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Westliche Annäherung an Peking

Das geopolitische Umfeld scheint China derzeit teilweise günstiger als noch vor wenigen Jahren. Mehrere westliche Regierungschefs suchten in schneller Abfolge den Dialog mit Peking:

  • Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
  • Kanadas Premierminister Mark Carney
  • Britischer Regierungschef Keir Starmer
  • Bundeskanzler Friedrich Merz

Diese Treffen vermitteln das Bild, dass China gerade wegen wachsender Spannungen mit den USA für Europa wieder ein zentraler Gesprächspartner wird. Gunnar Wiegand von der Denkfabrik German Marshall Fund sieht China in einer relativ starken Position: „Die globale Position Chinas hat sich weiter gestärkt“.

Rückschläge in strategischen Partnerländern

Der Blick auf die jüngsten globalen Krisenherde in Venezuela und im Iran zeigt jedoch deutlich, dass von einer uneingeschränkten geopolitischen Verschiebung zugunsten Chinas keine Rede sein kann. Beide Staaten gelten als wichtige Partner Pekings und stehen nun unter starkem Druck aus Washington.

Die US-Schläge beschädigten „Chinas breitere Interessen“, wie die in Hongkong arbeitende Ökonomin Alicia García-Herrero erklärt. Besonders bedeutsam sind die wirtschaftlichen Interessen: China bezieht große Mengen Öl aus dem Iran und dem Nahen Osten. Gleichzeitig macht der US-Angriff sichtbar, wie begrenzt Pekings Möglichkeiten sind, seine Partner zu schützen.

Das Dilemma der Sicherheitsgarantien

Außenminister Wang Yi kritisierte die US-Angriffe zwar scharf und forderte ein Ende des Krieges, doch konkrete Unterstützungsmaßnahmen für den Wirtschaftspartner Iran kündigte er nicht an. Für viele Staaten im Globalen Süden entsteht daraus ein fundamentales Dilemma: China wird zunehmend als wirtschaftlicher Partner gesucht und gewinnt diplomatisch an Einfluss, doch im Bereich der Sicherheit bleiben die USA weiterhin die dominante Macht.

Regierungen weltweit fragen sich nun, ob China ihnen wirklich helfen würde, wenn es darauf ankommt. Diese Unsicherheit untergräbt teilweise die diplomatischen Erfolge Pekings.

Innere Schwächen und äußerer Druck

Auch innerhalb Chinas selbst gibt es Zweifel an der Stabilität der geopolitischen Position. Der Pekinger Politikwissenschaftler Shi Yinhong von der Pekinger Volksuniversität sieht die Entwicklung skeptisch: „Pekings geopolitische Situation hat sich mit Trump im Weißen Haus offensichtlich verschlechtert“.

Die wirtschaftlichen Probleme im eigenen Land tragen zu dieser Einschätzung bei:

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  1. US-Zölle belasten chinesische Exportunternehmen
  2. Viele Firmen müssen neue Märkte erschließen
  3. Chinesische Tech-Unternehmen leiden unter eingeschränktem Zugang zu US-Chips

Damit ergibt sich ein widersprüchliches Gesamtbild: In militärischen Fragen bleiben die USA deutlich überlegen, enge Partner Pekings lernen, dass sie in Konflikten nicht unbedingt auf Unterstützung zählen können, während andere Staaten sich wegen Trumps Politik Peking annähern. Die chinesische Führung navigiert somit in turbulenten geopolitischen Gewässern, in denen kurzfristige Vorteile langfristige strategische Herausforderungen nicht überdecken können.