Deutschland und Ukraine schließen strategische Partnerschaft bei Regierungskonsultationen
Bei ihren ersten Regierungskonsultationen seit mehr als zwei Jahrzehnten haben Deutschland und die Ukraine eine neue Ebene ihrer Zusammenarbeit erreicht. Bundeskanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vereinbarten gemeinsam mit mehreren Ministern beider Seiten den Ausbau der bilateralen Beziehungen zu einer strategischen Partnerschaft. Diese soll weit über die bisherige militärische und finanzielle Unterstützung hinausreichen und langfristige Vorteile für beide Nationen bringen.
Neue Dimension der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit
Der Besuch Selenskyjs in Berlin markiert eine bedeutende Entwicklung in den bilateralen Beziehungen. Erstmals brachte der ukrainische Präsident eine große Ministerdelegation zu gemeinsamen Regierungskonsultationen mit, wie sie Deutschland normalerweise mit besonders engen Partnern wie Frankreich, Polen oder Italien führt. Nachdem solche Treffen zwischen 1998 und 2004 stattfanden und dann eingestellt wurden, symbolisiert die Wiederbelebung dieser Konsultationsform eine neue Qualität der Partnerschaft.
Der schrittweise Rückzug der USA aus der Ukraine-Hilfe hat Deutschland inzwischen zum wichtigsten Unterstützer des von Russland angegriffenen Landes gemacht. In einer 15-seitigen gemeinsamen Erklärung betonten beide Seiten: „Unsere Freundschaft und die Verbindungen zwischen unseren Gesellschaften sind tiefer als je zuvor.“
Konkrete Vereinbarungen zur Verteidigungskooperation
Die strategische Partnerschaft wird durch mehrere konkrete Abkommen untermauert. Deutschland sagte der Ukraine zu, die Lieferung von mehreren Hundert Patriot-Raketen durch das US-Unternehmen Raytheon zu finanzieren. Zusätzlich wurden mit dem deutschen Unternehmen Diehl Defence weitere Startgeräte für Iris-T-Luftabwehrsysteme vereinbart.
Ein besonders bedeutendes Projekt ist die gemeinsame Produktion von Drohnen mittlerer und langer Reichweite. Beide Länder planen die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Ziel, Tausende von unbemannten Flugkörpern zu liefern. Diese Rüstungskooperation soll die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine nachhaltig stärken.
EU-Beitrittsperspektive und finanzielle Unterstützung
Bundeskanzler Merz sicherte der Ukraine erneut die Unterstützung Deutschlands auf dem Weg in die Europäische Union zu, ohne jedoch ein konkretes Zieldatum zu nennen. „Der Beitritt der Ukraine wäre ein strategisch wichtiger Schritt für mehr Sicherheit und für mehr Wohlstand in Europa“, betonte Merz. Gleichzeitig ermutigte er die ukrainische Regierung, die notwendigen Reformen im Land noch stärker voranzutreiben.
Nach dem Wahlsieg des ungarischen Oppositionsführers Peter Magyar hoffen Merz und die anderen EU-Partner nun auf eine schnelle Freigabe des bisher von Ungarn blockierten 90-Milliarden-Euro-Kredits der EU für die Ukraine. „Die Mittel für die militärische Unterstützung müssen jetzt rasch ausgezahlt werden“, forderte der Kanzler.
Frage der Rückkehr wehrfähiger Ukrainer
Ein sensibles Thema der Konsultationen war die Rückkehr von nach Deutschland geflüchteten Ukrainern im wehrfähigen Alter. Merz drängte auf schnelle spürbare Fortschritte bei der Reduzierung der Ausreisen junger Männer aus der Ukraine. „Auch dies im Interesse beider Seiten“, betonte der Bundeskanzler.
Präsident Selenskyj signalisierte die Bereitschaft, hier verstärkt tätig zu werden, und verwies auf die verfassungsmäßige Pflicht ukrainischer Bürger im wehrfähigen Alter, Verantwortung zu übernehmen. Nach ukrainischen Angaben haben seit August 2025 etwa 400.000 junge Männer zwischen 18 und 23 Jahren das Land verlassen.
Die strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und der Ukraine markiert einen bedeutenden Schritt in den bilateralen Beziehungen und unterstreicht die wachsende Verantwortung Deutschlands als wichtigster Unterstützer des von Russland angegriffenen Landes.



