Europa stemmt Milliardenlast für Ukraine – USA ziehen sich fast vollständig zurück
Während die Unterstützung der Vereinigten Staaten für die Ukraine im Jahr 2025 auf nahezu Null sank, haben europäische Staaten und Institutionen mit erheblichem finanziellen Aufwand die Hilfe für das von Russland angegriffene Land aufrechterhalten. Die Zahlen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) belegen jedoch eine zunehmend ungleiche Verteilung der Lasten innerhalb Europas.
Militärhilfen bleiben trotz US-Rückzug fast stabil
Die Analyse des Ukraine Support Trackers zeigt, dass die Ukraine im vergangenen Jahr militärische Unterstützung im Wert von etwas mehr als 30 Milliarden Euro erhielt. Im Vergleich zu den knapp 35 Milliarden Euro des Jahres 2024 bedeutet dies nur einen moderaten Rückgang – und das, obwohl die US-Hilfen unter der Regierung von Präsident Donald Trump um 99 Prozent eingebrochen sind. „Fast stabil auch ohne die USA“, resümiert die Studie diese Entwicklung.
Christian Trebesch, Leiter des Forschungsprojekts, weist jedoch auf wachsende Disparitäten hin: „Innerhalb der Europäer gibt es wachsende Ungleichheiten. Einige wenige Länder leisten immer mehr.“ Im Vergleich zum Durchschnitt der vorangegangenen drei Jahre liegt die Militärhilfe 2025 insgesamt 13 Prozent niedriger.
Deutschland und Großbritannien tragen Hauptlast
Den drastischen Rückgang der US-Unterstützung – die 2024 noch über 15 Milliarden Euro für militärische Hilfe sowie 20 Milliarden Euro für finanzielle und humanitäre Unterstützung umfasste – kompensierten vor allem europäische Akteure. Die militärische Hilfe aus EU-Ländern, EU-Institutionen sowie aus Island, Norwegen, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich stieg im vergangenen Jahr um bemerkenswerte 67 Prozent an.
Dieses Wachstum wurde maßgeblich von Deutschland und dem Vereinigten Königreich getragen, die ihre Beiträge deutlich erhöhten. Die finanziellen und humanitären Hilfen sanken hingegen um fünf Prozent gegenüber dem Dreijahresdurchschnitt auf etwas mehr als 35 Milliarden Euro.
Neue EU-Darlehen in Milliardenhöhe beschlossen
Parallel zu diesen Entwicklungen hat die Europäische Union langfristige Finanzierungsmechanismen auf den Weg gebracht. Das Europäische Parlament stimmte am Mittwoch einem Plan der EU-Staats- und Regierungschefs zu, der der Ukraine über zwei Jahre bis zu 90 Milliarden Euro zur Verfügung stellen soll. 60 Milliarden davon sind explizit für verteidigungsrelevante Ausgaben vorgesehen.
Christian Trebesch kommentiert diesen Schritt: „Der wachsende Finanzbedarf der Ukraine wird nun größtenteils durch Darlehen und Zuschüsse auf EU-Ebene finanziert. Das Ende 2025 vereinbarte neue Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro ist Teil eines allgemeinen Trends.“ Die EU plant, bis zu 90 Milliarden Euro Schulden aufzunehmen, um die Ukraine im Krieg gegen Russland zu unterstützen – ein Vorhaben, das nicht nur Chancen, sondern auch erhebliche finanzielle Risiken birgt.
Kriegsgeschehen bleibt angespannt
Während die finanziellen Debatten in Europa und den USA weitergehen, verschärft sich die militärische Lage vor Ort. Die russischen Streitkräfte setzen ihre Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur fort und konnten zuletzt Geländegewinne in der strategisch wichtigen Region Saporischschja verzeichnen. Gleichzeitig drängt die US-Regierung unter Präsident Trump auf Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland, was die geopolitischen Spannungen zusätzlich erhöht.
Die ungleiche Verteilung der Hilfslasten innerhalb Europas und die langfristigen finanziellen Verpflichtungen durch milliardenschwere Kreditprogramme werden die politischen Diskussionen auf dem Kontinent in den kommenden Monaten maßgeblich prägen. Die Solidarität mit der Ukraine bleibt ein kostspieliges Unterfangen, dessen Finanzierung zunehmend auf europäischen Schultern ruht.



