Bill Clinton weist Epstein-Vorwürfe vor US-Kongress entschieden zurück
Clinton weist Epstein-Vorwürfe vor US-Kongress zurück

Bill Clinton bestreitet vor US-Kongress jede Kenntnis von Epsteins Verbrechen

Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat in einer nicht-öffentlichen Anhörung vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses jegliche Kenntnis der Straftaten des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein entschieden zurückgewiesen. Der 79-Jährige erklärte zu Beginn seiner Befragung, er habe während seiner begrenzten Kontakte zu Epstein „keinerlei Anzeichen“ für dessen kriminelle Aktivitäten wahrgenommen.

Historisch seltene Befragung eines Ex-Präsidenten

Die Anhörung findet in Chappaqua im US-Bundesstaat New York statt, wo die Clintons ihren Wohnsitz haben. Es handelt sich um einen äußerst seltenen Vorgang, da erstmals seit Jahrzehnten ein ehemaliger US-Präsident vor einem Kongressausschuss aussagt. Der republikanische Ausschussvorsitzende James Comer hatte vor Beginn angekündigt, Clinton zu folgenden Punkten befragen zu wollen:

  • Fotos mit Jeffrey Epstein
  • E-Mail-Korrespondenzen
  • Reisebewegungen im Zusammenhang mit Epstein

Bekannt ist unter anderem, dass Epstein während Clintons Präsidentschaft 17 Mal im Weißen Haus zu Gast war und der Ex-Präsident mindestens 27 Mal mit Epsteins Privatflugzeug reiste.

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Clintons ausführliche Stellungnahme

In einer vorab in sozialen Medien verbreiteten Erklärung betonte Clinton, seine Bekanntschaft mit Epstein sei nur kurz gewesen und habe geendet, Jahre bevor dessen Verbrechen öffentlich bekannt wurden. „Sie werden mich oft sagen hören, dass ich mich nicht erinnere“, erklärte der Demokrat. Dies möge unbefriedigend wirken, doch er werde unter Eid nichts aussagen, dessen er sich nicht absolut sicher sei.

Der Ex-Präsident lehnte Spekulationen entschieden ab und erklärte, er werde „nicht 24 Jahre später Detektiv spielen“. Hätte ihm auch nur der geringste Verdacht gekommen, hätte er Epstein nach eigenen Angaben sofort gemeldet. Gleichzeitig verteidigte er seine Frau Hillary Clinton, die am Vortag ebenfalls befragt worden war: Sie habe „nichts mit Jeffrey Epstein zu tun“ gehabt, sei nie mit ihm gereist und habe keine seiner Immobilien besucht.

Politische Spannungen im Untersuchungsausschuss

Die Anhörung verläuft vor dem Hintergrund erheblicher politischer Spannungen. Republikanische Ausschussmitglieder warfen Hillary Clinton nach ihrer Befragung am Vortag vor, bei Fragen zu bestimmten Fotos „geschrien“ zu haben. Eine Abgeordnete bezeichnete ihr Auftreten als „unhinged“ (etwa: außer Kontrolle) und äußerte die Hoffnung, Bill Clinton werde bei seiner Befragung weniger emotional reagieren.

Demokraten werfen dem Ausschussvorsitzenden Comer hingegen ein politisch motiviertes Vorgehen vor und fordern, stärker mögliche Verbindungen anderer Personen – darunter Handelsminister Howard Lutnick oder Ex-Präsident Donald Trump – in den Fokus zu rücken. Comer betonte jedoch, derzeit werde den Clintons kein Fehlverhalten vorgeworfen. Ziel der Untersuchung sei es vielmehr, zu klären:

  1. Wie Epstein zu seinem Einfluss und Reichtum gelangte
  2. Welche Netzwerke ihn möglicherweise schützten

Bekannte Verbindungen zwischen Clinton und Epstein

Bill Clintons Name wird in den USA schon seit längerer Zeit mit Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht. Laut verschiedenen Recherchen existieren bereits Fotos von Clinton und Epstein aus den frühen 1990er-Jahren. Öffentliche Aufzeichnungen zeigen beispielsweise, dass Epstein im Jahr 1992 für Clintons damaligen Präsidentschaftswahlkampf spendete – zu einer Zeit, als von Epsteins Verbrechen noch nichts öffentlich bekannt war.

Der Kontakt zwischen Clinton und dem Finanzier, der beste Verbindungen zur High Society unterhielt, hielt zumindest bis in die früheren 2000er-Jahre an. In den bisher veröffentlichten Epstein-Akten taucht Clinton mehrmals auf: Auf einem Bild ist der Demokrat beim Schwimmen in einem Pool mit Epsteins Gehilfin Ghislaine Maxwell zu sehen, auf anderen Fotos erscheint er ohne direkten Bezug zu den beiden.

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Fortlaufende Untersuchungen

Nach Angaben der Republikaner hatte Hillary Clinton bei ihrer rund sechsstündigen Befragung am Vortag bei mindestens einem Dutzend Fragen auf ihren Mann verwiesen. Dabei ging es um Fotos und Korrespondenzen, die einen engen Kontakt zwischen Bill Clinton und Epstein nahelegen sollen. Auch Fragen zu Epsteins angeblicher Rolle im Umfeld der Clinton Foundation und der „Clinton Global Initiative“ blieben nach republikanischer Darstellung offen.

Die Republikaner kündigten an, die Videoaufzeichnungen der Anhörungen „so schnell wie möglich“ vollständig zu veröffentlichen. Comer betonte, Hillary Clinton sei auch ausführlich zu möglichen Kontakten von Handelsminister Howard Lutnick zu Epstein befragt worden, und ihre Antworten darauf werde die Öffentlichkeit „interessant“ finden.