Expertin warnt Kanzler Merz: China hat einen brisanten Putin-Plan
China-Präsident Xi Jinping (72) mit Bundeskanzler Friedrich Merz (70) am Mittwoch in Peking. Der China-Besuch des Kanzlers steht auch im Vorzeichen von gleich zwei Kriegen: Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, den Peking tatkräftig unterstützt. Und ein möglicher chinesischer Überfall auf Taiwan. Eine Top-Expertin erklärt jetzt, welche Ziele Friedrich Merz in Bezug auf beide Konflikte verfolgt – und was er bei Diktator Xi Jinping erreichen könnte.
Taiwan als mögliches Ziel für 2027
Im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer warnt Janka Oertel, China-Expertin von der Denkfabrik European Council on Foreign Relations, dass Peking bereits 2027 Taiwan angreifen könne. Dieses Jahr „stand immer im Raum“, unter anderem weil Chinas sogenannte Volksbefreiungsarmee ihr 100. Jubiläum feiert und US-Präsident Donald Trump von den Zwischenwahlen im Herbst 2026 geschwächt sein könnte.
Hintergrund: Die Kommunistische Partei betrachtet Taiwan als Teil Chinas, bedroht den demokratischen Inselstaat regelmäßig mit einer Invasion. Bislang traten die USA als Schutzmacht Taiwans auf, um Peking abzuschrecken. Für Europa ist Taiwan unter anderem als Chip-Lieferant wichtig, von dem viele Branchen abhängig sind.
Europäische Warnungen und Vorbereitungen
Briten und Franzosen hätten China bereits ihre Warnung übermittelt, so Oertel – nun sei wohl Merz dran. Die Botschaft der Europäer: „Dass man sich große Sorgen macht über eine militärische Eskalation in der Taiwanstraße, dass wir Interessen haben in Taiwan, dass wir Interessen haben an stabilen Lieferketten im Technologiebereich.“
Bereits jetzt werde in Europa die Reaktion auf einen möglichen China-Angriff diskutiert: „Die Frage, welche wirtschaftlichen Maßnahmen man treffen würde, welche Sanktionspakete man haben würde.“ Aber auch Fragen wie: „Wissen wir ganz genau, wie wir Lieferketten sichern können? Wissen wir, welche Unternehmen vor Ort sind, denen wir Hilfestellungen bereitstellen müssen? Was bedeutet das für unsere militärische Produktion von Rüstungsgütern?“
Chinas Rolle im Ukraine-Krieg
Janka Oertel verweist auch auf die enge Beziehung zwischen Xi Jinping und Kreml-Machthaber Wladimir Putin, die Europa einkalkulieren müsste. „Was würden wir tun, sollte in so einem Fall eine russische Offensive noch mal gestartet werden und wir so eine Ablenkung haben auf beiden Seiten? Das sind die ganz konkreten Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen können und für die wir Vorbereitung treffen müssen.“
Brisant ist, welche Ziele China gegenüber Russland verfolgt. Oertel im RONZHEIMER-Podcast: „Für China ist es aus nationalen Sicherheitsgründen sehr vorteilhaft, dass Russland nicht nur nicht beschäftigt ist mit seiner Ostgrenze, sondern im Westen beschäftigt ist. Dass Russland sich da auch militärisch verausgabt und keinerlei Bedrohung für China darstellt.“
Denn: China wisse, dass es „mit Russland immer einen schwierigen Partner hat, mit dem man zwar Handel treibt, aber den man gerne nicht zu stark hat an seiner Grenze – weil man da historisch einfach schlechte Erfahrungen gemacht hat“. Oertel erinnert: „Es gibt weite Teile des russischen fernen Ostens, die bis in die 1860er Jahre chinesisch waren. Das hat man auch nicht vergessen in Peking.“
Das heißt: Ein russischer Sieg in der Ukraine sei nicht Chinas Ziel – eine Niederlage aber auch nicht. „Letzten Endes darf es nur nicht so sein, dass die Nato das als großen Sieg feiert (...) und man ein völlig destabilisiertes Russland an der Grenze hat, das möglicherweise dann auch noch mit den USA zusammenarbeitet.“



